Haben wirklich drei von fünf potenziellen Wählern in Sachsen-Anhalt keine Stimme abgegeben?

Magdeburg - Bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben viele Wahlberechtigte keine Stimme abgegeben. Doch haben tatsächlich drei von fünf potenziellen Wählern auf eine Teilnahme am Urnengang verzichtet, wie in sozialen Medien teilweise der Eindruck vermittelt wird?

Reiner Haseloff (67, CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, konnte die Landtagswahl mit seiner Partei für sich entscheiden.
Reiner Haseloff (67, CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, konnte die Landtagswahl mit seiner Partei für sich entscheiden.  © Michael Kappeler/dpa

Es stimmt, dass die Wahlbeteiligung an der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. Juni 2021 um 16 Uhr bei nur 41 Prozent lag. Doch war das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn erst 18 Uhr schlossen die Wahllokale.

Daneben gab es eine hohe Anzahl an Briefwähler-Stimmen, deren Auszählung erst nach Schließung der Wahllokale begann. Der Briefwahl-Anteil erreichte in Sachsen-Anhalt diesmal einen Rekordwert von 29,1 Prozent.

Gegen 3 Uhr in der Nacht zum 7. Juni stand schließlich das vorläufige amtliche Endergebnis von 2021: Demnach haben 60,3 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung über die Zusammensetzung des Landtags in Magdeburg teilgenommen.

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Der Anteil lag in etwa genauso hoch wie bei der vorherigen Wahl 2016 (61,1 Prozent). Das war bei Veröffentlichung des irreführenden Facebook-Posts am 7. Juni um 9.45 Uhr schon einige Stunden bekannt.

Zwar ist eine Wahlbeteiligung von 60,3 Prozent tatsächlich der tiefste Wert im Vergleich zu den jüngsten Landtagswahlen in allen anderen Bundesländern. Allerdings gab es in der Geschichte schon viel schwächere Beteiligungen: So gaben 2015 bei der Bürgerschaftswahl in Bremen nur 50,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, bei der Landtagswahl in Brandenburg waren es 2014 nur 47,9 Prozent.

Den bisherigen Tiefststand bei Landtagswahlen hält wiederum Sachsen-Anhalt mit 44,4 Prozent Wahlbeteiligung im Jahr 2006.

Gewonnen hat die Wahl 2021 in Sachsen-Anhalt nach vorläufigem amtlichen Endergebnis die CDU (37,1 Prozent der Zweitstimmen) mit überraschend großem Vorsprung. Die AfD, die in dem Bundesland als besonders rechts gilt und im Visier des Verfassungsschutzes steht, behauptete sich trotz leichter Verluste als zweitstärkste Kraft (20,8).

SPD (8,4) und Linke (11,0) rutschten auf neue Tiefstände im Land ab. Die FDP (6,4) kehrte nach zehn Jahren in den Landtag zurück. Die Grünen legten nur leicht zu (5,9).

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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