Wahlkrimi in Chemnitzer Rathaus: SPD hat vor der AfD knapp die Nase vorn

Chemnitz - Im Kampf um das Chemnitzer Direktmandat sah die AfD lange wie der haushohe Sieger aus - doch dann wendete sich das Blatt.

Gespannt verfolgten Parteianhänger und Bürger die Wahlergebnisse im Chemnitzer Rathaus.
Gespannt verfolgten Parteianhänger und Bürger die Wahlergebnisse im Chemnitzer Rathaus.  © Kristin Schmidt

Nach schwachen ersten Ergebnissen für die SPD in Chemnitz holte ihr Direktkandidat Detlef Müller (57) nach fast jedem ausgezählten Wahllokal auf, lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Michael Klonovsky (59, AfD).

Am Ende lag die SPD mehr als zwei Prozentpunkte vorne. Abgeschlagen: der CDU-Abgeordnete Frank Heinrich (57).

Als Müller um 20.25 Uhr die Führung in Chemnitz übernahm, fünf Minuten später auch die SPD als Partei, jubelte er: "Gedreht, sensationell. Aber noch ist nichts entschieden!"

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Der Abend im Ratssitzungssaal begann mit zwei Freudenschreien. Um 18 Uhr die erste Prognose im ZDF, SPD knapp vor CDU.

SPD-Vorsitzender Sebastian Reichelt (36) sprang seinen Parteifreund Sören Gruner (36) an, drehte mit ihm einen Dreifach-Lutz auf dem Ratsparkett: "Wir haben gewonnen - höchstwahrscheinlich", rief Reichelt aus.

Detlef Müller (57, SPD) durfte am Abend mehrfach jubeln, lag kurz vor dem Ende der Auszählung in Chemnitz vorne. Begleitet wurde er am Abend auch von seiner Frau Yvonne (50).
Detlef Müller (57, SPD) durfte am Abend mehrfach jubeln, lag kurz vor dem Ende der Auszählung in Chemnitz vorne. Begleitet wurde er am Abend auch von seiner Frau Yvonne (50).  © Ralph Kunz

"Ich sage nichts vor den Endergebnissen"

Michael Klonovsky (59, AfD, M.) wollte sich nicht zu früh freuen. Offenbar zu Recht.
Michael Klonovsky (59, AfD, M.) wollte sich nicht zu früh freuen. Offenbar zu Recht.  © Ralph Kunz

Michael Klonovsky wollte sich nicht zu den ersten Zahlen äußern: "Ich sage nichts vor den Endergebnissen."

Dafür war Detlef Müller optimistisch: "Stark! Ich setze darauf, dass ich nach den Briefwahlergebnissen vorne liege."

Das hoffte auch Oberbürgermeister Sven Schulze (49, SPD): "Chemnitz braucht einen Abgeordneten, der sich für die Stadt einsetzt. Am ehesten also Detlef Müller."

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Frank Heinrich, der seit 2009 das Direktmandat für Chemnitz gewann, lag von Anfang an abgeschlagen mit gut 18 Prozent auf Platz drei. Aber besser als seine Partei - unter 15 Prozent kurz vor Schluss. "Abwarten - die Briefwähler werden der CDU helfen."

Trotz wenig berauschender Ergebnisse (unter sieben Prozent) für die Grünen ließ sich deren Kandidatin Karola Köpferl (31) die Laune nicht vermiesen: "Da mein Listenplatz elf nicht für den Einzug in den Bundestag reichen wird, kann ich mich weiter auf meine Promotion an der TU konzentrieren. Thema: Assistenzsysteme im Alter."

Titelfoto: Kristin Schmidt

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