Donald Trump bricht vor Wut Interview ab und veröffentlicht es einfach selbst

Washington - US-Präsident Donald Trump hat ein Interview mit dem TV-Sender CBS abgebrochen und die kritischen Fragen scharf verurteilt - nun hat er das Interview einfach vorzeitig selbst veröffentlicht.

Donald Trump (74) glaubt, dass die Medien ihn schlechter behandeln würden als seinen Kontrahenten Joe Biden (77).
Donald Trump (74) glaubt, dass die Medien ihn schlechter behandeln würden als seinen Kontrahenten Joe Biden (77).  © Gene J. Puskar/AP/dpa

 Auf Twitter forderte Trump dazu auf, sich "die Voreingenommenheit, den Hass und die Unhöflichkeit" in dem knapp 38-minütigen Gespräch mit der renommierten CBS-Journalistin Lesley Stahl anzuschauen.

Der Republikaner schrieb zudem, die Moderatorin des TV-Duells mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am Donnerstagabend, die NBC-Journalistin Kristin Welker, sei noch "weitaus schlimmer". Die TV-Debatte ist die zweite und letzte vor der Wahl am 3. November.

Trump hatte bereits nach dem Gespräch am Dienstag mit der Veröffentlichung vor dem Sendetermin gedroht. Das CBS-Interview für eine Wahl-Sonderausgabe der Sendung "60 Minutes" an diesem Sonntag sollte eigentlich mit Trump und Pence fortgesetzt werden.

Trump sagt am Ende der Aufzeichnung aber: "Ich denke, wir hatten genug." Davor beschwerte er sich bei Stahl darüber, dass sie zu Beginn des Interviews sagte: "Sind Sie bereit für ein paar harte Fragen?"

Laut Donald Trump bekäme nur er harte Fragen gestellt, Joe Biden dagegen nie

Im Gegensatz zu Donald Trump hat Joe Biden sein "60 Minutes"-Interview ganz normal beendet.
Im Gegensatz zu Donald Trump hat Joe Biden sein "60 Minutes"-Interview ganz normal beendet.  © Patrick Semansky/AP/dpa

Der amtierende US-Präsident sagte: "So spricht man nicht." Er beklagte sich erneut darüber, dass Biden von den US-Medien keine harten Fragen gestellt würden. "Ich habe alle seine Interviews gesehen. Ihm ist nie eine Frage gestellt worden, die schwierig war."

Trump beklagt regelmäßig, dass US-Medien zu kritisch über ihn berichten. Diese Medien - denen er die Verbreitung von "Fake News" vorwirft - nennt er "Volksfeinde".

Während des Interviews für "60 Minutes" kam es zu einer Reihe von hitzigen Momenten. So beschwerte Trump sich wiederholt, dass Stahl Äußerungen von ihm aus dem Kontext reiße. 

Auch ärgerte er sich, als die Interviewerin sagte, er habe in der Vergangenheit Wahlkampfauftritte mit mehr Zuschauern gehabt. "Das sind die größten Auftritte, die wir jemals hatten. Sie kommen hier einfach mit dieser negativen Einstellung hin", sagte der Präsident.

Journalistin Stahl sprach Trump auch darauf an, warum er sich ständig im Angriffsmodus befinde. Der Präsident entgegnete, dass er sich vielmehr so fühle, als würde er sich und sein Amt verteidigen. Darauf antwortete Stahl: "Sie sind sehr aggressiv."

TV-Sender CBS spricht von "beispielloser Missachtung"

Auf dieser Bühne findet das letzte TV-Duell zwischen Trump und Biden vor den US-Wahlen am 3. November statt.
Auf dieser Bühne findet das letzte TV-Duell zwischen Trump und Biden vor den US-Wahlen am 3. November statt.  © Patrick Semansky/AP/dpa

Die Sendung "60 Minutes" gehört zu den erfolgreichsten Formaten im US-Fernsehen. Das Interview soll Teil einer Sonderausgabe über den Republikaner Trump und seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden an diesem Sonntag sein.

Die 78 Jahre alte TV-Journalistin Stahl arbeitet seit 1991 für "60 Minutes". Sie hatte nach Angaben von CBS 2016 das erste TV-Interview mit Trump nach dessen Wahlsieg geführt. 2018 interviewte sie ihn erneut.

Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstagabend in Erie im US-Bundesstaat Pennsylvania schien Trump CBS zu drohen. "Ihr müsst Euch anschauen, was wir mit '60 Minutes' machen. Ihr werdet einen solchen Kick daraus bekommen", sagte der Präsident vor jubelnden Anhängern. "Lesley Stahl wird nicht glücklich darüber sein."

CBS verteidigte seine Sendung am Donnerstag. "60 Minutes" werde für seine Fairness, seine Tiefgründigkeit und Informationsfülle geschätzt. 

Die "beispiellose Missachtung" der Abmachung zwischen dem Sender und dem Weißen Haus werde CBS nicht davon abhalten, das Interview wie geplant auszustrahlen.

Titelfoto: Gene J. Puskar/AP/dpa

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