"Peinlich", "Körperverletzung": Volle Breitseite für Söder nach Corona-Panne

Berlin/München - Nach dem Bekanntwerden der Panne bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern hagelt es Kritik für Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seine Regierung - auch die Oppositionsparteien im Bund schießen scharf.

Markus Söder (CSU) steht nach der Panne bei den Corona-Testergebnissen unter Beschuss.
Markus Söder (CSU) steht nach der Panne bei den Corona-Testergebnissen unter Beschuss.  © Nicolas Armer/dpa/Pool/dpa

Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, schrieb in der Nacht zu Donnerstag auf Twitter: "900 positiv Corona-Getestete nicht zu informieren, ist Körperverletzung gegenüber denen, die diese anstecken." 

Und er griff namentlich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, weil am Vorabend nur Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) vor den Medien Stellung genommen hatte. "Wo ist Söder? Sonst immer vorneweg, schickt er jetzt seine Gesundheitsministerin vor. Peinlich", schrieb Lambsdorff.

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, twitterte: "Das ist das Ergebnis einer Politik der CSU, die auf Show statt Substanz setzt."

Am Mittwochnachmittag hatte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in München bekanntgegeben, dass 44.000 Reiserückkehrer nach Tests in Bayern noch kein Ergebnis bekommen hätten, darunter 900 nachweislich Infizierte. Letztere sollten bis Donnerstagmittag Informationen über ihren Befund bekommen.

Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots, erklärte Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Auch Grünen-Landeschef kritisiert Söder scharf

Auch Grünen-Landeschef Eike Hallitzky kritisiert den CSU-Vorsitzenden Markus Söder für die Panne bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen scharf und wirft ihm weitere Versäumnisse vor. 

"Ob Corona - von Starkbierfesten über das 'Vergessen' von 900 Infizierten bis zur tatsächlich hohen Zahl der in Bayern Betroffenen - bis zum Halten von Scheuer im Amt in seiner Rolle als CSU-Chef: Vom Klappern versteht Söder weit mehr als vom Handwerk verantwortungsvoller Politik", twitterte der Grünen-Politiker am Donnerstag. 

Update, 12.06 Uhr: Linke schießt gegen Söder nach Test-Panne

Linke-Chefin Katja Kipping hat Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) nach der Corona-Test-Panne im Freistaat scharf kritisiert. 

"Söder entlarvt sich als Scheinriese im Krisenmanagement", sagte Kipping laut einer Mitteilung ihrer Partei am Donnerstag. "So wichtig die breite Verfügbarkeit kostenloser Corona-Tests ist, so wichtig ist eben auch der sorgfältige Umgang mit den Ergebnissen." 

Die verantwortungsbewusste Verwaltung der Testdaten und die schnelle Information der Getesteten erfordere die gleiche Aufmerksamkeit wie der Aufbau der Testzentren.

Update, 13.44 Uhr: SPD: Söder hat sich als Krisenmanager inszeniert

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder nach der Panne bei Corona-Tests in der Verantwortung. 

Der CSU-Chef müsse die verheerenden Fehler beim Testen von Reiserückkehrern aufklären, vor allem aber konsequent beheben, sagte Klingbeil am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Herr Söder hat sich über Monate als Krisenmanager inszeniert und kann jetzt die Verantwortung nicht an seine Ministerin abschieben." 

Dass 900 Infizierte nicht über ihr Testergebnis informiert worden seien, erschwere den gemeinsamen Kampf gegen das Corona-Virus.

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa/Pool/dpa

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