Drohen die Taliban mit Krieg? Friedensverhandlungen stehen still

Kabul - Die militant-islamistischen Taliban lehnen eine mögliche Verschiebung des geplanten US-Truppenabzugs aus Afghanistan strikt ab.

Juli 2014: US-Soldaten in Baghlan holen ihre Nationalflagge ein, nachdem sie ihre Militärbasis an die afghanische Nationalarmee übergeben haben.
Juli 2014: US-Soldaten in Baghlan holen ihre Nationalflagge ein, nachdem sie ihre Militärbasis an die afghanische Nationalarmee übergeben haben.  © Sayed Mustafa/EPA/dpa

"Unsere Kämpfer werden niemals einer Verlängerung zustimmen", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Nato, Amerika und alle Seiten sind zu dem Schluss gekommen, dass zur Überwindung der aktuellen Krise die einzige gute Lösung die Umsetzung des unterzeichneten Abkommens ist."

Anfang vergangenen Jahres hatten die USA den Taliban einen Truppenabzug bis zum 1. Mai 2021 in Aussicht gestellt. Im Gegenzug verpflichteten diese sich zu Friedensgesprächen mit der Regierung. Kritiker werfen den Islamisten vor, sich nicht an Versprechen zu halten.

So sollen sie weiter mit anderen Terrorgruppen zusammenarbeiten, auch das Gewaltniveau im Land sei zu hoch. Die Nato-Staaten wollen ihren Einsatz in Afghanistan nun bis auf Weiteres fortführen.

Nach eigenen Worten streben die Taliban weiter eine diplomatische Lösung an, warnen aber vor Konsequenzen einer "Vertragsverletzung". "Wenn das Abkommen, Gott bewahre, verletzt wird, dann werden sich die Menschen in Afghanistan natürlich von ihrem Land aus verteidigen, wie sie es in den letzten 20 Jahren getan haben", sagte Mudschahid.

Eine Entscheidung wolle man aber erst treffen, falls internationale Truppen auch im Mai noch im Land seien. Zugleich drohte er: "Wenn der diplomatische Weg verschlossen ist, gibt es keinen anderen Weg als den des Krieges."

Februar 2020: Zalmay Khalilzad (2.v.l.), US-Sondergesandter für Aussöhnung in Afghanistan, und Mullah Abdul Ghani Baradar (2.v.r.), Leiter des politischen Büros der Taliban, unterzeichnen ein Abkommen über Wege zu einem Frieden zwischen den USA und der militant-islamistischen Taliban.
Februar 2020: Zalmay Khalilzad (2.v.l.), US-Sondergesandter für Aussöhnung in Afghanistan, und Mullah Abdul Ghani Baradar (2.v.r.), Leiter des politischen Büros der Taliban, unterzeichnen ein Abkommen über Wege zu einem Frieden zwischen den USA und der militant-islamistischen Taliban.  © Hussein Sayed/AP/dpa

Bei den afghanischen Friedensverhandlungen herrscht seit Wochen Stillstand. Als Grund nannte Mudschahid unter anderem Beratungen innerhalb der eigenen Gruppe. "Wir haben die Friedensgespräche nicht grundsätzlich verlassen und setzen uns für die Fortsetzung ein.

Die Reisen und die mehrtägigen Verzögerungen dienten auch dazu, die nächsten Gespräche zu stärken", erklärte Mudschahid die diplomatischen Reisen hochrangiger Taliban-Unterhändler.

Titelfoto: Hussein Sayed/AP/dpa

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