Cannabis-Legalisierung auf der Zielgrade: "Für viele ein langersehnter Schritt"

Berlin - Die Bundesregierung macht Ernst beim Thema Cannabis: Als Höhepunkt eines langen Erfahrungsaustausches mit vier Konsultationen und mehr als 200 angehörten Experten aus Bereichen wie Suchtmedizin, Suchthilfe, Recht oder Wirtschaft trafen am Donnerstag unweit des Brandenburger Tores schlaue Köpfe aus aller Welt aufeinander, um die Legalisierung auf die Zielgerade zu bringen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) sprach im Berliner Allianz Forum zu den anwesenden Experten.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) sprach im Berliner Allianz Forum zu den anwesenden Experten.  © Eric Münch

"Es ist für viele ein lang ersehnter Schritt", so Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD), der die Veranstaltung eröffnete. Oberste Prämisse soll es sein, den Konsum sicherer zu machen.

"Die Risiken der derzeitigen Praxis sind höher, als wenn es eine legale Abgabe geben würde."

Lauterbach selbst war lange nicht von dieser Legalisierung überzeugt, änderte aber durch Argumente, wie eine bessere Prävention, Jugendschutz oder große Schwankungen in der Reinheit des Produktes seine Meinung. "Wir wollen eine kontrollierte Qualität und junge Menschen schützen."

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Schützen heißt in diesem Zusammenhang auch, dass aus der Einstiegsdroge kein Lifestyle-Produkt werden soll. "Wir wissen, dass junge Menschen, die Cannabis konsumieren, schulisch auf der Strecke bleiben können. Es kann ein Leben zerstören, bevor es überhaupt richtig angefangen hat."

Schon im nächsten Jahr soll die heiße Phase der Gesetzgebung starten

Experten aus aller Welt kamen am Donnerstag in Berlin zusammen.
Experten aus aller Welt kamen am Donnerstag in Berlin zusammen.  © Eric Münch

Schon im nächsten Jahr möchte Lauterbach mit dem Gesetzgebungsverfahren voll "durchstarten", das Änderungen im Jugendschutz, Strafgesetzbuch oder im Straßenverkehr bedingen wird.

Dessen Nachfolger auf dem Podium, Burkhard Blienert (56, SPD), Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bekräftigte anschließend viele Positionen des Gesundheitsministers.

Weiter nannte er nochmal ganz genau jene Ziele, die die Bundesregierung mit der Legalisierung erreichen möchte: Qualität sichern, Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindern, Gesundheitsschutz und Jugendschutz stärken und eine bessere Prävention. "Cannabis-Konsumenten brauchen eine menschliche und moderne Drogen- und Suchtpolitik."

Anschließend ging es auf dem Treffen in die Diskussion und den Erfahrungsaustausch.

Titelfoto: Eric Münch

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