Wir wollen in den Bundestag! Diese Politiker treten für sächsische Wahlkreise an

Dresden - Am 26. September 2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. In den sächsischen Parteizentralen rüstet man sich für den Wahlkampf. Es herrscht Um- und Aufbruchsstimmung, denn verdiente Parlaments-Urgesteine haben angekündigt, nicht wieder zu kandidieren. Dafür laufen sich nun Underdogs, Newcomer sowie prominente Demokraten und Genossen warm.

Der Reichstag badet im Morgenlicht. Wer wird Sachsen in Berlin nach der Bundestagswahl vertreten?
Der Reichstag badet im Morgenlicht. Wer wird Sachsen in Berlin nach der Bundestagswahl vertreten?  © 123RF

Die Bundestagswahl 2017 endete in Sachsen mit einem politischen Erdbeben. Die CDU als übermächtige Hausmacht verlor krachend Stimmenanteile und wurde am Ende sogar um 0,1 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen von der AfD überholt.

Insgesamt 38 Männer und Frauen repräsentieren Sachsen heute im Bundesparlament. Sie gehören verschiedenen Fraktionen an. Drei sind fraktionslos (alles Ex-AfD-Abgeordnete).

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die AfD war die erste Partei, die Anfang dieses Jahres ihre Landesliste aufstellte und auf einem Parteitag verabschiedete. Sie strebt im Herbst "30+x Prozent" an. Ihr Spitzenkandidat: AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla (45) aus der Oberlausitz.

Auf den Listenplätzen dahinter tauchen viele Köpfe auf, die dem rechtsextremen, radikalen Lager zugeschrieben werden.

Der Landesvorstand der Sächsischen Union beschloss am vergangenen Montag seinen Landeslisten-Vorschlag. "Die Bundestagswahl wird eine Richtungsentscheidung für Sachsen und Deutschland. Es geht zum einen darum, nach Ende der Pandemie eine neue wirtschaftliche Dynamik zu schaffen. Zum anderen entscheidet sich, wie erfolgreich unser Land in ein neues Jahrzehnt startet", schätzt CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (33) ein.

Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und die FDP sind noch dabei, ihr jeweiliges Team für Berlin zusammenzustellen. Aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen läuft die Kandidatenkür aber schleppend an. Bis April/Mai wollen alle ihre jeweiligen Listen und Beschlüsse gefällt haben. Der Countdown für den nächsten Urnengang läuft...

Auch einige Altbekannte wollen's nochmal wissen

Marco Wanderwitz (45, CDU, l.) und Roland Ermer (57, CDU).
Marco Wanderwitz (45, CDU, l.) und Roland Ermer (57, CDU).  © Bildmontage: imago images/Reiner Zensen, Norbert Neumann

Die ersten Kandidaten haben ihre Hüte in den Ring geworfen. Es finden sich Namen darunter, die durchaus geläufig sind...

Für Platz 1 der CDU-Landesliste wird der Parlamentarische Staatssekretär und Ost-Beauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz (45) vorgeschlagen. Der Rechtsanwalt stammt aus Hohenstein-Ernstthal.

Im Wahlkreis Bautzen will Roland Ermer (57) im zweiten Anlauf im Herbst das Direktmandat holen. Der Bäckermeister aus Bernsdorf trägt auch die Würde des Präsidenten des Sächsischen Handwerkstages.

In der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge greift Corinna Franke-Wöller (47) an. Die promovierte Juristin steht der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung der Bundesregierung vor. Ihr Mann Roland Wöller (50) gehört als Innenminister der Regierung von Michael Kretschmer (45, CDU) an.

Um den gleichen Wahlkreis bemüht sich auch Klaus Brähmig (63) als parteiunabhängiger Einzelbewerber. Der Papstdorfer vertrat über ein Vierteljahrhundert die Region als CDU-Abgeordneter im Bundestag.

Die Linke Leipzig Land überrascht mit Julia Schramm (35) als Hoffnungsträgerin. Die streitbare Netz-Aktivistin fiel u. a. als Publizistin von Titeln wie "Fifty Shades of Merkel" oder "Klick mich – Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionisten" auf. Schramm wohnt in Berlin und arbeitet als Vorstandsreferentin des Vorsitzenden Dietmar Bartsch der Linksfraktion.

Dr. Corinna Franke-Wöller (47, CDU) und Klaus Brähmig (63, Einzelbewerber).
Dr. Corinna Franke-Wöller (47, CDU) und Klaus Brähmig (63, Einzelbewerber).  © Bildmontage: Daniel Förster, imago/photothek
Julia Ulrike Schramm (35, Die Linke).
Julia Ulrike Schramm (35, Die Linke).  © imago images/Metodi Popow

Sie treten nicht mehr an

Thomas de Maizière (67, CDU, l.) und Thomas Jurk (58, SPD).
Thomas de Maizière (67, CDU, l.) und Thomas Jurk (58, SPD).  © dpa/Britta Pedersen, PR

Aus sächsischer Sicht gibt es eine Reihe von prominenten Rückzügen aus dem Bundestag. Die meisten davon muss die CDU verkraften.

Dabei wird Thomas de Maizière (67) wohl die größte Lücke reißen. Der Jurist genießt das Vertrauen der Kanzlerin, war Chef des Kanzleramtes, Bundesinnenminister und Bundesminister der Verteidigung. Mit den beiden Dresdner Abgeordneten Andreas Lämmel (61) und Arnold Vaatz (65) werden weitere bekannte Namen vom Stimmzettel verschwinden.

Thomas Jurk (58) wird für die SPD nicht mehr antreten. Der einstige sächsische Minister für Wirtschaft und Arbeit gehörte seit 2013 dem Bundestag an. Seine Parteikollegin Daniela Kolbe (41) war von 2015 bis 2018 Generalsekretärin der SPD Sachsen. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der Bundespolitik kündigte sie an, sich neu auszurichten.

Frauke Petry (45) wird der Bundespolitik den Rücken kehren. Die Ex-AfD-Frontfrau, die nach der Wahl 2017 ihren Parteiaustritt bekannt gab, hatte das Direktmandat im Wahlkreis Sächsische Schweiz inne.

Frauke Petry (45, fraktionslos).
Frauke Petry (45, fraktionslos).  © dpa/Britta Pedersen

Neue Allianz

Steffen Große (53).
Steffen Große (53).  © Andreas Weihs

Steffen Große (53, Ex-Landeschef der Freien Wähler) ist seit Januar Bundes- und Landeschef der neu gegründeten Partei "Bürgerallianz Deutschland". Zu deren Mitgründern und Vorstandsmitgliedern gehören u. a. die Kriminalbeamtin Cathleen Martin und der Schwimm-Star Jens Kruppa (44).

Die Bürgerallianz bezeichnet sich selbst als liberal-konservativ. Große: "Zur Bundestagswahl 2021 werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht antreten. Bei der Landtagswahl Sachsen 2024 sind wir auf jeden Fall dabei."

Titelfoto: Bildmontage: 123RF, imago images/Metodi Popow, imago images/Reiner Zensen, Norbert Neumann, Daniel Förster

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