Durchbruch im Brexit-Streit: Großbritannien und EU einigen sich auf Handelspakt

Brüssel/London - Nach monatelangen Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt ist der Europäischen Union und Großbritannien eine Einigung gelungen.

Michel Barnier, EU-Chefunterhändler für den Brexit, und Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen verkünden gemeinsam, dass es mit dem Brexit endlich vorangeht.
Michel Barnier, EU-Chefunterhändler für den Brexit, und Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen verkünden gemeinsam, dass es mit dem Brexit endlich vorangeht.  © Francisco Seco/Pool AP/dpa

Beide Seiten bestätigten die Einigung am Donnerstagnachmittag. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Unterhändler Michel Barnier kündigten eine Pressekonferenz an. Damit scheint ein harter wirtschaftlicher Bruch zum Jahreswechsel abgewendet.

Das Handelsabkommen soll die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Insel und dem Kontinent ab Januar 2021 regeln. Wichtigster Punkt ist, Zölle zu vermeiden und möglichst reibungslosen Handel zu sichern.

Der Vertrag umfasst aber auch den Fischfang sowie die Zusammenarbeit bei Energie, Transport, Justiz, Polizei und vielen anderen Themen.

Großbritannien hatte die EU Ende Januar 2020 verlassen und ist nur noch in einer Übergangszeit bis 31. Dezember Mitglied im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Dann kommt der wirtschaftliche Bruch.

Ohne Abkommen würden Zölle und aufwendigere Kontrollen notwendig. Wirtschaftsvertreter auf beiden Seiten warnten vor Verwerfungen und dem Verlust Zehntausender Jobs.

Nach komplizierten Verhandlungen geht es endlich voran mit dem Brexit

Schon 2016 hatten die Briten über ihren EU-Austritt abgestimmt. Nun kann Premierminister Boris Johnson seinen Landsleuten mitteilen, dass es eine Einigung gibt.
Schon 2016 hatten die Briten über ihren EU-Austritt abgestimmt. Nun kann Premierminister Boris Johnson seinen Landsleuten mitteilen, dass es eine Einigung gibt.  © Pa Video/PA Wire/dpa

Die Verhandlungen hätten eigentlich schon im Oktober abgeschlossen werden sollen, zogen sich aber immer weiter in die Länge. Mehrfach standen sie wohl kurz vor dem Scheitern.

Das Abkommen verspricht Großbritannien Exporte ohne Zölle und ohne Mengenbegrenzung in den EU-Binnenmarkt. Dafür verlangt die EU aber faire Wettbewerbsbedingungen - das sogenannte Level Playing Field. Gemeint sind gleiche Umwelt-, Sozial- und Subventionsstandards.

Die Frage blieb bis zum Schluss ein höchst komplizierter Streitpunkt. Gesucht wurde ein Weg, fairen Wettbewerb auch für die Zukunft sicherzustellen und anderenfalls gegensteuern zu können. Erst am Mittwochnachmittag hieß es schließlich, alle Punkte beim "Level Playing Field" seien geklärt.

Danach blieb noch ein allerletzter Knackpunkt, über den wochenlang heftig gestritten worden war: der Zugang von EU-Fischern zu britischen Gewässern.

Die Klärung der letzten Einzelheiten zog sich über viele Stunden bis Donnerstagmittag hin. Schließlich fand man auch hier einen Kompromiss.

Titelfoto: Pa Video/PA Wire/dpa

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