Markus Söder unzufrieden: CSU mit schlechtestem Ergebnis seit 70 Jahren

Berlin/München - CSU-Chef Markus Söder (54) hat an den historisch schlechten Zustimmungswerten seiner Partei zu knabbern, kann ihnen aber dennoch Positives abgewinnen.

Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, hofft auf ein "Bündnis der Vernunft".
Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, hofft auf ein "Bündnis der Vernunft".  © Fabian Sommer/dpa

"Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht, ganz im Gegenteil, es ist kein zufriedenstellendes Ergebnis", sagte Söder am Sonntagabend in Berlin.

"Aber es liegt doch deutlich über dem Bundesergebnis und ist zumindest ein substanzieller Beitrag."

Für die CSU seien zwei Wegmarken wichtig gewesen: Über 30 Prozent in Bayern und über 5 Prozent bundesweit zu erreichen.

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Der ersten Hochrechnung zufolge hat die CSU bei der Bundestagswahl in Bayern das schlechteste Ergebnis seit über 70 Jahren eingefahren.

Nach den Zahlen von Infratest dimap im Bayerischen Rundfunk landen die Christsozialen bei 32,8 Prozent, im Vergleich zu 2017 wäre das ein Verlust von 6 Prozentpunkten.

"Bündnis der Vernunft" unter Führung Laschets?

Der CSU-Chef hat sich für ein "Bündnis der Vernunft" unter Führung von CDU-Chef Armin Laschet (60) ausgesprochen.

"Wir glauben fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses", sagte Söder am Sonntagabend in Berlin. Das sei allerdings kein Selbstläufer - es brauche ein "Bündnis der Vernunft" in diesen schweren Zeiten. Deshalb sei die CSU gemeinsam mit der CDU zu Gesprächen bereit.

"Wir wollen gemeinsam in diese Gespräche gehen mit dem klaren Ziel, den Führungsauftrag für die Union zu definieren, dass Armin Laschet dann der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird", betonte der CSU-Vorsitzende.

Update 21 Uhr: Söder sieht gemeinsame Verantwortung für Unionsergebnis

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, ist während der Wahlparty der CSU in der Parteizentrale auf einem Monitor zu sehen.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, ist während der Wahlparty der CSU in der Parteizentrale auf einem Monitor zu sehen.  © Sven Hoppe/dpa

CSU-Chef Markus Söder sieht die Ursache für das schlechte Abschneiden nicht alleine bei CDU-Chef Armin Laschet. "Wir tragen immer alle gemeinsam die Verantwortung", sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntagabend in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF.

Jetzt gehe es nicht darum, sich die Verantwortung hin und herzuschieben, "jetzt müssen wir aus dem Ergebnis auch eine Regierung bilden". In dem Zusammenhang warf Söder den Freien Wählern erneut vor, mit ihrem Bundestagswahlkampf die Bildung eines "echten bürgerlichen Bündnisses" erschwert zu haben, da CDU und CSU nun Stimmen fehlten. Das sei ein schwerer Fehler gewesen.

Söder betonte, er sehe im Ergebnis der Bundestagswahl ein "Misstrauensvotum" für ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis und für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. "Dieses Misstrauen gegen Rot-Rot-Grün ist indirekt auch ein Misstrauen gegen Olaf Scholz, denn er hat diese Idee favorisiert", sagte Söder.

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Es brauche nun ein Bündnis mit einer Idee, wie man Deutschland erneuern könne. "Und ich glaube, dass wir diesen Anspruch gut mit Armin Laschet dokumentieren können, vielleicht mit der FDP und mit den Grünen zusammen", sagte der CSU-Vorsitzende. Denn da sei der größte Wunsch nach Veränderung, nach Reform und Erneuerung da. "Und wir bieten dann an, der richtige Partner dafür zu sein." Scholz wolle dagegen Deutschland nur verwalten.

Die Frage, ob das Unionsergebnis mit ihm als Kanzlerkandidat besser gewesen wäre, sagte Söder: "Das ist wirklich Schnee von gestern." Das bringe in der jetzigen Situation auch nichts.

Er habe großen Respekt vor Armin Laschet. Diesem sei viel Unrecht getan werden - deshalb habe der CDU-Vorsitzende seinen Respekt und seine Unterstützung.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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