Ampel-Sondierungen: FDP nimmt Grünen-Angebot an, erstes Treffen mit SPD steht!

Aktualisiert am 6. Oktober, 12.05 Uhr

Berlin - Zehn Tage nach der Bundestagswahl treffen die Grünen eine erste wichtige Richtungsentscheidung. Sie halten eine Ampel-Koalition für die beste Lösung. Es gebe aber noch Lücken und Differenzen, sagt Co-Parteichef Robert Habeck (52). Die FDP nahm das Ampel-Sondierungsangebot im Laufe des Mittwochs an. Bereits am Donnerstag soll ein erstes Treffen zu dritt stattfinden.

Grün für die Ampel: Annalena Baerbock (40, l.) und Robert Habeck (52, r.) wollen mit der SPD und der FDP sondieren.
Grün für die Ampel: Annalena Baerbock (40, l.) und Robert Habeck (52, r.) wollen mit der SPD und der FDP sondieren.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Grünen wollen möglichst bald in Dreier-Sondierungsgespräche mit SPD und FDP einsteigen.

Sie seien "zu dem Schluss gekommen, dass es sinnvoll ist, weiter jetzt vertieft – gerade auch mit Blick auf die Gemeinsamkeiten, die wir in diesen bilateralen Gesprächen feststellen konnten – jetzt mit FDP und SPD weiter zu sprechen. Und das schlagen wir der FDP vor", sagte die Parteivorsitzende Annalena Baerbock (40) am Mittwoch in Berlin.

Deutschland stehe vor großen Herausforderungen, die rasch angepackt werden müssten, deshalb seien die Grünen der Überzeugung, "dass sich dieses Land keine lange Hängepartie leisten kann".

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Nach der Bundestagswahl hatten die Grünen und die FDP erst miteinander und anschließend getrennt jeweils mit der SPD sowie mit CDU und CSU mögliche Kompromisslinien ausgelotet.

Robert Habeck sieht in der Ampel die "größten inhaltlichen Schnittmengen", doch "der Keks noch lange nicht gegessen"

Die ersten Sondierungen in Berlin für eine potenzielle Ampel-Koalition sollen nun starten.
Die ersten Sondierungen in Berlin für eine potenzielle Ampel-Koalition sollen nun starten.  © Julian Stratenschulte/dpa

Mit Blick auf eine mögliche Koalition von SPD, Grünen und FDP sagte der Co-Vorsitzende Robert Habeck, die Einzelrunden der vergangenen Tage hätten gezeigt, "dass dort die größten inhaltlichen Schnittmengen denkbar sind".

Dies gelte vor allem für den Bereich der Gesellschaftspolitik. Doch auch der Ausgang möglicher Sondierungsgespräche mit SPD und FDP sei noch offen.

Den Grünen sei klar, "dass der Keks noch lange nicht gegessen ist". Es gebe da noch Lücken und erhebliche Differenzen.

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Angesichts von Machtkämpfen und vermuteten Indiskretionen in der Union hatte es von Grünen und FDP zuletzt Kritik und teilweise auch Zweifel an der Regierungsfähigkeit von CDU und CSU gegeben.

Die FDP-Spitze wollte sich am Vormittag ebenfalls vor der Presse zum weiteren Sondierungsfahrplan äußern.

Keine "Komplettabsage" an "Jamaika"

Eine Absage an "Jamaika" sei die Ampel-Sondierung nicht. Dennoch schwinden die Chancen für Armin Laschet (60, CDU, re.) Kanzler zu werden immer mehr.
Eine Absage an "Jamaika" sei die Ampel-Sondierung nicht. Dennoch schwinden die Chancen für Armin Laschet (60, CDU, re.) Kanzler zu werden immer mehr.  © Kay Nietfeld/dpa

Der Vorschlag für Sondierungen mit SPD und FDP stellt nach den Worten von Grünen-Chef Robert Habeck hingegen keine Komplettabsage an ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen dar.

Die Grünen wollten nun mit dem Vorschlag für Sondierungen mit SPD und FDP einen Schritt nach vorne gehen.

Es sei aber keine "Komplettabsage" an Jamaika, sagte Habeck. Die Union habe sich wirklich bemüht und sei den Grünen entgegengekommen.

Es gebe aber größere Differenzen in einem Jamaika-Bündnis "unsererseits", sagte Habeck.

FDP nimmt Sondierungsangebot an, keine Parallelgespräche mit Union und Grünen

FDP-Parteichef Christian Lindner (42) nimmt das Sondierungsangebot der Grünen an.
FDP-Parteichef Christian Lindner (42) nimmt das Sondierungsangebot der Grünen an.  © Michael Kappeler/dpa

Die FDP stimmt dem Vorschlag der Grünen für Dreiergespräche mit der SPD zur Vorbereitung möglicher Koalitionsverhandlungen zu.

"Wir haben den Vorschlag eines Gesprächs mit der SPD angenommen", sagte Parteichef Christian Lindner (42) am Mittwoch in Berlin nach internen Beratungen.

Gespräche zur Bildung einer sogenannten Jamaika-Koalition mit Union und Grünen blieben aber weiterhin eine Option.

Der FDP-Chef sagte, er habe SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (63) vorgeschlagen, dass es bereits am Donnerstag ein Gespräch zu dritt gebe, dies werde auch passieren. Es gebe keine Parallelgespräche mit Union und Grünen über die Bildung eines Bündnisses.

Die FDP trete nur in eine Regierung der Mitte ein, die den "Wert der Freiheit" stärke und einen echten Impuls für die Erneuerung des Landes leiste, sagte Lindner.

Es komme auf liberale Inhalte an. Lindner betonte, mit der Union gebe es die größten inhaltlichen Überschneidungen. Ein Jamaika-Bündnis bleibe für die FDP eine tragfähige Option.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa, Julian Stratenschulte/dpa, Michael Kappeler/dpa

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