Kretschmann zu Fackelaufmarsch bei Gesundheitsministerin: "Das hat die SA erfunden"

Hamburg/Stuttgart - Es waren beängstigende Szenen! In den vergangenen Tagen zogen vor allem in Thüringen und Sachsen Tausende Menschen durch die Straßen. Rechtsextreme und Corona-Leugner hatten zu diesen Protesten aufgerufen.

In Freiberg (Sachsen) ziehen Bürger an der Seite von Rechtsextremen durch die Straßen.
In Freiberg (Sachsen) ziehen Bürger an der Seite von Rechtsextremen durch die Straßen.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Der Tiefpunkt: Am Freitag versammelten sich rund 30 Menschen vor dem Haus von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD).

Mit Fackeln, Trillerpfeifen und Trommeln pöbelten sie gegen die Corona-Politik und die Ministerin. Dabei waren Parolen wie "Friede, Freiheit, keine Diktatur" zu hören.

Ein heftiger Vorfall, zu dem sich jetzt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (73, Grüne) in der ZDF-Talkrunde von Markus Lanz (52) äußerte.

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"Mit Fackeln vor Privatwohnungen von Politikern aufzumarschieren, das hat die SA erfunden. Das muss man noch mal sehr, sehr deutlich sagen", erinnerte der 73-Jährige.

Weiter forderte er: "Gegen so etwas muss sich der Staat als wehrhaft erweisen."

Doch trotz der deutlichen Worte bestand der Ministerpräsident darauf, nicht alle Protestierenden "in einen Topf zu werfen".

Kretschmann: "Eine Impfskeptikerin bleibt eine Nachbarin, eine Bürgerin dieses Staates"

Winfried Kretschmann (73, Grüne) sieht eine Chance, Impfskeptiker zu überzeugen.
Winfried Kretschmann (73, Grüne) sieht eine Chance, Impfskeptiker zu überzeugen.  © Marijan Murat/dpa

Vielmehr plädierte Kretschmann dazu, die Menschen in drei Gruppen einzuordnen. So sehe er neben den "Rechtsextremen und radikalen Gegner der Demokratie" Menschen, die "verblendet sind. Die haben sich in einen Tunnel begeben und glauben an Verschwörungsmythen."

Impfskeptiker führte der Grünen-Politiker als dritte Gruppe auf. "Das sind Menschen, die diffuse Ängste haben. Die zwar nicht rational sind, aber da sind."

Diese Leute dürfe man nicht verloren geben, machte Kretschmann deutlich: "Eine Impfskeptikerin, die sich aus diffusen Gründen nicht impfen lassen will, bleibt eine Nachbarin, eine Bürgerin dieses Staates." Solche Menschen müsse man immer wieder mit Argumenten konfrontieren.

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Auch in Baden-Württemberg gab es zuletzt wieder Aufmärsche von Corona-Leugnern. Bei einem Protest vor Kurzem in Stuttgart wurden impfende Ärzte als Mörder bezeichnet, zudem wurden offenbar Grundgesetzbücher verbrannt. Der Staatsschutz ermittelt.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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