Hendrik Wüst hofft auf zügige Impfpflicht und rechnet auch 2022 mit Corona-Einschränkungen

Düsseldorf - Wieder ein Weihnachtsfest unter Pandemie-Bedingungen und auch für 2022 ist kein Befreiungsschlag in Sicht. Der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (46, CDU) schwört die Bürger im Land zum Jahreswechsel auf weitere coronabedingte Einschränkungen ein. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur verriet der 46-Jährige, worauf die Menschen sich im kommenden Jahr einstellen können.

In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur beantwortete NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (46, CDU) Fragen zum weiteren Vorgehen in der Pandemie.
In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur beantwortete NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (46, CDU) Fragen zum weiteren Vorgehen in der Pandemie.  © Malte Krudewig/dpa

Die Bürger haben in den vergangenen Pandemie-Monaten viel Zick-Zack-Kurs erlebt. Wird sich das ändern?

Hendrik Wüst: Die Pandemie hat vielen Menschen viel abverlangt. Gerade Kinder und junge Leute haben viele Einschränkungen hinnehmen müssen, besonders Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte leisten Herausragendes.

Wir tun alles für die baldige Rückkehr zur Normalität, aber wir als Politik müssen ehrlich sein: Corona wird uns auch im neuen Jahr noch sehr beschäftigen und viel abverlangen. Auch im neuen Jahr werden Einschränkungen im Alltag nötig bleiben.

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Omikron ist eine ganz neue Dimension der Herausforderung. Mit einem verlässlichen, gradlinigen Kurs schaffen wir bei den Menschen das Vertrauen, das wir auch in den nächsten Monaten brauchen werden. Und trotzdem werden wir auch im weiteren Verlauf dieser Pandemie immer wieder dazu lernen.

"Ich hoffe, dass die Impfpflicht zügig kommt!"

Eine Krankenschwester verabreicht bei einer Impfaktion eine Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer.
Eine Krankenschwester verabreicht bei einer Impfaktion eine Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Was werden die wichtigsten Corona-Schutzmaßnahmen in den kommenden Monaten sein?

Wüst: In diesen Wochen geht es darum, die Kontakte wieder deutlich zu reduzieren – so schwer das fällt. Die bekannten Hygienemaßnahmen und das Tragen von Masken werden uns noch mehrere Monate begleiten. Die Auffrischungsimpfungen und etwaige weitere Impfungen sind der wichtigste Baustein der Pandemiebekämpfung.

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Können Sie den Bürgern Hoffnung auf ein Ende der Pandemie machen?

Wüst: Durch die Verfügbarkeit von genügend Impfstoff haben wir ja die Chance, uns gut zu schützen. Die geringe Impfquote in manchen Teilen Deutschlands hat uns jedoch bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht – nur deshalb denken wir jetzt ernsthaft über eine Impfpflicht nach.

Ich hoffe, dass die Impfpflicht zügig kommt und dazu beiträgt, dass es dann eine gesellschaftliche Befriedung gibt. Der Weg heraus aus der Pandemie führt nur über die Impfung.

"Nicht jeder, der nicht geimpft ist, ist gleichzeitig ein Corona-Leugner"

Eine Labormitarbeiterin bereitet Röhrchen für einen PCR-Test vor, um Proben auf die Omikron-Variante zu testen.
Eine Labormitarbeiterin bereitet Röhrchen für einen PCR-Test vor, um Proben auf die Omikron-Variante zu testen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Glauben Sie wirklich, dass die Impfpflicht zur gesellschaftlichen Befriedung beiträgt, wenn man die Demonstrationen auf den Straßen sieht?

Wüst: Nicht jeder, der nicht geimpft ist, ist gleichzeitig ein Corona-Leugner. Es gibt noch eine ganze Menge Menschen, die wir überzeugen können, dass die Impfung sie schützt und Leben rettet. Bei den zwei Millionen Impfungen pro Woche in Nordrhein-Westfalen sind auch noch viele Erst- und Zweitimpfungen dabei.

Wie und wann wird der erwartete, an Omikron angepasste Impfstoff in den nächsten Monaten auf die Länder verteilt?

Wüst: Für die Impfstoffverteilung an die Länder gibt es Verteilungsschlüssel. Der Expertenrat der Bundesregierung empfiehlt aber ausdrücklich, nicht darauf zu warten, sondern das jetzige Booster-Angebot anzunehmen und dann später die angepassten Impfstoffe ebenfalls zu nutzen.

Ich halte das für richtig, denn für die nächsten Wochen wird entscheidend sein, so viele Menschen wie möglich bestmöglich zu schützen. Warten ist keine Option.

Wüst war im Oktober im NRW-Landtag zum neuen Regierungschef gewählt worden. Er übernahm das Amt von Armin Laschet (60, CDU).

Titelfoto: Malte Krudewig/dpa

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