Gesundheitsminister geht fremd, entschuldigt sich später aber für was ganz anderes

Von Benedikt von Imhoff

London - Nach Medienberichten über eine angebliche Affäre mit einer engen Mitarbeiterin hat sich der britische Gesundheitsminister Matt Hancock (42) für einen Bruch der Corona-Regeln entschuldigt.

Hancock (42) wurden bereits in der Vergangenheit Lügen und kriminelle Handlungen vorgeworfen.
Hancock (42) wurden bereits in der Vergangenheit Lügen und kriminelle Handlungen vorgeworfen.  © Matt Dunham/PA Wire/dpa

"Ich räume ein, dass ich in diesem Fall gegen die Abstandsregeln verstoßen habe", sagte Hancock am Freitag. "Ich habe Menschen verletzt und bedauere dies sehr." Einen Rücktritt schloss der Minister aber aus.

Premierminister Boris Johnson (57) nahm die Entschuldigung an. Damit sei der Fall abgeschlossen, hieß es aus der Downing Street. Hancock betonte: "Ich konzentriere mich weiterhin darauf, das Land aus dieser Pandemie zu führen." Er bat um Privatsphäre "in dieser persönlichen Angelegenheit".

Zuvor hatte die Zeitung "The Sun" Fotos veröffentlicht, die zeigen sollen, wie Hancock im Ministerium seine Beraterin küsst. Die Bilder sollen am 6. Mai entstanden sein, elf Tage vor der weitgehenden Aufhebung von Abstandsregeln.

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Da die 43 Jahre alte Mitarbeiterin von Hancock eingestellt wurde und mit Steuergeld bezahlt wird, fordert die Opposition eine Untersuchung sowie den Rücktritt des Ministers.

Intime Fotos zeigen Hancock beim Fremdgehen

Boris Johnson (57) nahm die Entschuldigung an.
Boris Johnson (57) nahm die Entschuldigung an.  © Matt Dunham/AP POOL/dpa

Die Regierung verteidigte Hancock. Es handle sich um eine persönliche Angelegenheit, und bei der Einstellung der Beraterin seien keine Regeln verletzt worden, sagte Verkehrsminister Grant Shapps (52) am Freitagmorgen dem Sender Sky News. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Premierminister Johnson.

Sowohl Hancock als auch seine mutmaßliche Geliebte sind verheiratet und haben jeweils drei Kinder mit ihrem Partner.

Der Minister steht seit langem in der Kritik. So soll er Millionenaufträge für Corona-Schutzausrüstung ohne Prüfung an Freunde verteilt und Milliarden in ein unzureichendes Testsystem gesteckt haben.

Johnsons ehemaliger Top-Berater Dominic Cummings (49) hat Hancock vorgeworfen, in der Pandemie mehrfach gelogen zu haben und deutete an, dass der Premierminister den Gesundheitsminister rauswerfen wollte. Ein Regierungssprecher betonte daraufhin, dass Hancock das Vertrauen Johnsons habe.

Druck auf Johnson steigt

Zahlreiche Abgeordnete seiner Konservativen Partei forderten den Rauswurf des Ressortchefs, wie britische Zeitungen am Samstag berichteten. Die Opposition wirft Johnson, der dem Minister das Vertrauen ausgesprochen hatte, fehlendes Rückgrat vor.

Kritisiert wird nicht nur die Affäre des 42-Jährigen in Corona-Zeiten. Hancock müsse erklären, ob er seine mutmaßliche Geliebte vor Beginn der Affäre oder erst danach eingestellt habe, hieß es in London.

Die Zeitung "Daily Mail", die Johnson nahesteht, forderte mit deutlichen Worten Hancocks Rauswurf. Der Minister, der als Gesicht der Regierung in der Pandemie gilt, habe sich mit dem Regelbruch als größtmöglicher Heuchler entlarvt, schrieb das Blatt.

Titelfoto: Matt Dunham/PA Wire/dpa

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