Liz Truss nach nur 40 Tagen im Amt bereits am Ende? Politisches Chaos in Großbritannien

London - Ist Großbritannien nach Brexit, Corona-Krise und Inflation überhaupt noch regierbar? Für die neue Premierministerin Liz Truss (47) sieht es schon nach wenigen Wochen nicht gut aus.

Wie lange kann sie sich noch in ihrem Amt halten? Liz Truss (47) bei einer Rede im britischen Unterhaus.
Wie lange kann sie sich noch in ihrem Amt halten? Liz Truss (47) bei einer Rede im britischen Unterhaus.  © Jessica Taylor/UK Parliament/AP/dpa

Sie hatte einen klaren Plan, um die Wirtschaft im Land wieder anzukurbeln: Steuersenkungen in Milliardenhöhe - auch für Superreiche - sollten dazu führen, dass wieder mehr investiert wird und somit Arbeitsplätze und Wachstum entstehen.

Finanzexperten und Kollegen aus Truss' eigener Tory-Partei stellten das Vorhaben jedoch in Frage. In Folge rauschte der Pfund-Kurs in den Keller und die Bank of England musste Staatsanleihen aufkaufen, um den Negativ-Trend und den Werteverfall von Pensionsfonds zu verhindern.

Um sich selbst zu retten, musste Liz Truss ihren geschätzten Finanzminister Kwasi Kwarteng (47) entlassen, der nur 38 Tage im Amt war. Der frühere Gesundheitsminister Jeremy Hunt (55) soll es an seiner Stelle nun richten.

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In all dem Chaos kündigte Truss eine steuerpolitische Kehrtwende an. "Teile unseres 'Mini-Budgets' sind rascher gekommen als es die Märkte erwartet hatten", sagte Truss auf einer Pressekonferenz. "Daher muss sich die Art und Weise, wie wir unsere Mission jetzt erfüllen, ändern. Wir müssen jetzt handeln, um die Märkte von unserer Haushaltsdisziplin zu überzeugen."

Truss zeigte sich weitgehend uneinsichtig und beharrte darauf, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, was die Situation an den Finanzmärkten und die politische Stimmung im Land nicht besser machte. Die Anleiherenditen zogen zuletzt wieder an.

Großbritanniens Boulevard-Medien gießen zusätzlich Öl ins Feuer und vergleichen Truss nunmehr sogar mit einem Salatkopf. Doch was hat es damit auf sich?

Kuriose Live-Übertragung auf YouTube vergleicht Premierministerin Liz Truss mit Salat

Politisches Vertrauen verspielt: Wird Liz Truss bald aus ihrem Amt gejagt?

Nur ein Bauernopfer? Finanzminister Kwasi Kwarteng (47, l.) wurde entlassen, nun soll sich Jeremy Hunt in dem Job beweisen.
Nur ein Bauernopfer? Finanzminister Kwasi Kwarteng (47, l.) wurde entlassen, nun soll sich Jeremy Hunt in dem Job beweisen.  © Alberto Pezzali/AP/dpa, Victoria Jones/PA Wire/dpa

Auf YouTube findet sich derzeit ein kurioser Live-Stream, der die Frage "Kann Liz Truss länger halten als dieser Salat?" aufwirft.

Dem vorausgegangen war ein Artikel des Economist, der die aktuelle Regierungskrise mit der Haltbarkeit eines Salats verglich.

Die Boulevard-Zeitung Daily Star griff den Witz auf und richtete somit die Live-Übertragung ein, auf der ein Foto der Ministerin neben einem dekorierten Salatkopf mit aufgeklebten Augen zu sehen ist.

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Doch auch viele Menschen im Land scheinen die Hoffnung, Liz Truss könne es besser machen als ihr Vorgänger Boris Johnson (58), bereits aufgegeben zu haben.

Bei Protesten in London Anfang Oktober versammelten sich 10.000 Menschen auf der Straße und hielten markante Plakate hoch - so etwa mit dem Wortspiel "In Truss we don't trust" (zu Truss haben wir kein Vertrauen).

Derweil setzt sich das Chaos an den Finanzmärkten fort und das Image der konservativen Tory-Partei ist so beschädigt wie lange nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Truss aus ihrem Amt gejagt wird oder dass vorgezogene Neuwahlen bevorstehen, ist hoch.

Titelfoto: Jessica Taylor/UK Parliament/AP/dpa

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