Politischer Aschermittwoch in Corona-Zeiten: Das Undenkbare wird Realität

München - Auch in Coronavirus-Zeiten will die Politik im Land nicht auf eine ihrer liebsten Traditionen verzichten.

Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident aus Bayern, trinkt beim Politischen Aschermittwoch 2020 der CSU ein Bier.
Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident aus Bayern, trinkt beim Politischen Aschermittwoch 2020 der CSU ein Bier.  © Peter Kneffel/dpa

Wegen des Infektionsschutzes kann der Politische Aschermittwoch im Jahr 2021 aber nicht wie sonst in voll besetzten Hallen und Bierkellern stattfinden, sondern muss stattdessen ins Internet ausweichen.

Was vor einem Jahr quasi noch undenkbar war, wird damit Realität: Beim Stammtisch "dahoam" kommt der erste entsprechende Vorgeschmack auf den Bundestagswahlkampf frei Haus ins Wohnzimmer.

Ob der Funke dann auch ohne Bier, Geselligkeit und Blasmusik überspringt, bleibt abzuwarten.

Die CSU hat ihren Anhängern in jedem Fall schon vorab mit Fan-Paketen voller Partei-Papierfähnchen, Passauer Bier, Brezen und Parteischal versorgt - diese sind inzwischen bereits ausverkauft.

Doch nicht nur bei den Christsozialen dürften viele Zuschauer in Trachten vor ihren Computern sitzen.

Welchen immens hohen Stellenwert die Traditionsveranstaltung trotz der Corona-Widrigkeiten hat, zeigen parteiübergreifend die hochkarätig besetzten Rednerlisten.

CSU-Chef Markus Söder (54), SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (62), Grünen-Chefin Annalena Baerbock (40), FDP-Chef Christian Lindner (42) und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) - um nur einige zu nennen. Auch Neu-CDU-Chef Armin Laschet (59) wird übrigens mit von der Partie sein - nachdem er im vergangenen Jahr noch im sauerländischen Lennestadt selbst der Hauptredner war, ist er nun zumindest mit einem Grußwort bei der CSU-Veranstaltung zu hören.

Nur Monate vor der Bundestagswahl stehen (zumindest überregional) die Redner und Parteien im Fokus, die sich am 26. September Hoffnungen auf das Kanzleramt machen. Ob berechtigt oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Debatten am Politischen Aschermittwoch spielen große Rolle

In jedem Fall dürfte das Fernduell CSU (und CDU), SPD und Grüne viel Gesprächsstoff für die kommenden politischen Debatten liefern. CSU-Generalsekretär Markus Blume (46) bezeichnete den Aschermittwoch auch im Corona-Jahr "als wichtigen Meilenstein", gerade auch für die CSU. Abgesehen von der Übertragung im Netz werde sich aber nichts ändern, es bleibe ein Ort der "klaren politischen Aussage und des Klartexts". Ein Umstand, der für viele potenzielle Wähler eine große Rolle spielt.

Dass Laschet dabei zugeschaltet sei, zeige, wie ernst CDU und CSU es im Wahljahr mit ihrer Union sei. Der Politische Aschermittwoch feiert in diesem Jahr seinen 102. Jahrestag: 1919 hatte der bayerische Bauernbund anlässlich des Viehmarkts im niederbayerischen Vilshofen erstmals zu einer Kundgebung geladen - das Politspektakel war geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Politische Aschermittwoch von der Bayernpartei wiederbelebt, bevor die CSU und die anderen folgten.

Seit Jahren lockt der Aschermittwoch auch außerhalb Bayerns mehr Menschen und Politiker in Hallen und Zelte.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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