Neuer Bundestag kommt erstmals zusammen: Warum mussten 23 AfD-Abgeordnete auf die Tribüne?

Berlin - Genau einen Monat nach der Wahl ist der neugewählte Bundestag am Dienstag erstmals zusammengekommen.

AfD-Abgeordnete, die nicht geimpft, genesen oder getestet (3G) sind, verfolgen die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags von der Tribüne aus.
AfD-Abgeordnete, die nicht geimpft, genesen oder getestet (3G) sind, verfolgen die konstituierende Sitzung des neuen Bundestags von der Tribüne aus.  © Kay Nietfeld/dpa

Es ist der 20. seit Gründung der Bundesrepublik und seit langer Zeit wieder einer, der nicht von einer GroKo unter Unions-Führung gelenkt werden wird.

Es war rappelvoll im Parlament. Dank 3G-Regelung konnten die Abgeordneten des Bundestages ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen oder Abstände auf ihren Stühlen Platz nehmen.

Lediglich 23 von ihnen, die keinen entsprechenden Nachweis erbringen wollten, wurden auf eine der Zuschauertribünen ausquartiert.

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Dort hatten sie einen ähnlichen Blick wie Noch-Kanzlerin Angela Merkel (67, CDU), die dem Geschehen sichtlich entspannt von einem anderen Rang aus beiwohnte - umrahmt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) und der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (84, CDU).

Letztere konnte sich darüber freuen, dass mit Bärbel Bas (53, SPD) künftig wieder eine Frau dieses Amt innehat.

So voll war er womöglich noch nie: der 20. Bundestag.
So voll war er womöglich noch nie: der 20. Bundestag.  © Michael Kappeler/dpa

Wolfgang Schäuble erlebt eher ungewollten Abgang

Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) sitzt auf der Ehrentribüne im Bundestag neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) sitzt auf der Ehrentribüne im Bundestag neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages.  © Michael Kappeler/dpa

Die Abgeordneten des 20. Bundestages wählten die SPD-Politikerin mit 576 von 724 abgegebenen Stimmen zu ihrer neuen Präsidentin. In der kommenden Legislaturperiode will sie "für das respektvolle Miteinander. Für eine verständliche Politik" einstehen.

Einen eher ungewollten Abgang aus dem zweithöchsten Amt des Staates erlebte hingegen Wolfgang Schäuble (79, CDU). Er musste seinen Posten infolge des Wahldebakels von CDU/CSU räumen.

Bei seinem letzten großen Auftritt, diesmal in der Rolle des dienstältesten Politikers, mahnte er abermals eine rasche Änderung des Wahlrechts an, um eine weitere Aufblähung des Bundestages zu verhindern. "Eine Wahlrechtsreform, die ihren Namen verdient [...] duldet ersichtlich keinen Aufschub."

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Abseits des Wahlgeschehens: AfD-Mann Stephan Brandner (55) sorgte mit seinem Auftritt gleich für einen ersten kleinen Eklat. In seiner Rede bezeichnete er das Gendern als "Quatsch" und forderte das Parlament unter Bezug auf Willy Brandt (†78, SPD) weiter dazu auf, "mehr Demokratie [zu] wagen", um einen Antrag der AfD auf Änderung der Geschäftsordnung zu unterstützen.

Es folgten höhnisches Gelächter und der Vorwurf vom Parlamentarischen Geschäftsführer der Linken, Jan Korte (44), die "braune Widerlichkeitsskala" gleich in der ersten Sitzung "in die Höhe zu treiben".

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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