Der Höhepunkt von Michael Kretschmers Rom-Reise: Erst Papst-Audienz, dann Pizza!

Rom/Vatikan - Tag drei der Romreise von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU). Der letzte und wichtigste - die Privataudienz beim Papst steht an. Privat ist daran aber nur der Rahmen im Apostolischen Palast und das Gespräch mit ganz wenigen Teilnehmern. Ansonsten geht es vor allem um eines: Politik.

Herzliche Begrüßung: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) und Papst Franziskus (85).
Herzliche Begrüßung: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) und Papst Franziskus (85).  © Vatican Media

Die Audienz war für 10.30 Uhr angesetzt und dauerte statt der geplanten 30 Minuten rund eine Dreiviertelstunde länger.

Mit dabei war der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Bernhard Kotsch (52) - er leitete einst neun Jahre lang stellvertretend das Büro von Ex-Kanzlerin Angela Merkel -, außerdem Kretschmers Ehefrau Annett Hofmann, Kulturministerin Barbara Klepsch, die Vorsitzende des Katholikenrats, Martina Breyer und zwei Mitarbeiter der Staatskanzlei.

Bischof Heinrich Timmerevers wird seine Audienz in der kommenden Woche bekommen. Der Vatikan trennt klar zwischen politischen und religiösen Angelegenheiten.

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Dass Länderchefs überhaupt empfangen werden, gilt nur für Deutschland. Eine Regelung, die Benedikt XVI. einführte.

Michael Kretschmer trifft den Papst

"Ein tiefgründiges und konzentriertes Gespräch", sagte der MP nach der Begegnung mit Franziskus. Ein Übersetzer (Mitte) half über Sprachschwellen.
"Ein tiefgründiges und konzentriertes Gespräch", sagte der MP nach der Begegnung mit Franziskus. Ein Übersetzer (Mitte) half über Sprachschwellen.  © Vatican Media

Aber was veranlasst einen protestantischen Ministerpräsidenten zum Besuch beim Oberhaupt der katholischen Kirche?

Der gesellschaftliche Zusammenhalt, Versöhnung, Liebe - das hatte Kretschmer schon am Vorabend bei einem Essen auf Einladung des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell' Anima betont. Die Idee sei ihm beim päpstlichen Ostersegen gekommen.

Während der Corona-Pandemie hatte Papst Franziskus den Segen vor leeren Rängen gespendet.

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Überraschungsgast des Abends war übrigens der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Reiner Haseloff (68, CDU). Er weilt gerade privat in Rom.

Michael Kretschmer und seine Frau Annett Hofmann hatten ein Brot aus der Heimat mitgebracht. Auf dem Schreibtisch von Papst Franziskus liegt außerdem ein in Sachsen gefertigter Schlafsack. 80 davon übergaben der MP und Bischof Heinrich Timmerevers später an die apostolische Almosenverwaltung - für die zahlreichen Obdachlosen in Rom.
Michael Kretschmer und seine Frau Annett Hofmann hatten ein Brot aus der Heimat mitgebracht. Auf dem Schreibtisch von Papst Franziskus liegt außerdem ein in Sachsen gefertigter Schlafsack. 80 davon übergaben der MP und Bischof Heinrich Timmerevers später an die apostolische Almosenverwaltung - für die zahlreichen Obdachlosen in Rom.  © Vatican Media

"Ein sehr bewegendes Gespräch mit dem Heiligen Vater"

Die Gesellschaft brauche die Kirche, sagte Kretschmer nach dem Papstbesuch.
Die Gesellschaft brauche die Kirche, sagte Kretschmer nach dem Papstbesuch.  © Nikolai Schmidt

Auch als Kretschmer nach der Audienz auf der Dachterrasse des Campo Santo Teutonico vor die Mikrofone tat, war er ganz Staatsmann. "Ein sehr bewegendes Gespräch mit dem Heiligen Vater", sei das gewesen.

Inhalte? Der Ukraine-Krieg und der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche. Wie gewohnt stand der MP ganz aufrecht und beantwortete geduldig die Fragen der Journalisten - trotz der stechenden Sonne.

"Ein sehr bescheidener, aber aufgeweckter Mensch mit einem schönen Humor und einer großen Kraft und einem Willen, Dinge zu gestalten", antwortete er auf die Frage, wie der Papst auf ihn gewirkt habe. Das klang alles andere als aufgesetzt, aber doch konzentriert.

Erst am Ende wurde der Ministerpräsident ganz Mensch. "Ich will eine Pizza", sagte er. Wer könnte ihm das verdenken?

Unser Mann in Rom: TAG24-Redakteur Thomas Staudt

TAG24-Redakteur Thomas Staudt (55, l.) und ein Mitglied der Schweizer Garde am Zugang zum "Campo Santo".
TAG24-Redakteur Thomas Staudt (55, l.) und ein Mitglied der Schweizer Garde am Zugang zum "Campo Santo".  © privat

Direkt aus Rom berichtet für uns Thomas Staudt (55). Ihn verbindet eine besondere Beziehung mit der Ewigen Stadt. Das erste Mal war er Mitte der 80er zum (Kloster-)Schulabschluss dort, danach zog es den TAG24-Redakteur in Abständen immer wieder dorthin.

Unvergessen für ihn: mit brennenden Kerzen durch sonst unzugängliche Etagen der Katakomben, die Idylle des Moses-Brunnens über der Piazza del Popolo und die erste frische Feige auf dem Markt Campo de' Fiori.

Einmalig: die Audienz bei Papst Johannes Paul II. - keine private allerdings, sondern eine öffentliche mit Tausenden anderen Pilgern auf dem Petersplatz (Sonnenbrand inklusive).

Titelfoto: Vatican Media

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