Englands Partyqueen Johnson: Taumelt er zurück oder stürzt er ab?

London - Whine-Time-Fridays statt Tea-Time um 4: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson (57) lässt gerne mal die Korken knallen. Blöd nur, dass er sich dabei nicht an seine eigenen Regeln hält. Was als Kavaliersdelikt begann, schaukelt sich zu einer Staatsaffäre hoch. Taumelt sich "Mad Boris" zurück in die Downing Street oder stürzt er ab?

Großbritanniens Premierminister, Boris Johnson (57): Forderungen nach seinem Rücktritt werden lauter.
Großbritanniens Premierminister, Boris Johnson (57): Forderungen nach seinem Rücktritt werden lauter.  © Jack Hill/The Times/PA Wire/dpa

16. April 2021: Prinz Philip (†99), Duke of Edinburgh und Gemahl der Queen von England soll am darauffolgenden Tag beigesetzt werden. Elisabeth II (95) bereitet sich darauf vor, von dem Mann Abschied zu nehmen, der sie in 73 Ehejahren begleitet hat.

Und dabei ist sie völlig auf sich allein gestellt: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie enden nicht vor den Toren der Kapelle ihrer Residenz Windsor (Philip wurde hier beigesetzt), auch eine der letzten Königinnen des Planeten hat sich daranzuhalten.

Doch was für die Herrscherin der Commonwealth gilt, scheint auf der No. 10 Downing Street vergessen.

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30 Regierungsmitarbeiter um Premier Boris Johnson feiern, tanzen und trinken bis in die Nachtstunden hinein. Ohne Abstand, im geschlossenen Raum, G-Status unbekannt.

Johnson selbst soll speziell an diesem Tag nicht vor Ort gewesen sein aber wie es die Labour-Parteivize Angela Rayner (41) treffend auf den Punkt brachte: Der Fisch stinkt vom Kopf.

Denn "Mad Boris" scheint alles andere als erbost. Wie der stets gut informierte Mirror berichtet, soll Johnson seine Mitarbeiter regelrecht angefeuert haben "Dampf abzulassen". Für die richtige Genusstemperatur sollen die sogar einen eigenen Bürokühlschrank für die zahllosen Flaschen Weißwein, Prosecco und Bier gekauft haben. "Wine-time Fridays", also "Weinzeit-Freitage", haben sie es genannt. Hin und wieder war das Regierungsoberhaupt ebenfalls am Glas zu sehen.

Laut Mirror sind die freitäglichen Gelage lange Tradition im Regierungschefsessel - und selbst erlassenen Kontaktbeschränkungen tun dem anscheinend keinen Abbruch.

Nun wird der Rücktritt des Premierministers gefordert

Diese "Partygate"-Schlinge scheint sich zuzuziehen; nun fordern immer mehr Stimmen selbst aus den eigenen Reihen der Tory-Partei Johnsons Rücktritt.

Er selbst hat einen "umfassenden Neustart" angekündigt, um sich aus der Bredouille zu befreien. Doch der könnte zu spät kommen: Die Queen hat zuletzt bei ihrem Sohn Prinz Andrew (61) gezeigt, wie wichtig ihr die Reputation ist. (Noch) nicht bewiesene Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn führten dazu, dass sie ihm alle royalen Funktionen entzog.

Johnson hätte mit einer persönlichen, breitenwirksamen Entschuldigung sicher vieles wieder gut machen können, stattdessen schickte er seinen Regierungssprecher. Wo der wohl nächsten Freitag ist?

Titelfoto: Jack Hill/The Times/PA Wire/dpa

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