Dresdner EU-Experte: Alle müssen jetzt merken, wie wichtig Europa für uns ist

Sachsen - Europaweit (außer in Schweden) wurden die Wirtschaft gedrosselt, Reiseverbote ausgesprochen und Grenzen geschlossen. Allerdings nicht gemeinschaftlich! Jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union hat für sich Vorkehrungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie getroffen. Die Seuche wird damit zur Zerreißprobe für die EU.

Ernste Miene: Andreas Peschke (50) ist der Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt. Er weiß, dass Corona die EU in eine tiefe Krise gestürzt hat.
Ernste Miene: Andreas Peschke (50) ist der Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt. Er weiß, dass Corona die EU in eine tiefe Krise gestürzt hat.  © imago images/photothek

Wir sprachen mit Andreas Peschke (50), dem Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt in Berlin, über die Krise und was die EU jetzt tun muss, um diese zu überwinden.

"Es war nicht gut, dass am Anfang vieles passiert ist, ohne dass wir uns in Europa abgesprochen haben. Schließung der Grenze hier, Stopp für Pendler dort und so weiter. Das war leider nicht sehr europäisch", bedauert der Dresdner Diplomat.

Besonders Italien fühlte sich von seinen europäischen Nachbarn im Stich gelassen. In dem südlichen Land hatte sich das Virus zu Beginn der Pandemie in Europa besonders stark ausgebreitet.

Die Situation geriet außer Kontrolle, immer mehr Menschen starben - während sich alle Länder ringsherum in Panik abschotteten. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumte kürzlich Fehler ein und entschuldigte sich im Namen Europas bei den Italienern für die ausgebliebene Hilfe.

"Inzwischen läuft das besser. Die Länder sprechen miteinander und unterstützen sich", erklärt Andreas Peschke. So wurden medizinische Schutzausrüstung in andere Staaten geliefert und Patienten aus besonders stark betroffenen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich wurden in Deutschland, darunter auch in Sachsen, behandelt.

Trotzdem: Eine gemeinsame europäische Strategie scheint bis heute zu fehlen. Zwar gibt die EU Empfehlungen, doch jedes EU-Mitglied hat eigene Maßnahmen erlassen, entscheidet unabhängig über Lockerungen. Zerstört Corona die Europäische Gemeinschaft?

In seinem Job jettet der gebürtige Dresdner viel durch Europa - hier mit Bundesaußenminister Heiko Maas. Doch wegen der Pandemie muss er seit Wochen auf dem Boden bleiben.
In seinem Job jettet der gebürtige Dresdner viel durch Europa - hier mit Bundesaußenminister Heiko Maas. Doch wegen der Pandemie muss er seit Wochen auf dem Boden bleiben.  © imago images/photothek
Am 1. Juli übernimmt Deutschland planmäßig die EU-Ratspräsidentschaft.
Am 1. Juli übernimmt Deutschland planmäßig die EU-Ratspräsidentschaft.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Hat noch die Präsidentschaft inne: Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic.
Hat noch die Präsidentschaft inne: Kroatiens Premierminister Andrej Plenkovic.  © imago images/Wassilis Aswestopoulos
Ungewohnter Arbeitsplatz: Andreas Peschke ganz leger im Home Office.
Ungewohnter Arbeitsplatz: Andreas Peschke ganz leger im Home Office.  © privat
Auch im Auswärtigen Amt wird inzwischen viel per Videochat kommuniziert.
Auch im Auswärtigen Amt wird inzwischen viel per Videochat kommuniziert.  © imago images/photothek

"Ich hoffe, dass gerade in der Krise alle merken, wie wichtig die EU für uns ist, um so eine tödliche Gefahr wie Corona zu bekämpfen. Allein kann es niemand von uns schaffen", mahnt Peschke.

"Wenn Deutschland über den Berg ist und Tschechien nicht, oder umgekehrt - wem würde das nützen? Unser Ziel muss sein, dass Europa insgesamt gestärkt aus der Krise herauskommt."

Titelfoto: imago images/photothek

Mehr zum Thema Europäische Union:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0