Lars Klingbeil an junge Wähler: Darum ist die Stimmabgabe wichtig und TikTok nichts für Parteien

Dresden/Berlin - Im Rahmen unseres Politik-Specials BundesTAG24 interviewen wir für Euch Spitzenpolitiker der großen Parteien. Heute: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (43).

Nachdem sich der Politiker im ersten Teil des TAG24-Interviews über den aktuellen Höhenflug der SPD, Olaf Scholz (63) als Kanzlerkandidaten und Die Linke als möglichen Koalitionspartner geäußert hat, stellt er sich in Teil zwei unseres Gesprächs weiteren spannenden Fragen rund um die Bundestagswahl 2021.

Der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil (43), weiß genau, warum Wählen so wichtig ist: "Weil dadurch jeder entscheiden kann, was in seinem Leben passiert."
Der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil (43), weiß genau, warum Wählen so wichtig ist: "Weil dadurch jeder entscheiden kann, was in seinem Leben passiert."  © PR/Tobias Koch

TAG24: Warum ist Wählen eigentlich so wichtig?

Lars Klingbeil: Weil dadurch jeder entscheiden kann, was in seinem Leben passiert und weil jeder ein Recht hat, wählen zu gehen. Das darf man nicht unterschätzen, dass es das in anderen Ländern nicht gibt, wo Menschen ihr Leben dafür lassen, dass sie dieses Recht auf Wählen und Demokratie einfordern. Jeder kann dann auch meckern, aber dafür muss man auch die Stimme abgeben und sagen, ich entscheide mit über meine eigene Zukunft.

TAG24: Sollte ich wählen, was für die Gesellschaft am besten ist oder was für mich am besten ist?

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Lars Klingbeil: Am besten SPD wählen, das ist sowohl für einen selbst, als auch für die Gesellschaft sehr gut. (lacht)

TAG24: Jetzt aber mal ernsthaft: Es gibt ja beispielsweise sehr reiche Menschen, die aus ihrer Sicht nicht die SPD wählen sollten, auch wenn das für die Gesellschaft an sich und den Klimaschutz wiederum vermeintlich sinnvoll wäre…

Lars Klingbeil: Ich glaube wirklich, dass es keinen Widerspruch zwischen einem gesellschaftlichen und individuellen Ziel gibt. So ein Thema, darf man noch Auto fahren, darf man noch nach Malle fliegen oder Fleisch essen, da würde die SPD ja nie auf die Idee kommen, den Menschen zu sagen, das darfst du nicht mehr.

"Genau in diesen Zeiten braucht man einen Profi wie Olaf Scholz an der Spitze"

Die TAG24-Redakteure Paul Hoffmann (28, r.) und Erik Töpfer (21) im virtuellen Gespräch mit Lars Klingbeil.
Die TAG24-Redakteure Paul Hoffmann (28, r.) und Erik Töpfer (21) im virtuellen Gespräch mit Lars Klingbeil.  © ronaldbonss.com/Ronald Bonss

TAG24: Aber ihre Partei fängt ja schon damit an, dass man nur noch 130 auf Autobahnen fahren soll…

Lars Klingbeil: In meinem Wahlkreis wäre ich total froh, wenn ich mal 130 fahren kann. Durch den Stau und die ganzen Baustellen fahre ich sehr viel langsamer. 130 ist etwas, das sowohl aus ökologischer als auch aus Sicht der Verkehrssicherheit Sinn macht. Aber wenn Klimaschutz so verstanden wird, dass ich individuell Sachen nicht mehr darf, dann läuft etwas schief. Da verlieren wir dann auch die Menschen. Klimaschutz darf nie dazu führen, dass man den Menschen etwas verbietet. Es geht darum, dass wir klimafreundliche Alternativen schaffen, die einfach, besser und günstig sind. Klimaschutz ist eine Chance für neuen Wohlstand und neue Jobs, wenn wir das richtig angehen.

TAG24: Nach welchen Kriterien wählen die Parteien eigentlich ihre Kandidaten aus? Es ist ja häufig nicht unbedingt der in der Bevölkerung beliebteste Spitzenkandidat…

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Lars Klingbeil: Ich glaube, bei Armin Laschet ging es darum, dass man Markus Söder verhindern wollte, das war das Kriterium. Bei uns war es so, dass unsere beiden Parteivorsitzenden gesagt haben, genau in diesen Zeiten braucht man jetzt einen Profi wie Olaf Scholz an der Spitze. Warum das bei den Grünen so ist, weiß ich gar nicht.

Politik sollte vermehrt jüngere Menschen ansprechen

Die SPD steht voll und ganz hinter Kanzlerkandidat Olaf Scholz (63).
Die SPD steht voll und ganz hinter Kanzlerkandidat Olaf Scholz (63).  © Swen Pförtner/dpa

TAG24: Müsste Politik nicht viel mehr für jüngere statt ältere Menschen gemacht werden?

Lars Klingbeil: Müsste definitiv. Bei uns im Wahlprogramm sind viele Sachen für die jüngere Generation drin. Wahlalter ab 16 Jahren, ambitionierter Klimaschutz, eine klare Haltung gegen rechts, Mobilität, Digitalisierung der Bildung. Aber es geht nicht nur um die Themen, sondern auch um junge Gesichter, die diese Politik dann auch umsetzen. Von unseren 299 Bundestagskandidaten sind 109 unter 40, der jüngste Kandidat ist 19 Jahre alt. Die können natürlich nochmal ganz gezielt junge Leute ansprechen, weil sie die Lebensrealität verkörpern.

TAG24: Warum bekommt jede 17-Jährige ein besseres TikTok-Video hin als die etablierten Volksparteien?

Lars Klingbeil: Weil sie authentisch ist. Man sollte nie krampfhaft versuchen cool zu sein, wenn man es nicht ist.

TAG24: Was für Musik hören Sie eigentlich?

Lars Klingbeil: (Überlegt) Ich musste jetzt gerade eine Spotify-Playlist für den Wahlkampf erstellen, da habe ich Fynn Kliemann ganz nach oben gesetzt. Ansonsten höre ich gerade ganz viel Fatoni.

TAG24: Waren Sie da auch schon auf dem Hausboot zu Gast?

Lars Klingbeil: Ne, aber im Kliemannsland war ich schon.

Titelfoto: PR/Tobias Koch

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