Möglichkeiten, zu wählen, gibt es viele - so unterscheiden sie sich

Dresden - Das deutsche Wahlrecht ist vor allem eins: kompliziert. Um Euch die Fragezeichen auf dem Weg zur Wahlurne aus dem Gesicht zu streichen, räumen wir mit unserem Special BundesTAG24 einmal auf. Heute: Die Mehrheitswahl. Ein Exkurs.

Ein Stimmzettel liegt zum Ankreuzen bereit. Wie gewählt wird, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Ein Stimmzettel liegt zum Ankreuzen bereit. Wie gewählt wird, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.  © dpa/Felix Hörhager

Wer am gestrigen Freitag die TAG24-Einführung in die Wahlsysteme gelesen hat, hat weiß jetzt schon, dass Deutschland laut Bundeswahlgesetz mit einer "nach den Grundsätzen der Personenwahl verbundenen Verhältniswahl" wählt.

Was genau diese satzgewordene Verwirrung bedeutet, klären wir im Detail am morgigen Sonntag. Jetzt geht es erst mal um das Gegenstück dazu: die Mehrheitswahl.

Die Mehrheitswahl will an und für sich nur möglichst eindeutige (wie der Name schon sagt) Mehrheitsverhältnisse schaffen.

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Dabei teilt man das Land in gleich große Wahlkreise ein. Und zwar in so viele, wie insgesamt Abgeordnete zu wählen sind.

In jedem Wahlkreis stellen sich verschiedene Parteien mit verschiedenen Kandidaten zur Wahl. Der Unterschied zwischen der relativen und absoluten Variante besteht darin, wie der Kandidat gewinnt.

Die relative Mehrheitswahl im Detail

Bei der relativen Mehrheitswahl muss ein Kandidat einfach nur mehr Stimmen erhalten als alle anderen – also die relative Mehrheit im Vergleich zu den anderen.

Stellen sich beispielsweise zehn Leute zur Wahl, acht bekommen zehn Prozent, einer neun und ein anderer elf, dann hat der mit elf Prozent automatisch gewonnen – alle anderen Stimmen gehen verloren.

Man spricht hier von einem "mehrheitsbildenden Effekt", weil durch die Stimmung im Land die Zusammensetzung des Parlaments sehr leicht einschätzbar wird. Bestes Beispiel hierfür ist Großbritannien.

Deutsches Wahlrecht ist kompliziert. Doch keine Sorge, TAG24-Redakteur Erik Töpfer hilft Euch dabei, es zu verstehen.
Deutsches Wahlrecht ist kompliziert. Doch keine Sorge, TAG24-Redakteur Erik Töpfer hilft Euch dabei, es zu verstehen.  © Eric Münch

Und so läuft die absolute Mehrheitswahl

Bei der absoluten Mehrheitswahl gewinnt ein Kandidat nur dann, wenn er die absolute Mehrheit, also mehr als 50 Prozent der Leute hinter sich bringen kann. Meistens klappt es aber nicht auf Anhieb, sodass ein zweiter Wahlgang herhalten muss. Hier wird dann wieder nach dem relativen Prinzip gewählt.

Dabei entsteht meist eine interessante Dynamik zwischen den Parteien. Oft beobachtet man, dass Einzelne ihre Kandidaten zurückziehen und ihren Wählern eine Empfehlung für die Konkurrenz aussprechen. Paradebeispiel hier: Frankreich.

Titelfoto: dpa/Felix Hörhager

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