Kretschmer vermeidet das Wort Lockdown, aber "harter Wellenbrecher" soll kommen

Dresden - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) hat angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionen weitere harte Einschnitte angekündigt.

Michael Kretschmer (46, CDU) spricht von einem "harten und klaren Wellenbrecher".
Michael Kretschmer (46, CDU) spricht von einem "harten und klaren Wellenbrecher".  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Bei einer Regierungserklärung im Landtag sprach er am Donnerstag von einem "harten und klaren Wellenbrecher" für zwei oder drei Wochen. Das Wort Lockdown vermied er. Details sollen am Freitag vom Kabinett beschlossen werden.

"Wir brauchen überall ein Eingreifen, nur wir im Freistaat Sachsen brauchen dieses Eingreifen jetzt." Es gelte aber noch die Beschlüsse auf Bundesebene abzuwarten. Der Bundestag wollte am Donnerstag über das neue Infektionsschutzgesetz befinden.

Kretschmer verwies auf den extrem hohen Wert der Wocheninzidenz in Sachsen, den das Robert Koch-Institut am Donnerstag mit 761,4 angab. Damit hat der Freistaat mit Abstand die höchste Infektionsrate.

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Bundesweit liegt sie bei 336,9. Dies zeige einmal mehr, dass dringend gehandelt werden müsse, sagte Kretschmer. Es gebe einen direkten Zusammenhang zwischen Impfquote und Inzidenz. Sachsen habe bundesweit die niedrigste Impfquote, obwohl man wie bei einem Mantra für das Impfen geworben habe. Es gebe nur einen Weg, die Seuche zu beenden - die Immunisierung.

1,2 Millionen Menschen in Sachsen seien noch nicht geimpft, davon mehr als 300.000 im Alter ab 60. Diese Menschen würden in den nächsten Wochen und Monaten erkranken.

Laut Kretschmer befindet sich Sachsen in einer Situation wie damals bei den Jahrhunderthochwassern. In der Pandemie seien die Dämme nun gebrochen. "Diese Welle bricht sich jetzt Bahn. Niemand hat die Kraft, in der jetzigen Situation, diese Dämme zu schließen. Das Wasser steigt."

Bei Hochwasser beginne dann die Phase der Evakuierung. Man müsse dieses Land zur Ruhe bringen. Das könne man vor allem mit einer Kontaktreduzierung erreichen. Dafür seien ein gemeinsames Handeln und gesellschaftlicher Zusammenhalt notwendig. "Vom Ich zum Wir - das ist das Gebot der Stunde. Nur so schaffen wir es, die Pandemie zu bewältigen."

Kretschmer: Wer die Pandemie jetzt noch leugne, mache sich mit schuldig

Die Abgeordneten im Sächsischen Landtag verfolgen die Rede zur Corona-Pandemie von Michael Kretschmer (46, CDU). Dieser halte es für unfassbar, dass manche die Pandemie noch immer leugnen.
Die Abgeordneten im Sächsischen Landtag verfolgen die Rede zur Corona-Pandemie von Michael Kretschmer (46, CDU). Dieser halte es für unfassbar, dass manche die Pandemie noch immer leugnen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dp

Kretschmer hielt es für "unfassbar", dass manche die Pandemie noch immer leugnen. "Wer über Monate Lügen hört, wird am Ende nicht mehr wissen, was die Wahrheit ist." Das sei ein Teil des Problems und Grund für die niedrige Impfquote sowie die Ablehnung notwendiger Maßnahmen.

"Verschwörungstheorien, Desinformationen haben in einem Teil der Bevölkerung eine solche Macht gewonnen, dass die Bürgerinnen und Bürger dort nicht mehr wissen, was die Wahrheit ist."

Wer die Pandemie jetzt noch leugne, mache sich schuldig, weil viele nicht mehr gerettet werden könnten, wenn man dieses Spiel weiter betreibe.

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AfD-Fraktionschef Jörg Urban (57) kritisierte die Corona-Politik der Regierung scharf. Obwohl die Hälfte der Menschen in Sachsen geimpft seien, gebe es mehr Infizierte als vor einem Jahr. "Das derzeitige Problem sind nicht die vielen Infektionsfälle und auch nicht die steigenden Zahlen von Krankenhaus-Einweisungen", behauptete er.

Das Problem seien die mangelhaften Vorbereitungen der Regierung und ihr Unvermögen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Anstelle der 2G-Regeln und dem Druck auf Ungeimpfte, brauche es kostenlose Tests etwa für den Einzelhandel und Corona-Boni für Pflegekräfte, um weitere Abwanderungen von Pflegepersonal zu verhindern.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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