SPD stärkste Kraft in NRW: Spahn und Lauterbach gewinnen Direktmandate

Düsseldorf – Es drohte zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden. Doch die SPD ist bei der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen laut vorläufigem Endergebnis mit 29,1 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft.

Die SPD hat in NRW die Nase vorn. (Symbolbild)
Die SPD hat in NRW die Nase vorn. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das teilte der Bundeswahlleiter am Montagmorgen nach Auszählung aller 64 Wahlkreise mit.

Die CDU erreichte am Sonntag 26,0 Prozent der Zweitstimmen, die Grünen 16,1 Prozent, die FDP 11,4 Prozent, die AfD 7,3 Prozent und die Linke 3,7 Prozent.

In einigen Wahlkreisen in NRW gab es allerdings große und teils auffällige Unterschiede.

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Den höchsten Zweitstimmenanteil konnte die SPD mit 38,2 Prozent im Wahlkreis Herne-Bochum II erzielen. Am schlechtesten lief es für die Sozialdemokraten in Köln II, wo sie nur auf 21,1 Prozent kam.

Die CDU war in Borken II am stärksten, wo sie 36,6 Prozent holte. In Köln III waren es dagegen nur 17,8 Prozent.

Köln II war für eine andere Partei der Gewinner-Wahlkreis: Die Grünen erzielten dort mit 31,9 Prozent ihr bestes Zweitstimmenergebnis. Im Wahlkreis Olpe-Märkischer Kreis I konnten die Grünen dagegen nur 9,9 Prozent einfahren.

Die FDP hatte in Düsseldorf I mit 15,9 Prozent ihren stärksten Wahlkreis. Am schlechtesten lief es für die Freidemokraten in Duisburg II - nur 8,1 Prozent holte die Partei dort.

Die AfD kam in Gelsenkirchen auf 12,8 Prozent. In Münster landete sie bei 2,9 Prozent.

Die Linke konnte in Köln III 6,4 Prozent erreichen. In Borken II erzielte sie nur 2,4 Prozent.

Direktmandate in NRW

Karl Lauterbach (58, SPD) wird weiterhin im Bundestag sitzen. Für ihn sei das Ergebnis eine deutliche Wahl für seine Corona-Politik.
Karl Lauterbach (58, SPD) wird weiterhin im Bundestag sitzen. Für ihn sei das Ergebnis eine deutliche Wahl für seine Corona-Politik.  © Rolf Vennenbernd/dpa

SPD-Politiker Karl Lauterbach (58) holte sich das Direktmandat für den Wahlkreis Leverkusen - Köln IV und bleibt damit im Bundestag. Der Gesundheitsexperte, der durch die Corona-Pandemie deutschlandweit präsent ist, erreichte bei der Bundestagswahl 45,6 Prozent der Erststimmen.

Er sieht sein erneut errungenes Direktmandat bei der Bundestagswahl als "ein Votum für unsere Corona-Politik".

Die CDU-Kandidatin, die nordrhein-westfälische Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (41), kam auf 20,4 Prozent.

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Lauterbach war bei der SPD auf einem hinteren Listenplatz gelandet, er bleibt durch sein Direktmandat aber im Bundestag. Er hatte vor der Wahl bereits Interesse daran bekundet, der nächste Bundesgesundheitsminister zu werden. Güler hatte Lauterbach bereits kurz vor Mitternacht via Twitter beglückwünscht: "Es war ein fairer Wahlkampf, den er klar gewonnen hat."

Auch Jens Spahn (41, CDU) hat sich erneut das Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt I/Borken I gesichert. Der amtierende Bundesgesundheitsminister kommt nach Auszählung aller Bezirke bei der Bundestagswahl auf 40 Prozent der Stimmen. Damit liegt er deutlich vor seiner Mitbewerberin von der SPD, Sarah Lahrkamp, die auf 28,3 Prozent der Stimmen kommt.

Das geht aus vorläufigen Angaben des Landeswahlleiters vom Sonntagabend hervor.

Christian Lindner verpasst Direktmandat erneut

In seinem Wahlkreis gewann Norbert Röttgen (56, CDU) und hängte die SPD ab.
In seinem Wahlkreis gewann Norbert Röttgen (56, CDU) und hängte die SPD ab.  © Michael Kappeler/dpa

CDU-Politiker Norbert Röttgen (56) hat im Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn erneut das Direktmandat für den Bundestag geholt. Der 56 Jahre alte Jurist lag nach Angaben des Kreises vom Sonntagabend nach der Auszählung von 283 von 286 Stimmbezirken im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis II uneinholbar mit 40,0 Prozent der Erststimmen vor der SPD-Kandidatin Katja Stoppenbrink (23,3 Prozent).

Zu dem Wahlkreis gehören auch die von der Hochwasser-Katastrophe im Juli stark getroffenen Gemeinden Rheinbach und Swisttal im linksrheinischen Kreisgebiet. Außenpolitik-Experte Röttgen hatte Anfang des Jahres wie Friedrich Merz (65) als Parteivorsitzender der CDU kandidiert und gegen Armin Laschet verloren.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner (42) hingegen verfehlte bei der Bundestagswahl wieder ein Direktmandat. Der 42-Jährige kam am Sonntag im Rheinisch-Bergischen Kreis nach Auszählung von 308 von 309 Stimmbezirken auf 16,8 Prozent - und landete damit auf dem vierten Platz. Als Spitzenkandidat seiner Partei zieht er über die Landesliste dennoch in den Bundestag ein.

Das Direktmandat in dem Wahlkreis nahe Köln gewann erneut der CDU-Politiker Hermann-Josef Tebroke (57) mit 30,0 Prozent. SPD-Kandidat Kastriot Krasniqi (29) kam auf 22,7 Prozent, Grünen-Kandidat Maik Außendorf (50) erreichte 18,0 Prozent.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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