Umweltministerium widerspricht Kretschmer: Energiewende doch nicht "gescheitert"?

Dresden - Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) hält die Energiewende für gescheitert. Er will vorerst an der Braunkohle festhalten. Kritiker sehen ein Problem auch darin, dass Sachsen selbst bisher zu wenig auf erneuerbare Energien gesetzt hat.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) zeigt sich unzufrieden mit der Bundesregierung.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) zeigt sich unzufrieden mit der Bundesregierung.  © DPA/Robert Michael

"Die Energiewende, so wie sie geplant war, ist gescheitert", behauptet der Ministerpräsident. "Der Bund will sie jetzt erzwingen, obwohl sich die Konstellationen verändert haben." Denn Gaskraftwerke würden durch die aktuelle Krise als Übergangslösung wegfallen.

Der Ministerpräsident pocht auf Braunkohle für den Übergang. "Wenn man nicht weiß, wie in zwei Monaten die Energieversorgung aussieht, und dennoch am vorzeitigen Ausstieg aus der Kohle festhalten will, dann passt das alles nicht zusammen."

Hintergrund: Der Bund plant, den Kohle-Ausstieg von 2038 auf 2030 vorzuziehen, Kretschmer ist dagegen. Den Ausstieg selbst stelle er aber nicht infrage.

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Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien ist für den Ministerpräsidenten laut eigener Aussage selbstverständlich. Doch gerade hier stand seine Regierung immer wieder in der Kritik. Bei der Windkraft ist Sachsen laut dem Bundesverband Windenergie das bundesweite Schlusslicht.

Im ersten Halbjahr waren danach nur zwei neue Anlagen mit zusammen sieben Megawatt Leistung hinzugekommen. Zugleich wurde laut Bundesverband sogar noch ein Windrad mit einem Megawatt zurückgebaut.

Der Ministerpräsident will die sächsischen Braunkohle-Kraftwerke, wie hier das Kraftwerk Lippendorf (Landkreis Leipzig), bis 2038 laufen lassen. Beim Ausbau der Windkraft in Sachsen herrschte zuletzt fast Flaute.
Der Ministerpräsident will die sächsischen Braunkohle-Kraftwerke, wie hier das Kraftwerk Lippendorf (Landkreis Leipzig), bis 2038 laufen lassen. Beim Ausbau der Windkraft in Sachsen herrschte zuletzt fast Flaute.  © Montage: dpa/Julian Stratenschulte, dpa/Jan Woitas

Solarenergie mit kräftigem Plus in Sachsen

Staatssekretär Gerd Lippold (60, Grüne) widerspricht dem Ministerpräsidenten.
Staatssekretär Gerd Lippold (60, Grüne) widerspricht dem Ministerpräsidenten.  © Norbert Neumann

Kritik am Ministerpräsidenten kommt auch aus dem Energieministerium: "Die Aussage, die Energiewende sei gescheitert, ist nicht richtig", so Staatssekretär Gerd Lippold (60, Grüne) gegenüber TAG24.

"Wäre die Energiewende in Deutschland, besonders aber auch in Sachsen, früher beherzt angepackt worden, dann wären wir jetzt weitaus weniger betroffen."

Jetzt müsse die Regierung in kurzer Zeit aufholen - dann sinke auch die Abhängigkeit von Gaskraftwerken.

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Beim Sonnen-Strom hat Sachsen laut dem Energieministerium schon zugelegt. 57.930 Photovoltaik-Einheiten haben im vergangenen Jahr Strom geliefert, ein Plus von 8055 Einheiten gegenüber 2020.

Titelfoto: Montage: dpa/Julian Stratenschulte, dpa/Jan Woitas, dpa/Robert Michael

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