Macron oder Le Pen: Wird Frankreich-Showdown zum Schicksalstag für Europa?

Paris - Tag X ist gekommen. Am morgigen Sonntag entscheiden die Franzosen darüber, wer sie die nächsten fünf Jahre regieren soll. Geht Amtsinhaber Emmanuel Macron (44) in eine zweite Amtszeit, oder lenkt Rechtsaußen Marine Le Pen (53) künftig die französischen Geschicke? Warum wir alle ein bisschen gebannter als sonst nach Paris schauen sollten...

Luchst Marine Le Pen (53) Amtsinhaber Emmanuel Macron (44) am Sonntag das Präsidentenamt ab?
Luchst Marine Le Pen (53) Amtsinhaber Emmanuel Macron (44) am Sonntag das Präsidentenamt ab?  © Michel Euler/AP/dpa

"Le Pen verspricht den Franzosen, die Europäische Union zu demontieren. Seit einem Jahrzehnt sprechen wir über die Krise der Demokratie in Europa. Am Sonntag stehen wir in Frankreich kurz vor einem Höhepunkt. Das Ergebnis wird in jedem Fall ein Meilenstein sein. Sollte sie Emmanuel Macron besiegen, würde dies ein politisches Erdbeben in Europa auslösen." Das schreibt die belgische Zeitung "De Standaard" und drückt damit die Sorgen vieler Millionen Europäer aus, dass die "Architektur Europas zu bröckeln beginnen" würde.

Doch woher kommen diese Sorgen? Die Rechtsaußen-Politikerin gilt schon seit Jahren als offen Europa-kritisch.

Vor fünf Jahren warb sie damit, ihr Land aus dem Euro zu führen. Auch "Frexit"-Ambitionen werden ihr unterstellt, sprich: der Wunsch nach einem französischen Austritt aus der EU.

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Auch, wenn sie das verneint und lediglich von einem "Europa souveräner Staaten" spricht, bedient sie sich damit einer Rhetorik, die uns vom britischen "Brexit"-Vorkämpfer Nigel Farage (58) nur allzu bekannt vorkommen sollte.

Sprengt eine Le-Pen-Wahl die deutsch-französische Freundschaft?

Beide Kontrahenten saßen sich am Mittwoch schon bei einem TV-Duell gegenüber.
Beide Kontrahenten saßen sich am Mittwoch schon bei einem TV-Duell gegenüber.  © Ludovic Marin/POOL AFP/AP/dpa

Sorgen macht man sich hierzulande auch darüber, was eine Le-Pen-Wahl für die zuletzt immer enger gewordenen Beziehungen beider Länder bedeuten könnte.

"Sie möchte den deutsch-französischen Motor zum Erliegen bringen", mutmaßt etwa Politikwissenschaftler Paul Maurice beim BR. Gemeinsames Handeln beider Länder bei zukunftsträchtigen Themen, oder in der Ukraine-Krise, könnte mit der Rechtsaußen ein Ende finden.

Hier offenbaren sich zugleich auch die nächsten schweren Vorbehalte gegenüber Le Pen. Noch wenige Tage vor Beginn des russischen Angriffskrieges ließ sie Wahlkampf-Flyer drucken, die sie gemeinsam mit Wladimir Putin (69) zeigten. "Ein Sieg von Le Pen wäre vor allem ein Geschenk an Wladimir Putin. Sie ist seit Langem eine Bewunderin des russischen Präsidenten", schreibt "The Times".

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In der Tat hat die 53-Jährige eine gewisse Putin-Affinität, traf sich 2017 vor der entscheidenden Stichwahl sogar mit dem russischen Präsidenten.

Heute hat vor allem ihre Partei "Rassemblement National" noch eine direkte Verbindung nach Russland - in Form von Krediten beim Rüstungsunternehmen Aviazapchast. 2014 hatte man 9 Millionen Euro bei der Ersten Tschechisch-Russischen Bank aufgenommen.

Nach deren Bankrott zwei Jahre später übernahm der Zulieferer der russischen Militärluftfahrt, bei dem die inzwischen auf 12 Millionen Euro angewachsene Summe nun abbezahlt werden muss.

Le-Pen-Parteis Russland-Kredit: "Das ist Korruption"

"Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber", warf Präsident Macron beim TV-Duell am Mittwoch der Gegenseite vor. Eine Kerbe, in die auch Kreml-Kritiker Alexej Nawalny (45) schlägt. Er sei "schockiert" über den Kredit, ließen die Anhänger des 45-Jährigen auf Twitter verlautbaren.

Die Bank sei "Putins berüchtigte Geldwäsche-Einrichtung" gewesen. "Das ist Korruption. [...] Und es ist ein Verkauf von politischem Einfluss an Putin."

Auch wenn Le Pen das anders sieht und lediglich von einer "armen Partei" spricht, die von französischen Banken kein Darlehn bekommen habe, sind diese Verstrickungen nur ein weiteres Indiz dafür, am morgigen Sonntag besonders gebannt nach Paris zu schauen.

Titelfoto: Thibault Camus/AP/dpa & Michel Euler/AP/dpa

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