So will Karl Lauterbach das Land besser für künftige Pandemien rüsten

Berlin - Sein Lebenstraum wird wahr! Kurz nach 10 Uhr am heutigen Montag ließ der designierte Kanzler Olaf Scholz (63, SPD) die Bombe platzen. Pandemieexperte und Talk-Show-Dauergast Karl Lauterbach (58) wird neuer Gesundheitsminister. Er folgt auf einen stets etwas unglücklich agierenden Jens Spahn (42, CDU) und tritt sein Amt in der schlimmsten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg an.

Karl Lauterbach (58, SPD) wird neuer Gesundheitsminister.
Karl Lauterbach (58, SPD) wird neuer Gesundheitsminister.  © dpa/Michael Kappeler

Er wird gehasst und geliebt zugleich! Machten sich die Menschen früher vor allem über die Fliegen von Karl Lauterbach lustig, errang er durch seine Expertise und teils nervende Ehrlichkeit in der Pandemie hohes Ansehen in großen Teilen der Bevölkerung.

Es haben sich, "anders kann man das gar nicht sagen, bestimmt die meisten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gewünscht, dass der nächste Gesundheitsminister vom Fach ist, es wirklich gut kann und dass er Karl Lauterbach heißt", argumentierte Olaf Scholz deshalb bei der Vorstellung der neuen SPD-Minister mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht. "Er wird es."

Bei seiner anschließenden kleinen Ansprache äußerte sich Lauterbach dann optimistisch, dass man die Corona-Pandemie überwinden kann.

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Sie werde länger dauern, als viele dächten, aber wir werden das schaffen. "Impfen wird die zentrale Rolle spielen, aber nicht nur. [...] Wir werden den Kampf mit der Pandemie gewinnen."

Darüber hinaus kündigte der 58-Jährige an, das deutsche Gesundheitssystem robuster und stärker machen zu wollen. "Mit uns wird es keine Leistungskürzungen im Gesundheitswesen geben."

Für künftige Pandemien werde man besser gerüstet sein.

Kommentar: Jetzt muss er liefern!

TAG24-Politikredakteur Paul Hoffmann meint, dass Karl Lauterbach ein guter Gesundheitsminister werden könnte, wenn er ein, zwei Dinge an sich ändert.
TAG24-Politikredakteur Paul Hoffmann meint, dass Karl Lauterbach ein guter Gesundheitsminister werden könnte, wenn er ein, zwei Dinge an sich ändert.  © Eric Münch

Mehr als anderthalb Jahre kommentiert Karl Lauterbach nun schon das Pandemie-Geschehen von der Seitenlinie aus. Er kritisiert, talkt mit Lanz, veröffentlicht Auszüge von neuesten Studien in seinen Social-Media-Kanälen und widerruft die wieder, wenn sich deren Ergebnisse dann doch als unkorrekt herausgestellt haben.

All das lief recht geräuschlos, war er doch "nur" ein Experte, der wie viele andere seine Einschätzung zur Lage abgab.

Doch das ist jetzt vorbei!

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Als Gesundheitsminister steht Lauterbach künftig mitten auf dem Spielfeld und muss Entscheidungen treffen und nicht nur kommentieren. Sein teils etwas willkürlich anmutendes Mitteilungsverhalten bei Corona-Neuigkeiten sollte der 58-Jährige deshalb dringend hinter sich lassen.

Die Deutschen sind verunsichert, es braucht nach Jens Spahn und in der Ernsthaftigkeit der Situation jetzt einen Minister der klaren Worte und klaren Entscheidungen.

Als letzten Punkt möchte man Karl Lauterbach noch auf den Weg geben, dass er künftig eine Sprache wählen sollte, die nicht nur die intellektuelle Elite des Landes versteht. Gerade in der einfachen Bevölkerung ist die Unwissenheit und Verunsicherung bei Themen wie dem Impfen nach wie vor groß. Schlaue Worte, die wie Bevormundung klingen, werden vorhandene Trotzhaltungen nur bestärken.

Kurzum, Karl Lauterbach muss jetzt wirklich liefern!

Titelfoto: dpa/Michael Kappeler

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