Selfie zeigt: Grüne und FDP wollen den Ton angeben, erste Gespräche gestartet

Berlin - "Spannende Zeiten", schrieben vier Politiker zu einem Selfie auf Instagram und gaben so die erste Sondierungsrunde nach der Bundestagswahl bekannt. Wie recht sie damit haben.

Haben sich Dienstagabend über die Koalitionsmöglichkeiten unterhalten: FDP-Generalsekretär Volker Wissing (51, v.l.n.r), Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40), FDP-Vorsitzender Christian Lindner (42) und Robert Habeck (52).
Haben sich Dienstagabend über die Koalitionsmöglichkeiten unterhalten: FDP-Generalsekretär Volker Wissing (51, v.l.n.r), Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40), FDP-Vorsitzender Christian Lindner (42) und Robert Habeck (52).  © Screenshot Instagram @robert.habeck

Die Sitze im Parlament sind nach der Wahl am vergangenen Sonntag klar verteilt: Die SPD bekommt mit 206 die meisten, es folgen die Union mit 196, Grüne 118 und FDP 92.

Bei den nun anstehenden Koalitionsgesprächen preschen die zahlenmäßig kleineren jetzt jedoch überraschend vor. Grund dafür: Wenn sie sich einigen, muss keiner von ihnen in die gefürchtete Opposition. Und mit insgesamt 210 Sitzen haben sie noch mehr Macht als die SPD.

Am gestrigen Dienstagabend trafen sich deshalb die Grünen-Spitze, bestehend aus Robert Habeck (52) und Annalena Baerbock (40), mit der FDP-Führung, in Personen Christian Lindner (42) und Volker Wissing (51).

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Viel gaben die Politiker zu ihrem Gespräch nicht bekannt. Alle vier beschrieben das Foto lediglich: "Auf der Suche nach einer neuen Regierung loten wir Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus. Und finden sogar welche. Spannende Zeiten."

Damit deutet sich jedoch an, dass sich Grüne und FDP wesentlich anzunähern bereit sind.

Wie gut das klappen kann, hat Grünen-Habeck bereits 2017 nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein gezeigt, als er eine Koalition mit der FDP und CDU einging, die bis heute hält.

So werden die Sitze im Bundestag verteilt

Wie geht's nach dem Treffen von FDP und Grünen weiter?

Zu erwarten ist nach dem ersten Treffen von Wissing, Lindner, Baerbock und Habeck, dass weitere Gespräche folgen. Die Politiker werden sich wohl annähern und dabei besprechen, welche Punkte aus ihren Parteiprogrammen verhandelbar sind und welche unbedingt umgesetzt werden sollen.

Sobald eine Linie steht, setzen sich die vier mit SPD und CDU/CSU zusammen. Experten gehen davon aus, dass zuerst das Gespräch mit Olaf Scholz (63, SPD) gesucht wird.

Er konnte nicht nur mehr Wähler hinter sich vereinen, sondern bekommt auch mehr Unterstützung aus den eigenen Reihen. Bei Laschet hingegen formiert sich Widerstand. CDU-Mitglieder etwa aus Sachsen fordern Konsequenzen nach dem historisch schlechtesten Ergebnis der Union bei einer Bundestagswahl.

Sollten die Gespräche mit Scholz erfolgreich verlaufen, könnte eine Ampel-Koalition stehen.

Das sagen die Fans zu den Vor-Sondierungen

Unter den Anhängern der vier Politiker findet sich in den Instagram-Kommentaren viel Zuspruch. Es werden aber auch Forderungen gestellt. Etwa heißt es in einem Kommentar: "Okay. Aber BITTE BITTE BITTE koaliert nicht mit der CDU!", schreibt ein Fan an das Bild auf Habecks Account. Er erhält bis zum Morgen 600 "Gefällt mir"-Angaben für diesen Kommentar.

Bei Baerbock textet einer "Hauptsache jetzt nicht Laschet und nicht CDU" und erhält dafür sogar mehr als 1400 Herzen. Andere Polit-Follower kommentieren mit Ampel-Emojis oder formulieren auch aus: "Zeit für🚦und für Klimaschutz und Digitalisierung."

Ein anderer prognostiziert "Bloß keine Jamaika sonst endet es 2025 wie mit der Linken …"

Vorerst bleibt offen, wie es nach dieser Wahl weitergeht. Wahrlich "spannende Zeiten" stehen bevor.

Update, 14.30 Uhr: Sondierungen am Wochenende geplant

Nun kommt es überraschend doch zu einem Wechsel bei den Sondierungen: Die FDP will am Freitag weiter mit den Grünen sprechen, ehe es am Wochenende zu einem Treffen mit der CDU kommt. Die SPD ist erst später dran, wie Wissing am Nachmittag mitteilte.

Titelfoto: Screenshot/Instagram/robert.habeck

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