Internationale Stimmen feiern FDP: Liberale können "hohen Preis verlangen"

Berlin - Die FDP gilt als einer der Gewinner der Bundestagswahl 2021. Gerade auch die internationale Presse sowie Politiker setzen nun große Hoffnungen in die Partei um Chef Christian Lindner (42) und sehen dadurch die SPD und die Grünen in einer inhaltlichen Zwickmühle.

FDP-Chef Christian Lindner (42) dürfte mit dem Wahlergebnis durchaus zufrieden sein.
FDP-Chef Christian Lindner (42) dürfte mit dem Wahlergebnis durchaus zufrieden sein.  © Sebastian Gollnow/dpa-Pool/dpa

Wie die Londoner "Times" am Montag schreibt, bestehe die "Herausforderung für Olaf Scholz darin, die wirtschaftsfreundliche FDP zu einem Pakt mit seiner SPD und den Grünen zu bewegen".

Jedoch könnten die Freien Demokraten laut dem Blatt "einen hohen Preis für diesen Deal verlangen".

Es werde erwartet, dass FDP-Chef Lindner "darauf bestehen wird, das Finanzministerium zu kontrollieren und einige der Steuererhöhungen zu blockieren, die im Mittelpunkt der Wahlwerbung von SPD und Grünen standen".

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Bundestagswahl 2021 Wer soll das bezahlen: Sind die Ampel-Projekte finanzierbar?

Spannend werde es außerdem um einige der "politischen Markenzeichen" der Grünen. Neben der Herangehensweise beim Thema Klima stünden "ihre Positionen zu Steuern und Ausgaben (...) in krassem Gegensatz zu denen der CDU und der FDP".

Die spanische "El País" bläst dabei ins gleiche Horn, wenngleich sie auch die Grünen mit am Drücker sieht.

"Die Grünen und die Liberalen der FDP halten den Schlüssel bei der Entscheidung, ob der nächste Kanzler Olaf Scholz oder Armin Laschet heißt", fest in der Hand, so das Blatt, welches eine Zäsur in der Parteienlandschaft sieht.

"Die Ära der Parteien, die 30 oder 35 Prozent der Stimmen erhielten und es sich leisten konnten, mit einem einzigen Partner zu regieren, ist vorbei."

FDP als "Zünglein an der Waage" für besseres Verhältnis zu Polen?

Wahlsieg und somit Freude im Willy-Brandt-Haus: Olaf Scholz (63, M) zwischen Franziska Giffey (43, l.) und Manuela Schwesig (47).
Wahlsieg und somit Freude im Willy-Brandt-Haus: Olaf Scholz (63, M) zwischen Franziska Giffey (43, l.) und Manuela Schwesig (47).  © Britta Pedersen/dpa

Für die "El Mundo" ist derweil klar, dass ab sofort "Tango zu dritt getanzt" werde: "Es werden die Grünen und die Liberalen der FDP sein, die entscheiden, wer ins Kanzleramt einzieht."

Andrzej Przyłębski (63), polnischer Botschafter in Berlin, sieht in der FDP hingegen eine Möglichkeit, das durchaus angespannte Verhältnis der beiden Nachbarstaaten etwas zu entspannen.

So seien die Liberalen "das Zünglein an der Waage", was er als "hervorragende Nachricht" empfinde. Im Rückblick seien Außenminister wie Hans-Dietrich Genscher für Polen immer ein angenehmer Partner gewesen.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa-Pool/dpa

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