Linke reagiert harsch auf Wagenknechts Impf-"Skepsis"-Auftritt bei Anne Will

Berlin - Der Auftritt von Sahra Wagenknecht (52) bei Anne Will schlägt auch drei Tage später noch hohe Wellen. Die Linke geht auf Abstand zu ihrer umstrittenen Genossin.

Wagenknecht (52) selbst ist nicht geimpft - ihr 78-jähriger Ehemann Oskar Lafontaine ist es.
Wagenknecht (52) selbst ist nicht geimpft - ihr 78-jähriger Ehemann Oskar Lafontaine ist es.  © ARD/Anne Will

Stein des Anstoßes sind Wagenknechts Aussagen wie "Wer sich impfen lässt, schützt als Erstes sich selbst", es sei eine "egoistische" Tat, da die Impfung eine individuelle Entscheidung ist. Die mRNA-Impfstoffe seien zu neu und Langzeitfolgen nicht ausgeschlossen.

Lediglich ältere Menschen und Risikogruppen sollten sich laut ihrer Meinung auf jeden Fall impfen lassen, da das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sehr hoch ist (TAG24 berichtete).

Bereits im Vorfeld des Will'schen Polit-Talks hat sie sich auf YouTube in ihrem "Video der Woche" geäußert (Wagenknechts Wochenschau). Es gebe "verrückte mediale Debatten" und eine "politische Anmaßung, die in 3G- und 2G-Modellen" stecke. Die gesellschaftliche Verantwortung der Politik sei groß, deren Aufgabe nicht darin bestehe, "Menschen zu drangsalieren, die sich aus einer persönlichen Risikoabwägung gegen die Impfung entscheiden" - Stichwort #Kimmich.

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Karl Lauterbach Wirbel um Lauterbach-Satz: Gegner reißen Zitat aus dem Zusammenhang

Aufgrund dieser Aussagen bekommt sie Beifall - allerdings von rechts. Nun sieht sich auch die Linke gefordert, um sich hauptsächlich zu distanzieren.

Linken-Chefin: "Werde Sahra Wagenknecht nicht mehr erklären"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58, SPD) widersprach vehement, warf ihr vor, Unsinn ("Räuberpistolen") zu reden. Wagenknecht aber blieb dabei: Impfen sei eine individuelle Entscheidung.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58, SPD) widersprach vehement, warf ihr vor, Unsinn ("Räuberpistolen") zu reden. Wagenknecht aber blieb dabei: Impfen sei eine individuelle Entscheidung.  © Michael Kappeler/dpa

Verschiedene Fraktions- und Vorstandsmitglieder der Linken kritisierten Wagenknechts Äußerungen bei Twitter.

Die Abgeordnete Kathrin Vogler (58, MdB) meint, Wagenknecht "verbreitet bei @AnneWillTalk Impfmythen. Das belegt: Sie hält nichts von Verantwortung und verfolgt weiter die gescheiterte Strategie, nach rechts gedriftete Menschen dadurch zurückgewinnen zu wollen, dass man ihnen nach dem Mund redet".

Vogler fragt, warum also schürt Wagenknecht die Impfangst? "Ganz offensichtlich hat sie nicht verstanden, dass die Delta-Variante dazu führen wird, dass jede*r Ungeimpfte sich auf jeden Fall mit #Covid_19 infizieren wird und dass das bei vielen Menschen zu schweren Folgen führen wird."

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Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow (44) sagte auf der Pressekonferenz nach der Sendung, die Haltung der Linken sei sehr klar, es gebe die Beschlusslage, dass Impfkampagnen unterstützt würden. "Sahra Wagenknecht ist Bundestagsabgeordnete, hat keine führende Rolle oder keine demokratisch legitimierte Rolle im Bundesverband." Die Impfung schützt andere: "Insofern ist es nicht banal, das Impfen abzulehnen oder vom Impfen abzuhalten."

Und: "Ich kann und werde Sahra Wagenknecht nicht mehr erklären."

Die Co-Vorsitzende Janine Wissler (40) schreibt: "Kinder unter 12 haben keinen Impfschutz, auch sie können schwere Verläufe haben und an #LongCovid erkranken. Das ist wissenschaftlich belegt und kein Alarmismus. Durch Impfung schützt man sich und andere."

Die Partei hadert mit Wagenknecht

Wagenknecht ist immer noch das bekannteste Gesicht der Linken. Volle Marktplätze, wenn sie auftritt, sie ist diejenige, die in TV-Talkshows eingeladen wird. Besonders im Osten gilt Wagenknecht als Galionsfigur. Wagenknecht polarisiert und provoziert regelmäßig.

Im Bundestagswahlkampf sorgte sie mit ihrem Buch für Furore, in dem sie der Partei Abgehobenheit vorwarf. Sie prägte den Begriff der "Lifestyle-Linken". Ein Parteiausschlussverfahren scheiterte.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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