SPD gewinnt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern deutlich

Schwerin - Durch einen furiosen Sieg der SPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (47) gleich mehrere Koalitionsmöglichkeiten für ihre nächste Regierung.

Manuela Schwesig (47) hat mit der SPD die Landtagswahl im Nordosten haushoch gewonnen.
Manuela Schwesig (47) hat mit der SPD die Landtagswahl im Nordosten haushoch gewonnen.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die 47-Jährige kann das Bündnis mit der abgestraften CDU fortsetzen oder mit den ebenfalls gerupften Linken regieren. Mit dem Wiedereinzug von FDP und Grünen in den Schweriner Landtag ist zudem eine Ampel-Koalition möglich.

Am Wahlabend selbst wollte sich Schwesig nicht festlegen. "Wir warten jetzt die endgültigen Ergebnisse ab und schauen dann, mit wem man stabile Mehrheiten bilden kann", sagte die SPD-Politikerin im ZDF.

Drei Dinge seien für eine Regierung entscheidend: stabile Mehrheiten, dann sozialdemokratische Themen wie eine starke Wirtschaft, gute Arbeit, sozialer Zusammenhalt und Umwelt sowie drittens die Verlässlichkeit des Partners.

Am Montagabend werden nach Schwesigs Angaben die Parteigremien zusammenkommen "und dann schauen wir, mit wem wir Gespräche führen werden".

Sie sei "natürlich sehr glücklich mit der SPD hier in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben unser Wahlziel ganz klar erreicht. Wir sind wieder stärkste Kraft und haben sogar noch richtig zugelegt." Sie sei "sehr stolz, Ministerpräsidentin des schönsten Bundeslandes in Deutschland zu sein – und dass ich es jetzt auch bleiben darf."

Vorläufiges Endergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

CDU muss historisch schlechtes Ergebnis verkraften

Philipp Amthor (28) verlor seinen Wahlkreis bei der Bundestagswahl an die SPD.
Philipp Amthor (28) verlor seinen Wahlkreis bei der Bundestagswahl an die SPD.  © Christian Charisius/dpa

Nach Auszählung aller 2003 Wahlbezirke erzielten die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen 39,6 Prozent, wie auf der Homepage der Landeswahlleitung zu sehen war.

Das ist das zweitbeste SPD-Ergebnis überhaupt im Nordosten und liegt deutlich über dem von 2016. Damals konnte die Partei 30,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Der bisherige Koalitionspartner CDU muss das historisch schlechteste Ergebnis im Bundesland hinnehmen. Die Christdemokraten um ihren Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Michael Sack (48) kommen nur auf 13,3 Prozent – nach 19,0 Prozent bei der Landtagswahl 2016.

Von den 36 Direktmandate gingen 34 an die SPD und jeweils ein Mandat an die AfD und die CDU. Bei der Landtagswahl 2016 hatte die SPD nur 26 Wahlkreise direkt geholt.

Entsprechend nannte Sack das Ergebnis katastrophal. Der CDU-Jungstar Philipp Amthor (28), der im Ringen um ein Direktmandat für den Bundestag ebenfalls unterlag, sprach von einem "schweren Tag" für die CDU im Nordosten.

Bleibt Michael Sack weiter CDU-Boss?

Michael Sack (48) holte für die CDU das schlechteste Ergebnis bislang im Nordosten.
Michael Sack (48) holte für die CDU das schlechteste Ergebnis bislang im Nordosten.  © Christian Charisius/dpa

So ging unter anderem nach mehr als 30 Jahren auch der Bundestagswahlkreis von Angela Merkel (67, CDU) an die SPD.

Sack ließ seine Zukunft an der Parteispitze der Christdemokraten zunächst offen. Der Wahlabend sei nicht der richtige Moment, um über weitere Schritte zu sprechen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Am Montagabend will der CDU-Landesvorstand zusammenkommen. Sack führt die mit rund 5000 Mitgliedern größte Partei in Mecklenburg-Vorpommern erst seit 2020, nachdem sein Vorgänger Vincent Kokert (43) überraschend auf alle politischen Ämter verzichtet hatte.

Zweitstärkste Kraft im Schweriner Landtag wird nach Auszählung aller Wahlbezirke mit 16,7 Prozent erneut die AfD – nach 20,8 Prozent bei der Wahl 2016. Spitzenkandidat Nikolaus Kramer bedauerte, dass seine Partei das Ergebnis von 2016 knapp verfehlt hat.

Er zeigte sich dennoch zufrieden: "Wir sind stärkste Oppositionskraft geblieben und somit auch die einzige Opposition im Landtag." Parteichef Leif-Erik Holm (51) sagte: "Leichte Verluste sind nicht so dramatisch für uns. Wir freuen uns, dass wir so stabil daliegen. Das heißt, wir haben eine sehr, sehr große Stammwählerschaft, die auch in die Wahllokale gegangen ist."

FDP und Grüne zurück im Landtag

Nach zehn Jahren zieht die FDP unter Spitzenkandidat René Domke (49) wieder in den Landtag ein.
Nach zehn Jahren zieht die FDP unter Spitzenkandidat René Domke (49) wieder in den Landtag ein.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Die Linke konnte den seit 2011 anhaltenden Abwärtstrend nicht stoppen und fuhr mit 9,9 Prozent ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis im Nordosten ein.

Bei einer so übermächtigen SPD sei es klar, dass alle anderen Parteien unter die Räder kämen, sagte Spitzenkandidatin Simone Oldenburg (52). Zu möglichen Koalitionsmöglichkeiten wollte sie sich nicht äußern. Sie gehe jedoch davon aus, dass die Wähler im Nordosten die CDU abgewählt hätten und sich einen Linksruck wünschten.

Großer Jubel dagegen bei FDP und Grünen: Die Liberalen – seit 2011 nicht mehr im Parlament vertreten – kamen auf 5,8 Prozent, die Grünen – seit 2016 nicht mehr im Landtag – erreichten 6,3 Prozent.

"Was für ein wunderschöner Abend", rief der FDP-Spitzenkandidat René Domke (49) seinen Unterstützern zu. Mitverantwortlich für das FDP-Ergebnis sei die hohe Bedeutung von Wirtschaftsthemen.

"Ich denke schon, dass die Menschen jetzt tatsächlich nach der Pandemie auch Antworten wollen, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll", sagte Domke.

Grüne setzen auf Klimapolitik

Auch die Grünen können sich wie Harald Terpe (67) über den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag freuen.
Auch die Grünen können sich wie Harald Terpe (67) über den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag freuen.  © Marcus Brandt/dpa

"Die Grünen sind im Landtag von MV angekommen", freute sich Grünen-Spitzenkandidat Harald Terpe (67). Man trete dafür ein, dass der Weg der Landespolitik eine andere Richtung nehme, und man wolle Akzente setzen etwa bei der Klimapolitik.

Parteichef Ole Krüger betonte: "Der Landtagseinzug war unser wichtigstes Ziel." Es sehe so aus, als hätten sie das erreicht - "und das freut ungemein".

Die Wahlbeteiligung lag bei 70,8 Prozent. 2016 lag sie bei knapp 62 Prozent.

Titelfoto: Montage: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa, Screenshot/Twitter/ZDF

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