Erst Randale provoziert, jetzt das: Trump mit ungewohntem Appell

Washington - Ist es Angst vor der eigenen Courage oder doch wieder nur ein taktischer Kniff, um sich selbst ein wenig aus der Schusslinie zu nehmen?

Trump heizte die Menge am 6. Januar so sehr auf, das Hunderte von ihnen das Kapitol stürmten. Es gab mehrere Tote.
Trump heizte die Menge am 6. Januar so sehr auf, das Hunderte von ihnen das Kapitol stürmten. Es gab mehrere Tote.  © Evan Vucci/AP/dpa

In einer ungewohnt deutlichen Ansprache hat Donald Trump (74) die Geschehnisse von Washington verurteilt und von einem Moment gesprochen, der "nach Heilung und Versöhnung" ruft.

Es waren Worte, die man sich eigentlich von einem US-Präsidenten wünscht. "Amerika ist und muss immer eine Nation von Recht und Ordnung sein", sagte Trump bei seinem Twitter-Comeback nach kurzzeitiger Sperrung zur amerikanischen Bevölkerung.

Gleichzeitig verurteilte er Gewalt und Zerstörung in und um das Kapitol und betonte, dass diejenigen Menschen "nicht unser Land" repräsentieren und "dafür bezahlen" würden. Jetzt sei die Zeit für "Heilung und Versöhnung".

Außerdem erneuerte er das Versprechen, "eine reibungslose, geordnete und nahtlose Machtübergabe (am 20. Januar) zu gewährleisten".

Darum ist eine Amtsenthebung höchst unwahrscheinlich

Unterstützer von US-Präsident Trump stürmten am 6. Januar das Kapitolgebäude, wo die Abgeordneten den Sieg des gewählten Präsidenten Biden für die Präsidentschaftswahlen im November bestätigen sollten.
Unterstützer von US-Präsident Trump stürmten am 6. Januar das Kapitolgebäude, wo die Abgeordneten den Sieg des gewählten Präsidenten Biden für die Präsidentschaftswahlen im November bestätigen sollten.  © Carol Guzy/ZUMA Wire/dpa

Doch woher kommt der plötzliche Sinneswandel? Noch vor einigen Tagen hatte Trump Tausende Anhänger mit seiner Aussage: "Danach gehen wir da runter und ich werde bei Euch sein. (...) Wir werden zum Kapitol hinuntergehen", erst maßgeblich zum Sturm auf das Kapitol provoziert.

Selbst als die Ereignisse voll im Gange waren und das schreckliche Ausmaß längst absehbar, äußerte Trump noch seine Sympathie.

Womöglich hängt dies mit der Forderung von immer mehr Demokraten zusammen, ihn mithilfe des 25. Zusatzartikels der Verfassung seines Amtes zu entheben.

Der erlaubt es, einen Präsidenten für unfähig zu erklären, "die Rechte und Pflichten des Amtes auszuüben" - Voraussetzung Vize Mike Pence (61) und die Mehrheit des Kabinetts stimmen zu.

Ein äußerst unwahrscheinliches Szenario, da Pence laut New York Times Chaos sowie die politischen Konsequenzen fürchtet und es nur noch wenige Tage bis zur Amtsübernahme von Joe Biden (78) sind.

Doch auch die könnten laut Nancy Pelosi (80), Vorsitzende des Repräsentantenhauses, zu einer "Horrorshow für Amerika" werden. Trump sei ein "gefährlicher Mann".

Auch der republikanische Gouverneur von Maryland ist neben einigen anderen Parteikollegen für ein frühzeitiges Ende. "Genug ist genug. Genug der Lügen. Genug des Hasses. Genug von der totalen Dysfunktion", so Larry Hogan (64).

Update, 8. Januar, 16.57 Uhr: Trump will nicht an Bidens Amtseinführung teilnehmen

Der scheidende US-Präsident Trump will nicht an der Amtseinführung des nächsten US-Präsidenten Joe Biden (78) am 20. Januar teilnehmen.

Das erklärte der 74-Jährige am Freitag über Twitter.

Titelfoto: Carol Guzy/ZUMA Wire/dpa/Evan Vucci/AP/dpa

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