"Partygate"-Affäre: Boris Johnson will nicht zurücktreten

London - Der britische Premierminister Boris Johnson (57) will wegen der Affäre über Lockdown-Partys in seinem Amtssitz nicht zurücktreten.

Ein Mann geht vor der Downing Street an einer Karikatur vorbei, die den britischen Premierminister als lahme Ente zeigt.
Ein Mann geht vor der Downing Street an einer Karikatur vorbei, die den britischen Premierminister als lahme Ente zeigt.  © Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Das sagte der konservative Regierungschef am Mittwoch während der Fragestunde im Parlament nach einer entsprechenden Aufforderung von Oppositionschef Keir Starmer (59) von der Labour-Partei.

Er könne sich zu der Angelegenheit wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern, sagte Johnson.

Der Premier steht wegen angeblicher Lockdown-Partys im Amtssitz 10 Downing Street massiv unter Druck, bei denen gegen staatliche Corona-Kontaktbeschränkungen verstoßen worden sein soll.

Mit Spannung wurde dazu ein interner Bericht der Spitzenbeamtin Sue Gray erwartet. Am Dienstag hatte auch die Polizei in London angekündigt, zu den mutmaßlichen Lockdown-Verstößen zu ermitteln.

Sollte der interne Bericht den Schluss nahelegen, dass im Amtssitz Corona-Regeln gebrochen wurden, gilt ein Misstrauensvotum der konservativen Fraktion in den Premier als wahrscheinlich. Unklar war jedoch zunächst, ob der Bericht vollständig veröffentlicht wird und wann genau das geschehen soll.

Doch es gab am Mittwoch noch mehr Ärger für Boris Johnson!

Hinweise auf Intervention Johnsons bei Haustier-Evakuierung aus Kabul

Boris Johnson weigerte sich im britischen Unterhaus, seinen Posten zu räumen.
Boris Johnson weigerte sich im britischen Unterhaus, seinen Posten zu räumen.  © House Of Commons/PA Wire/dpa

Medienberichten zufolge gibt es neue Hinweise, dass er die Evakuierung von etwa 150 Katzen und Hunden aus der afghanischen Hauptstadt Kabul autorisiert hat. Das legt eine am Mittwoch vom Auswärtigen Ausschuss des Unterhauses veröffentlichte E-Mail aus dem britischen Außenministerium nahe.

Die Aktion im vergangenen Sommer während des Rückzugs westlicher Truppen aus dem Krisenstaat hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Berichte, Johnson habe sich persönlich für das Ausfliegen der Tiere eingesetzt, hatte der Premier jedoch als "kompletten Unsinn" abgetan.

In der internen E-Mail des Außenministeriums heißt es jedoch ausdrücklich, Johnson habe die Evakuierung von Mitarbeitern und Tieren autorisiert.

Ein Sprecher des Premierministers wies das am Mittwoch erneut zurück. "Es bleibt dabei, dass der Premierminister keine Anweisungen an Beamte zu einer bestimmten Vorgehensweise gegeben hat", sagte der Sprecher.

Kritiker fürchten, dass die Evakuierung der Tiere zu Lasten von Menschen ging, die Racheakte der militant-islamistischen Taliban zu befürchten hatten. Großbritannien hatte innerhalb von Tagen 15.000 eigene Staatsbürger und lokale Mitarbeiter von Streitkräften und anderen britischen Einrichtungen außer Landes gebracht, während die Taliban in rasender Geschwindigkeit die Kontrolle über das Land an sich rissen.

Tausende Menschen mit Verbindungen zu Großbritannien waren bei der überstürzten Aktion in dem Land zurückgeblieben.

Der ehemalige britische Soldat Paul (Pen) Farthing hatte sich in einer tagelangen Kampagne auf sozialen Medien und in Fernsehinterviews für das Ausfliegen der Tiere eingesetzt - mit Erfolg. Er verließ das Land mitsamt der Katzen und Hunde in einem Charterflug in letzter Sekunde.

Die Mitarbeiter der von ihm gegründeten Tierschutzorganisation Nowzad in Kabul mussten jedoch zunächst zurückbleiben.

Titelfoto: House Of Commons/PA Wire/dpa, Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

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