New York Times lästert über Olaf Scholz: Kochendes Wasser ist interessanter

New York - Auch in den USA wird die Bundestagswahl in Deutschland genau beobachtet. Schließlich stellt sich die Frage, wer nach 16 Jahren Kanzlerin Angela Merkel (67, CDU) im Amt folgt.

Die Chancen für Olaf Scholz (63, SPD) stehen gut, dass er der nächste Bundeskanzler wird.
Die Chancen für Olaf Scholz (63, SPD) stehen gut, dass er der nächste Bundeskanzler wird.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die New York Times (NYT) hat sich den Wahlkampf angesehen und spricht von einem Mangel an Charisma. Die beiden männlichen Spitzenkandidaten Olaf Scholz (63, SPD) und Armin Laschet (60, CDU) seien alles andere als spannend.

Annalena Baerbock (40, Grüne) habe zwar eine mutige Reformagenda und viel Elan, doch damit sei in Deutschland keine Wahl zu gewinnen. In den Umfragen sind die Grünen nach einem kurzen Hoch inzwischen auf den dritten Rang zurückgefallen. Es scheint so, als würden Union und SPD das Rennen um die Kanzlerschaft unter sich ausmachen.

Laut NYT geht es bei der Bundestagswahl um die Frage, wer am besten für Stabilität und Kontinuität stehe – wer also das Konzept von Angela Merkel fortsetze.

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"Scholz versucht, Merkels Klon zu sein – inklusive Raute", sagte der frühere US-Botschafter in Berlin John Kornblum (78).

Der Sozialdemokrat werde zwar am meisten von den Wählern gemocht, doch er sei auch der "langweiligste Mann der Wahl – vielleicht sogar des Landes." Es sei aufregender, Wasser beim Kochen zuzusehen.

Annalena Baerbock (40, Grüne) bescheinigt die New York Times viel Elan, doch das komme nicht an bei den Deutschen.
Annalena Baerbock (40, Grüne) bescheinigt die New York Times viel Elan, doch das komme nicht an bei den Deutschen.  © Fabian Strauch/dpa

SPD liegt in Umfragen vor Union und Grünen

Deutschland, das Land der langweiligen Politiker

Armin Laschet (60, CDU) verkörpert in der Union am besten das "Prinzip Merkel".
Armin Laschet (60, CDU) verkörpert in der Union am besten das "Prinzip Merkel".  © Kay Nietfeld/dpa

Das sei aber typisch deutsch. Die Deutschen lieben Langeweile. Es gebe nur wenige andere Länder, in denen es ähnlich sei, zitiert die NYT Timothy Garton Ash von der Uni Oxford.

Selbst Jan Böhmermann (40) hat es als Experte in den Artikel geschafft. Der ZDF-Moderator erklärt die Langweile damit, dass Deutschland aus der Nazi-Zeit gelernt habe. Die Erinnerung an den Wahlsieg der NSDAP habe die Demokratie geprägt und dazu geführt, dass Charisma aus der Politik verbannt wurde.

"Eine Trump-Figur könnte hier niemals Kanzler werden", sagte Andrea Römmele (54), Professorin an der Berliner "Hertie School".

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Der beliebteste Politiker des Landes, der selbst gern Kanzler werden würde, stehe nicht auf dem Stimmzettel als Spitzenkandidat, so die NYT. Bei Vorwahlen wie in den USA hätte Markus Söder (54, CSU) sicher bei der Union die Kanzlerkandidatur gewonnen.

Doch CDU und CSU haben lieber auf Laschet gesetzt, da der eher für Kontinuität stehe. Die verkörpert Vizekanzler Scholz offenbar besser. Aktuelle Umfragen sehen die SPD als stärkste Kraft. So oder so stehen die Chancen für einen Sieg der Langweiler gut.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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