SPD-Lauterbach warnt vor schneller Ausbreitung der Coronavirus-Mutation

Berlin - SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) hat eindringlich vor einem schnellen Vordringen der in Großbritannien entdeckten Coronavirus-Variante nach Deutschland gewarnt.

Karl Lauterbach spricht im Bundestag nach der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu Medienvertretern.
Karl Lauterbach spricht im Bundestag nach der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu Medienvertretern.  © Kay Nietfeld/dpa

"Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe", sagte Lauterbach am Sonntagabend im "Bild"-Talk "Die richtigen Fragen".

"Das ist so ähnlich, als wenn ich ein Feuer habe und gieße noch einmal Benzin nach." Die Wahrscheinlichkeit, dass die neue, angeblich deutlich ansteckendere Corona-Variante über kurz oder lang nach Deutschland komme, bezifferte Lauterbach auf 100 Prozent.

Vor Kurzem war in Großbritannien eine Mutation des Virus entdeckt worden, die nach ersten Erkenntnissen von Wissenschaftlern um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll.

Premierminister Boris Johnson betonte, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. Wegen der Coronavirus-Variante schotten sich zum Wochenbeginn Deutschland und weitere europäische Länder zunehmend vom Vereinigten Königreich ab.

Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spricht sich weiterhin für harten Lockdown aus

Boris Johnson gibt eine Pressekonferenz in der 10 Downing Street.
Boris Johnson gibt eine Pressekonferenz in der 10 Downing Street.  © Toby Melville/reuters pool/AP/dpa

Lauterbach sagte, er hoffe aber, dass die Variante jetzt noch nicht in Deutschland angekommen sei. "Dann müssen wir kämpfen, dass das möglichst lange so bleibt."

Dies sei "ein weiterer Grund, warum wir den harten Lockdown rigoros durchführen müssen", bis die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen deutlich unter 50 oder besser unter 25 lägen. Dann könne man, "selbst wenn die neue Mutation da ist, jedes neue Cluster sofort entdecken und beenden und kommt wieder vor die Welle".

Aktuell liegen aber allein sechs Bundesländer über der Marke von 200, darunter Sachsen mit dem Höchstwert von 427 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Die von Deutschland und anderen EU-Staaten verfügten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien und dem ebenfalls von der Virusvariante betroffenen Südafrika sind nach Überzeugung Lauterbachs dringend notwendig und müssen möglicherweise lange aufrechterhalten werden. "Wenn sich bestätigt, dass es so viel virulenter ist, dann würde ich mindestens von Wochen, wenn nicht von Monaten ausgehen."

Und auch nach einer Aufhebung der Einreisesperren sollte weiter jeder getestet werden, der aus den Regionen kommt.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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