Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy vor Gericht: Ihm drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis!

Paris - Frankreichs Altpräsident Nicolas Sarkozy muss sich vor Gericht verantworten: Gegen den 65-Jährigen wurden schwere Korruptionsvorwürfe erhoben.

Nicolas Sarkozy (65) drohen schlimmstenfalls bis zu zehn Jahren Gefängnis. (Archivbild)
Nicolas Sarkozy (65) drohen schlimmstenfalls bis zu zehn Jahren Gefängnis. (Archivbild)  © Eddy Lemaistre/EPA/dpa

Hinter dem unverständlichen Justiz-Kürzel "NSTH" verbirgt sich in Frankreich ein Prozess historischen Ausmaßes: Ex- Staatschef Nicolas Sarkozy muss sich vom heutigen Montag an gemeinsam mit seinem langjährigen Anwalt Thierry Herzog wegen vermuteter Bestechung und unerlaubter Einflussnahme vor Gericht verantworten.

Den beiden 65-Jährigen drohen jeweils eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren und eine Geldbuße von einer Million Euro. Der Pariser Prozess, der bis zum 10. Dezember dauern soll, gilt als beispiellos.

Denn einen derartig schweren Vorwurf gegen einen früheren Staatspräsidenten hat es in der vom legendären Charles de Gaulle 1958 gegründeten "Fünften Republik" noch nicht gegeben. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ein früherer Herr des Élyséepalasts angeklagt ist.

Sarkozys Amtsvorgänger Jacques Chirac war 2011 wegen Veruntreuung und Vertrauensbruch in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Chirac brauchte damals aber wegen gesundheitlicher Probleme nicht vor Gericht zu erscheinen.

Sein Nachfolger wird hingegen kommen: "Ich bin einfach kämpferisch", sagte der affärengeplagte Sarkozy unlängst dem Nachrichtensender BFMTV. "Ich werde zum Prozess gehen. Ich werde alle Fragen beantworten."

Nicolas Sarkozy erwarten gleich mehrere Gerichtsverfahren

Sarkozy mit dem ehemaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi: Angeblich soll zwischen Frankreich und Libyen illegales Geld geflossen sein. (Archivbild)
Sarkozy mit dem ehemaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi: Angeblich soll zwischen Frankreich und Libyen illegales Geld geflossen sein. (Archivbild)  © Horacio Villalobos/EPA FILE/dpa

Schon vor Beginn des ungewöhnlichen Gerichtsverfahrens wurde über eine mögliche Unterbrechung spekuliert: Ein weiterer Angeklagter, der 73-jährige Jurist Gilbert Azibert, habe aus gesundheitlichen Gründen einen Aufschub beantragt, berichteten Medien. Vom Gericht wird bestätigt, es gebe einen Antrag von Aziberts Anwalt.

Vor der 32. Kammer des Pariser Strafgerichtes geht es um eine komplizierte Affäre, die sich nach Sarkozys Abschied von der Macht ereignet haben soll. "Sarko", wie er häufig noch genannt wird, soll Anfang 2014 versucht haben, über seinen Anwalt von dem Juristen Azibert Geheiminformationen zu erlangen, die eine andere Affäre betrafen.

Azibert war damals Generalanwalt beim Kassationsgericht, dem höchsten Gericht des Landes. Der Ex-Präsident soll im Gegenzug angeboten haben, den Juristen bei der Bewerbung um einen Posten im Fürstentum Monaco zu unterstützen.

Die Justiz ermittelt in dieser Sache seit Jahren, Sarkozy wies die Vorwürfe bislang vehement zurück. Allerdings dürfte dies nicht sein einziges rechtliches Problem bleiben.

Schon im März 2021 steht sein nächster Gerichtstermin an, diesmal wegen zu hohen Ausgaben für seine erfolglose Wiederwahl-Kampagne 2012. Die gesetzliche Obergrenze für diese Kosten wurde angeblich um gut 20 Millionen Euro überschritten.

Titelfoto: Kamil Zihnioglu/AP/dpa

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