Spahn sieht keinen zweiten Lockdown: Das ist der Grund

Berlin -  Zu einem großflächigen Stillstand in Deutschland wie im Frühjahr wird es nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) in der jetzigen Corona-Situation nicht kommen.

Jens Spahn geht derzeit nicht von einem erneuten Lockdown aus.
Jens Spahn geht derzeit nicht von einem erneuten Lockdown aus.  © Kay Nietfeld/dpa, Michael Sohn/AP Pool/dpa

"Einen zweiten Lockdown, so wie er immer gemeint wird, den sehe ich nicht", sagte Spahn am Mittwoch auf die entsprechende Frage eines Nutzers der Social-Media-App Jodel. Dort hatten sich auch in der Vergangenheit bereits Spitzenpolitiker, unter anderem Kanzleramtschef Helge Braun (48, CDU), Fragen von Nutzern gestellt.

Spahn sagte, man wisse heute, dass es beispielsweise im Einzelhandel, bei Friseuren und in anderen Bereichen momentan keine Ausbrüche gebe, wenn auf die sogenannte AHA-Regel - Abstand, Hygiene, Alltagsmaske - geachtet werde. Diese Bereiche würde man auch nicht wieder schließen müssen.

Unterdessen ist der kritische Wert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche auf die gesamte Bundesrepublik bezogen überschritten worden. Der Wert gilt als eine wichtige Schwelle für strengere Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl am Mittwoch mit 51,3 an, am Vortag lag sie bei 48,6. Bundesweit meldeten die Gesundheitsämter nach RKI-Angaben vom Mittwochmorgen zuletzt 7595 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Der Wert bleibt damit knapp hinter der Höchstmarke von 7830 vom Samstag zurück.

Die Sorge vor einem erneuten Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland kam auch wegen der stark wachsenden Zahl von Neuinfektionen und der Situation im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land auf. 

Jens Spahn sieht "Stand heute" keine Siuation wie im März

Ein Mann läuft die ansonsten leere Seestrasse in Berchtesgaden entlang, die zum Königssee führt.
Ein Mann läuft die ansonsten leere Seestrasse in Berchtesgaden entlang, die zum Königssee führt.  © Peter Kneffel/dpa

Dort ist wegen des Wertes von 236 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen seit Dienstag das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Schulen und Kitas wurden ebenso geschlossen wie Hotels und Restaurants.

Spahn sagte, aktuell sehe man in Berchtesgaden, dass regional bei besonders vielen Infektionen alles "mal wieder zwei oder drei Wochen" deutlich heruntergefahren werde, um es in den Griff zu bekommen. 

Das Virus sei dynamisch, und keiner wisse, was in drei Monaten sei. Aber Stand heute sehe er so eine Situation wie im März/April nicht.

Auch andere Politiker schließen ein ähnliches Vorgehen auf lokaler oder regionaler Ebene wie im Berchtesgadener Land nicht aus. Der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: 

"Dinge wie in Berchtesgaden werden wir jetzt häufiger sehen. Wir können nur reagieren durch lokale Shutdowns, insofern sind die auch angemessen."

Beim Städte- und Gemeindebund wird das auch für große Städte nicht ausgeschlossen. "Wenn die Zahlen so hochgehen, wie jetzt im Berchtesgadener Land, dann kann ich mir das - leider - auch in größeren Städten vorstellen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg (68) der "Bild"-Zeitung.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa, Michael Sohn/AP Pool/dpa

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