Martin Dulig (45): Fünf-Minuten-Wahlkampf und abgefahrene Arbeitseinsätze

Grimma - Am 1. September ist Landtagswahl - diesmal wird die Abstimmung so spannend wie nie! Die Dauer-Dominanz der CDU ist dahin - schafft es die AfD, an ihr vorbeizuziehen? Und was bedeutet das für die Regierungsbildung? Können die Grünen vom starken Interesse am Klimaschutz profitieren? Stürzt die SPD ab? In loser Folge begleitet TAG24 Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien. Heute: Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (45, SPD).

Im Plusbus Richtung Leipzig: Diese Frau nutzt das Angebot regelmäßig, freut sich über das bessere Angebot.
Im Plusbus Richtung Leipzig: Diese Frau nutzt das Angebot regelmäßig, freut sich über das bessere Angebot.  © Petra Hornig

Warten auf den Bus: Unter die Fahrgäste mischt sich an diesem Tag am Bahnhof Grimma auch Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister.

Dulig will Bundesumweltministerin Svenja Schulze (50, SPD) das Modell der Plusbusse zeigen.

Gemeinsam fahren sie nach Leipzig. "Die Plusbusse sind ein Gewinn", sagt eine Frau im Bus zu Dulig. Das Pilotprojekt soll verlässlich den ländlichen Raum anschließen, Anschlüsse garantieren. Ein Lob - Balsam für die gebeutelte Wahlkämpferseele.

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Denn der Sachsen-SPD droht ein neuer Tiefpunkt: In Umfragen auf bis zu sieben Prozent gerutscht, bemüht sich der Spitzenkandidat, Zuversicht auszustrahlen.

2014 holte die SPD 12,4 Prozent. Das schlechteste Ergebnis in Sachsen waren 9,7 Prozent 2004. "Leider wählen einen die Leute nicht wegen guter Arbeit. Es ist eine stimmungsgeleitete Wahl", so Dulig.

Showdown zwischen CDU und AfD: Wo bleibt da die SPD?

Mit der Straßenbahn in Leipzig zum nächsten Wahlkampf-Termin. SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig (45) will Zuversicht statt Angst vermitteln.
Mit der Straßenbahn in Leipzig zum nächsten Wahlkampf-Termin. SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig (45) will Zuversicht statt Angst vermitteln.  © Petra Hornig

Tatsächlich polarisiert der Zweikampf zwischen CDU und AfD um den Wahlsieg den Freistaat. Wo bleibt da die SPD, immerhin in Regierungsverantwortung?

Die Partei findet, dass sie in den letzten Jahren viel erreicht hat: Man habe den unverantwortlichen Personalabbau gestoppt, den Betreuungsschlüssel in Kitas gesenkt, ein Azubi-Ticket eingeführt.

Dulig ist durchaus populär - doch das färbt bislang nicht auf seine Partei ab. Der SPD-Wahlkampf ist daher komplett auf ihn zugeschnitten.

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"Ich bin kein Euphoriker, ich gehöre zu den Optimisten", so Dulig. "Parteien, die Teil der Lösung sind, stehen im Fokus." Und dass die SPD für die Regierungsbildung gebraucht wird, steht wohl außer Frage.

Er hofft auf eine "Trotzreaktion aus Zuversicht" - denn die Lage der SPD bundesweit habe die Sachsen-SPD runtergezogen.

"Fünf-Minuten-Dulig" in Zwickau. Dulig will sich auch von wenigen Zuhörern nicht beirren lassen.
"Fünf-Minuten-Dulig" in Zwickau. Dulig will sich auch von wenigen Zuhörern nicht beirren lassen.  © Ralph Koehler/Propicture

Im Wahlkampf setzt der SPD-Mann auf ungewöhnliche Aktionen: So stellt er sich immer wieder mit einem Mikro in Sachsens Fußgängerzonen, spricht über Themen, die ihm wichtig sind. "Fünf-Minuten-Dulig" nennt er das.

Damit will er Passanten erreichen. Zudem macht er wie schon als Minister Arbeitseinsätze - etwa als Eisverkäufer oder Gärtner -, um den Arbeitsalltag der Sachsen kennenzulernen.

Mit seinem Küchentisch tourt er seit Jahren durchs Land - für Gespräch auf Augenhöhe, wie er sagt. "Wir kämpfen für mehr Anstand und Respekt", so Dulig.

Das Geschäftsmodell der AfD wiederum sei die Angst. "Aus dieser Geiselhaft müssen wir uns befreien."

Kurzportrait Martin Dulig: Schon mit 16 Papa, heute dreifacher Opa

Setzt auf Wahlkampf mit den "Mundwinkeln nach oben": Martin Dulig (45, SPD).
Setzt auf Wahlkampf mit den "Mundwinkeln nach oben": Martin Dulig (45, SPD).  © Petra Hornig

Martin Dulig (45) wurde in Plauen geboren, wuchs in einem kirchlichen Elternhaus in Meißen auf.

Schon lange lebt er mit seiner Familie in Moritzburg. Mit Ehefrau Susann hat er sechs Kinder: Erstmals Vater wurde Dulig mit 16 Jahren.

Mittlerweile ist er dreifacher Opa, der vierte Enkel ist unterwegs. Dulig ist gelernter Maurer und Diplompädagoge.

1992 Eintritt in die SPD, Mitbegründer der Jusos Sachsen und deren Chef 1999 bis 2004. Seit 2004 ist Dulig Landtagsabgeordneter. Nach der desaströsen Wahl 2009 übernahm er das Ruder als Partei-Chef in Sachsen. Auch 2014 war er Spitzenkandidat.

Derzeit ist er Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie Vize-Ministerpräsident. Zudem seit 2018 Ost-Beauftragter der SPD im Parteivorstand in Berlin.

Das Wahlprogramm: SPD will Elternbeiträge abschaffen

"Es ist Dein Land" ist das Regierungsprogramm der SPD überschrieben.

Die Partei verspricht als ersten Schritt in die kostenfreie Kinderbetreuung die Abschaffung der Elternbeiträge für den Hort. Auf dem Land sollen wohnortnahe Schulen neu eingerichtet, die Gemeinschaftsschule eingeführt werden.

Kleine Unternehmen sollen von Dokumentationspflichten entlastet werden, Arbeitnehmer fünf bezahlte Tage pro Jahr für Weiterbildung bekommen.

Bei öffentlichen Vergaben sollen auch Tariftreue, soziale und ökologische Kriterien eine Rolle spielen. Versprochen wird auch der SachsenTakt mit aufeinander abgestimmten Fahrzeiten für Bus und Bahn.

Die Aufarbeitung der Nachwendezeit soll forciert, "Kümmererstrukturen" aufgebaut werden.

Titelfoto: Petra Hornig

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