Stimmen verloren und doch gewonnen: AfD wurde durch CDU-Schwäche stark

Dresden/Chemnitz - Die sächsische AfD gilt als ein Gewinner der Bundestagswahl – tatsächlich haben die Rechtspopulisten im Freistaat sogar Stimmen verloren. Ihre Spitzenposition verdankt sie vor allem der schwächelnden CDU. Dadurch konnten die Rechten viele Wahlkreise gewinnen, ohne in der Wählergunst zuzulegen.

Die sächsische AfD konnte mit ihrem Wahlkampf ihre Wähler zwar behalten, doch kaum neue gewinnen.
Die sächsische AfD konnte mit ihrem Wahlkampf ihre Wähler zwar behalten, doch kaum neue gewinnen.  © dpa/Martin Schutt

Rund ein Viertel der Sachsen hat am Sonntag blau gewählt: Die AfD kommt bei den vorläufigen Ergebnissen auf 24,6 Prozent der Zweitstimmen – damit liegt sie rund fünf Prozent vor der zweitplatzierten SPD (19,3 Prozent) und sogar gut sieben Prozent vor der CDU (17,2 Prozent).

Zwar hat die AfD seit 2017 sogar 2,4 Prozent der Zweitstimmen verloren – doch bei der CDU liegt der Verlust bei 9,7 Prozent.

Auch bei den Erststimmen hielt die AfD in etwa ihre Werte von 2017, während die CDU auf Talfahrt ging. Die Union konnte zwar in Dresden I, Dresden II und im Leipziger Norden noch knappe Siege einfahren, doch im ländlichen Raum gewann sie nur den Vogtlandkreis. Der Rest des ländlichen Sachsens – und damit zehn der 16 Wahlkreise – ging an die AfD.

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Besonders deutlich wurde die Trendwende im Erzgebirgskreis. Dort zog AfD-Kandidat Thomas Dietz (54) mit einem Vorsprung von rund sechs Prozent an dem bisherigen Mandatsträger Alexander Krauß (45, CDU) vorbei.

Alexander Krauß (45, CDU) saß vier Jahre lang für den Erzgebirgskreis im Bundestag – nun muss er das Mandat abgeben.
Alexander Krauß (45, CDU) saß vier Jahre lang für den Erzgebirgskreis im Bundestag – nun muss er das Mandat abgeben.  © Inga Haar

Die CDU hat das konservative Erzgebirge enttäuscht

AfD-Kandidat Thomas Dietz (54) konnte im Erzgebirgskreis rund ein Drittel der Wähler überzeugen.
AfD-Kandidat Thomas Dietz (54) konnte im Erzgebirgskreis rund ein Drittel der Wähler überzeugen.  © Maik Börner

Das konservative Erzgebirge habe sich von der CDU abgewandt, so AfD-Mann Dietz: "Hier müssen viele Ältere nach 40, 45 Arbeitsjahren mit einer sehr niedrigen Rente auskommen. Die sind enttäuscht."

Auch der unterlegene CDU-Kandidat Krauß kritisiert seine Partei: "Der Spitzenkandidat war nicht sonderlich beliebt in Sachsen, da wäre Markus Söder besser angekommen."

CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (33) bezeichnete den Wahlausgang für die Union als Debakel, Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) übte scharfe Kritik an seiner Partei.

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Die konservative Werteunion teilte mit: "In Anbetracht des desaströsen Wahlergebnisses der Sächsischen Union bei der Bundestagswahl ist eine ehrliche Aufarbeitung der Ursachen notwendig."

Doch auch bei der AfD herrscht nicht nur Grund zur Freude: Da sie im Freistaat so viele Direktmandate geholt hat, gehen keine Mandate mehr an die Landesliste. Dadurch verlieren führende sächsische AfD-Politiker wie Jens Maier (59) und Siegbert Droese (52) ihren Sitz im Bundestag.


Im Sturzflug: Die CDU mit Spitzenkandidat Armin Laschet (60) hat in Sachsen viele Stimmen verloren.
Im Sturzflug: Die CDU mit Spitzenkandidat Armin Laschet (60) hat in Sachsen viele Stimmen verloren.  © dpa/Peter Gercke

Politik-Professor: "AfD hat ihr Potenzial ausgeschöpft"

Politik-Professor Eric Linhart (45) sieht die AfD am Ende ihres Potentials – in Sachsen wie auch bundesweit.
Politik-Professor Eric Linhart (45) sieht die AfD am Ende ihres Potentials – in Sachsen wie auch bundesweit.  © dpa/Uwe Meinhold

Mehr geht nicht: Die AfD ist laut dem Chemnitzer Politikwissenschaftler Eric Linhart (45) auf ihrem Zenit.

"Die AfD hat ihr Potenzial ausgeschöpft, aber das Potenzial, das sie hat, hält sie auch weitgehend", sagte der Professor an der Technischen Universität Chemnitz im Hinblick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl.

Das gelte auch für den Osten, wenngleich hier auf einem viel höheren Niveau als auf Bundesebene. "In Sachsen kann sie seit Längerem 25 Prozent abrufen. Wenn die Union schlechter abschneidet, lässt das die AfD stärker erscheinen."

Das bedeute aber nicht, dass die AfD stärker geworden ist, sondern die Union schwächer, betonte Linhart, Inhaber der Professur "Politische Systeme" am Institut für Politikwissenschaft der TU Chemnitz.

Der Absturz der Linken auch auf Bundesebene kommt für Linhart nicht überraschend: "Viele ostdeutsche Wähler, die die Linke eher als Ost-Partei betrachteten, sind schon vor einer ganzen Weile zur AfD übergelaufen."

Titelfoto: dpa/Martin Schutt

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