Heftige Corona-Proteste in Frankreich und Brasilien

Paris/Rio de Janeiro - In Paris und anderen französischen Städten haben rund 161.000 Menschen gegen die Verschärfung der Corona-Regeln demonstriert.

Demonstranten nehmen an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfass teil.
Demonstranten nehmen an einem Protest gegen die Impfpflicht für bestimmte Arbeitszweige und den von der Regierung geforderten obligatorischen Impfass teil.  © dpa/AP/Rafael Yaghobzadeh

Das berichtete der französische Nachrichtensender Franceinfo am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium. Allein in Paris seien rund 11.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Am Rande des Protestes kam es in der Hauptstadt im Bereich der Prachtstraße Champs-Élysées zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas und Wasserwerfer ein, wie Fernsehbilder zeigten.

Innenminister Gérald Darmanin verurteilte Gewalt gegen Sicherheitskräfte oder Medienvertreter. Es seien in Paris neun Menschen festgenommen worden. Vor einer Woche hatten nach Angaben von Darmanins Ministerium landesweit rund 114.000 Menschen protestiert.

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Die Mitte-Regierung von Premier Jean Castex (56) hatte angesichts eines Anstiegs der Corona-Zahlen strengere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Das Land mit rund 67 Millionen Menschen kämpft nach Einschätzung von Castex mit einer vierten Corona-Welle.

Erst am Freitag hatte die Nationalversammlung als Unterhaus des Parlaments einem Gesetzesvorhaben zugestimmt, das die Ausweitung der Nachweispflicht über einen negativen Corona-Test, eine Impfung oder Genesung vorsieht. Nun muss noch der Senat als zweite Parlamentskammer die neuen Regelungen genehmigen, damit der Nachweis ab August auch für die Nutzung und den Besuch von Fernzügen, Bars, Restaurants und Einkaufszentren nötig wird.

Auch einer geplanten Impfpflicht für Gesundheitspersonal gaben die Abgeordneten der Nationalversammlung in erster Lesung ihre Zustimmung.

Heftige Proteste in Brasilien

Protestierende versammeln sich vor dem Kongress, um den Rücktritt des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu fordern.
Protestierende versammeln sich vor dem Kongress, um den Rücktritt des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu fordern.  © dpa/AP/Eraldo Peres

Tausende Brasilianer sind erneut gegen die Corona-Politik der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro (66) auf die Straße gegangen. Bei Demonstrationen im ganzen Land forderten sie am Samstag ein Amtsenthebungsverfahren gegen den rechten Staatschef, mehr Impfungen gegen das Coronavirus und wirtschaftliche Hilfen in der Pandemie, wie das Nachrichtenportal "G1" berichtete.

Zu Protesten kam es in mindestens 13 Provinzhauptstädten, darunter Rio de Janeiro, Recife und Salvador.

Zu den Demonstrationen hatten Gewerkschaften und linke Gruppen aufgerufen. Auf Transparenten war zu lesen: "Bolsonaro - korrupter Völkermörder. Amtsenthebung jetzt" und "Wir wollen Impfungen, er Schmiergeld. Weg mit Bolsonaro".

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Die Regierung von Präsident Bolsonaro verharmloste die Pandemie von Anfang an und stemmte sich mit Verweis auf die wirtschaftlichen Folgen gegen harte Ausgangsbeschränkungen.

Zuletzt zog Bolsonaro auch den Sinn von Impfungen in Zweifel. Mittlerweile prüft ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss Bolsonaros Krisenmanagement in der Pandemie.

Brasilien gehört zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern der Welt. Bislang haben sich fast 20 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Jeden Tag kommen im Durchschnitt etwa 50.000 Neuinfektionen hinzu. Fast 550.000 Patienten sind mittlerweile im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben - mehr Tote gibt es nur in den USA.

Aufgrund Zehntausender Nachmeldungen registrierte das Gesundheitsministerium innerhalb eines Tages jüngst sogar mehr als 100.000 Infektionen.

Erst 17 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft

Jair Bolsonaro (66), Präsident von Brasilien.
Jair Bolsonaro (66), Präsident von Brasilien.  © dpa/AP/Eraldo Peres

In Brasilien sind seit Beginn der landesweiten Impfkampagne im Januar mehr als 130 Millionen Impfstoffdosen verabreicht worden. Etwa 40 Prozent der erwachsenen Brasilianer haben eine Einzeldosis bekommen, rund 17 Prozent sind vollständig geimpft.

Angesichts fehlender Impfdosen setzten die brasilianische Metropole Rio de Janeiro und andere wichtige Städte allerdings zuletzt erneut die Erst-Impfungen gegen das Coronavirus aus.

In der Millionenmetropole Rio de Janeiro wächst unterdessen nach ersten Todesfällen durch die Delta-Variante die Sorge vor deren Ausbreitung. "Es wird erwartet, dass die Delta-Variante in der Stadt bald vorherrschend sein wird", sagte der Gesundheitssekretär Rios, Daniel Soranz, am Freitag (Ortszeit). Demnach dominiert in Rio de Janeiro noch die Variante Gamma.

Die Kritik der Demonstranten reichte am Samstag allerdings über das Corona-Krisenmanagement hinaus. Unter anderem richteten sich die Proteste gegen die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen.

Die Menschen verlangten zudem mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger und die Umweltzerstörung sowie die Achtung der Rechte indigener Völker.

Titelfoto: Montage: dpa/AP/Eraldo Peres, dpa/AP/Rafael Yaghobzadeh

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