Impfstoff-Desaster: Was ist bei Sanofi schief gelaufen?

Paris - Er war der große Hoffnungsträger in Frankreich: Der Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns Sanofi. Doch die Ergebnisse nach zulassungsrelevanten Tests waren extrem ernüchternd.

Im Juni 2020 zeigte sich Emmanuel Macron beim Besuch einer Sanofi-Fabrik in Lyon noch sehr optimistisch.
Im Juni 2020 zeigte sich Emmanuel Macron beim Besuch einer Sanofi-Fabrik in Lyon noch sehr optimistisch.  © Laurent Cipriani/AP POOL/dpa

Auch in Frankreich hat die große Impfkampagne begonnen, doch es herrscht betretenes Schweigen.

Denn nicht das Vakzin von Sanofi wird nun gespritzt, sondern das Konkurrenzprodukt des deutschen Herstellers Biontech.

Als der französische Konzern Sanofi und sein britischer Vertriebspartner GlaxoSmithKline die heißersehnten Zwischenergebnisse im Dezember vorstellten, war die Enttäuschung groß.

Denn der Impfstoff führte bei älteren Menschen zu einer wesentlich schwächeren Immunisierung als bei jüngeren, berichtet Deutschlandfunk.

Verantwortlich dafür ist offenbar der gewählte wissenschaftliche Ansatz: Denn statt auf das mRNA-Prinzip zurückzugreifen, entschied man sich für eine eher klassische Variante, bei der ein rekombiniertes Protein und ein Zusatzmittel zum Einsatz kommen.

Für die beiden Konzerngiganten ist dies ein enormer Rückschlag: Inzwischen geht man laut Spectator davon aus, frühestens Ende 2021 ein vollwertiges Vakzin liefern zu können.

Bleibt die EU nun auf ihren Impfstoff-Bestellungen aus Frankreich sitzen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M.), der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (r.) und Thomas Triomphe (l.), Executive Vice President und Global Head von Sanofi Pasteur, starteten im September in Frankfurt eine Anlage zur sterilen Abfüllung des potenziellen Impfstoffs.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M.), der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (r.) und Thomas Triomphe (l.), Executive Vice President und Global Head von Sanofi Pasteur, starteten im September in Frankfurt eine Anlage zur sterilen Abfüllung des potenziellen Impfstoffs.  © Martin Joppen/Sanofi/dpa

Um kein Land zu bevorzugen oder zu benachteiligen, bestellte die EU Impfdosen von mehreren Unternehmen - im Falle von Sanofi mehr als 300 Millionen.

Auch die französische Regierung gab 45 Millionen Dosen in Auftrag. Nicht nur Präsident Macron, der den Konzerngiganten noch im Sommer 2020 für sein Engagement gelobt hatte, dürfte nun ziemlich enttäuscht sein.

Die Bestellungen bleiben höchstwahrscheinlich bestehen, aber es muss nun bei Biontech und Co. nachgeordert werden, um den entstandenen Ausfall zu kompensieren.

Deutschland hat laut Angaben der taz bereits zusätzliche nationale Aufträge außerhalb der EU veranlasst und 30 Millionen Extra-Dosen von Biontech bestellt sowie 50,5 Millionen vom US-Hersteller Moderna.

Ob sich Sanofi von dem Desaster erholen wird und welchen Anteil sich der französische Pharmakonzern trotz Verspätung noch vom globalen Impfstoff-Kuchen gegen Covid-19 wird sichern können, bleibt abzuwarten.

Titelfoto: Martin Joppen/Sanofi/dpa

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