Milliardär und Alibaba-Gründer kritisierte Chinas Regime: Nun ist er plötzlich spurlos verschwunden

Hangzhou - War es die Kritik, die ihn von der Bildfläche verschwinden ließ? Der ehemalig reichste Mensch aus China, Jack Ma (56), Gründer des Riesen-Konzerns Alibaba, ist seit Wochen wie vom Erdboden verschluckt.

Jack Ma (56) präsentiert sich gerne in der Öffentlichkeit. Doch seit seiner kritischen Rede im Oktober 2020 fehlt von dem Chinesen jede Spur.
Jack Ma (56) präsentiert sich gerne in der Öffentlichkeit. Doch seit seiner kritischen Rede im Oktober 2020 fehlt von dem Chinesen jede Spur.  © Twitter/JackMa

Das Unternehmen Alibaba wird des Öfteren als die chinesische Version von Amazon bezeichnet. Deren Tochterfirma AliExpress dürfte auch hierzulande als beliebte Online-Handelsplattform bekannt sein.

Der Gründer der riesigen Internet-Gruppe ist der ehemalige Englischlehrer Jack Ma. Mit seiner Idee machte er Milliarden und war sogar als erster Chinese auf dem Cover des Forbes-Magazin abgebildet.

Doch seit zwei Monaten ist der Mann komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Wie die DailyMail berichtete, sah man Jack Ma nicht mehr, seitdem er die Regierung von Xi Jinping kritisiert hatte.

Der Tycoon bemängelte in einer Rede in Shanghai die staatlichen Banken sowie die Finanzaufsichtsbehörden des Landes. Er forderte eine Reform, da das System "Geschäftsinnovationen erstickt" und verglich die globale Bankenregulierung mit einem "Club der alten Leute".

Seine Worte verärgerten die chinesischen Behörden. Sie gingen gegen seine Geschäftsaktivitäten vor. Im November setzten die Beamten den 37-Milliarden-Dollar-Börsengang seiner Ant Group auf direkten Befehl von Präsident Xi aus.

Sie leiteten eine Anti-Monopol-Untersuchung gegen Alibaba ein. Zudem sollte das Finanztechnologie-Unternehmen Ant Group seine Aktivitäten zurückfahren.

Durch Chinas Eingriff ist Jack Ma nicht mehr der reichste Mensch im Land

Chinas Präsident Xi Jinping (67) ist seit sieben Jahren an der Macht. Kritik sieht der Mann nicht gern.
Chinas Präsident Xi Jinping (67) ist seit sieben Jahren an der Macht. Kritik sieht der Mann nicht gern.  © Ju Peng/XinHua/dpa

Die Anti-Monopol-Untersuchung führte dazu, dass die Aktien von Alibaba seit ihrem Höchststand kurz nach der Oktober-Rede um ein Viertel fielen.

Dadurch war Jack Ma nicht mehr der reichste Mensch in China und landete nur noch auf den dritten Platz. Laut dem "Bloomberg Billionaires Index" hat er nun ein geschätztes aktuelles Nettovermögen von 63,1 Milliarden Dollar (umgerechnet ca. 51 Milliarden Euro).

Doch das war noch nicht alles. Wenig später nach dem vereitelten Börsengang verschwand Jack Ma urplötzlich aus seiner eigenen TV-Show "Africa's Business Heroes".

Kurz vor dem Finale wurde sein Foto von der Website gelöscht. Ein Sprecher sagte, dass der Milliardär aufgrund eines Terminkonflikts nicht mehr Teil der Jury sein könne.

Mysteriös, denn Wochen vor dem Finale hatte Jack noch begeistert getwittert, wie sehr er sich auf die Kandidaten in der letzten Folge der Sendung freuen würde.

Seitdem herrscht Sendepause auf seinem Twitter-Account. Normalerweise hatte der dreifache Vater sich öfter in Tweets zu Wort gemeldet.

Sein letzter Tweet: Jack Ma meldete sich im Oktober 2020

Jack Ma ist nicht der erste: Chinas Kritiker verschwinden öfters

Im März sendete Jack Ma Corona-Hilfsgüter für die USA: "Alles Gute für unsere Freunde in Amerika", twitterte er zu einem Bild der Fracht.
Im März sendete Jack Ma Corona-Hilfsgüter für die USA: "Alles Gute für unsere Freunde in Amerika", twitterte er zu einem Bild der Fracht.  © Twitter/JackMa

Was ist also passiert? Das ist nach wie vor unklar. Jack ist normalerweise sehr präsent in der Öffentlichkeit. Er spielte 2017 sogar einen unbesiegbaren Kung-Fu-Meister in dem Kurzfilm "Gong Shou Dao" mit Jet Li (57, "Mulan", "The Fist of Legend").

In der Corona-Krise spendete er knapp 2000 Beatmungsgeräte an die USA, was sogar ein Dankeschön von Präsident Donald Trump (74) zur Folge hatte.

Jacks Frau Cathy Zhang (56) äußerte sich bislang nicht zu dem Verbleib ihres Mannes. Es ist nicht das erste Mal, dass Chinas Kritiker spurlos abtauchen.

Im März verschwand der Immobilienmagnat Ren Zhiqiang, nachdem er Präsident Xi wegen seines Umgangs mit der Corona-Krise einen "Clown" genannt hatte.

Freunde von ihm sagten, sie könnten ihn nicht kontaktieren.

Sechs Monate später wurde er dann zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er "freiwillig und wahrheitsgemäß" verschiedene Korruptionsdelikte gestanden hatte.

Kürzlich erhielt eine chinesische Bloggerin, die vom Corona-Ausbruchsort Wuhan berichtete, vier Jahre Knast (TAG24 berichtete). Auch sie war zuvor monatelang wie vom Erdboden verschluckt. Was mit Jack Ma geschehen ist, werden also wohl die kommenden Wochen zeigen.

Titelfoto: Twitter/JackMa

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