Debatte um Sachsens Ministerpräsidenten: Wieso spricht Kretschmer so oft mit den Rechten?

Dresden - Hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) wirklich ein offenes Ohr für die Anliegen aller Bürger? Nein, beklagt die Linke.

Mit wem sucht Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) das Gespräch? Mit politisch links stehenden Menschen eher nicht, so der Vorwurf der Linken.
Mit wem sucht Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) das Gespräch? Mit politisch links stehenden Menschen eher nicht, so der Vorwurf der Linken.  © dpa/Jan Woitas

Gehört würden vor allem die Lautstarken mit teils menschenfeindlichen Ansichten. Dezente Kritik an Kretschmer, der sich selbst nicht äußerte, gab es auch von den Koalitionspartnern.

Anlass für die Landtagsdebatte war Kretschmers Besuch einer Demo gegen die Corona-Beschränkungen. Darunter waren auch Verschwörungstheoretiker.

Auch mit dem neurechten Radebeuler Kulturamts-Chef Jörg Bernig (56) hatte Kretschmer gesprochen.

"Michael Kretschmer ist nur für diejenigen Sächsinnen und Sachsen ein Regierungschef 'zum Anfassen', von denen er glaubt, dass sie ihn und seine CDU eines Tages wählen könnten. Bei 'Black Lives Matter'-Protesten hat man ihn nicht gesehen. Auch bei der Dresdner Unteilbar-Demo im August 2019 hat er sich nicht blicken lassen", so Sarah Buddeberg (37, Linke). 

Kretschmer habe Berührungsängste gegenüber Menschen, die politisch links stehen.

Leise Kritik kam auch vom Koalitionspartner, von Valentin Lippmann (29, Grüne). Das Treffen mit Bernig sei ein Fehler gewesen. Er könne das Unverständnis mancher darüber nachvollziehen, mit wem Kretschmer rede und mit wem eben nicht.

"Es darf sich nicht der Eindruck verfestigen, dass man vor allem dann gehört wird, wenn man nur laut und lange genug den Systemsturz herbeifabuliert."

Ermutigt werden müssten auch die Leisen, die sich für Weltoffenheit einsetzten. Auch Frank Richter (60, SPD) mahnte, einseitige Aufmerksamkeit dürfe es nicht geben.

Mitte Mai besuchte Michael Kretschmer (45, CDU) Anti-Corona-Demonstranten in Dresden. Das sorgte für Debatten.
Mitte Mai besuchte Michael Kretschmer (45, CDU) Anti-Corona-Demonstranten in Dresden. Das sorgte für Debatten.  © dpa/Sebastian Kahnert
Auch mit sprichwörtlichen "Aluthut-Trägern", wie hier in Pirna, redet der Regierungs-Chef.
Auch mit sprichwörtlichen "Aluthut-Trägern", wie hier in Pirna, redet der Regierungs-Chef.  © dpa/Matthias Rietschel
Die Linken vermissten Kretschmer auch bei den Demos gegen Rassismus am Wochenende. Bei "Herz statt Hetze" war er aber zum Beispiel.
Die Linken vermissten Kretschmer auch bei den Demos gegen Rassismus am Wochenende. Bei "Herz statt Hetze" war er aber zum Beispiel.  © Eric Münch

Verteidigt wurde Kretschmer von Martin Modschiedler (52, CDU): "Gehört wird, wer das Gespräch sucht. Der Ministerpräsident hat das Zuhören zur Chefsache gemacht. Er kann natürlich nicht überall gleichzeitig sein."

Innenminister Roland Wöller (49, CDU): "Wer ausgerechnet diesem Ministerpräsidenten unterstellt, er höre nicht zu oder nur wählerisch, hat die letzten zwei Jahren nicht in Sachsen gelebt."

Titelfoto: dpa/Jan Woitas

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