Heftige Cyberattacke auf US-Regierung: Trump nimmt Russland in Schutz und verdächtigt China

Washington - Hacker haben die Systeme von US-Regierung und Firmen infiltriert. Vertreter aus Kongress und Regierung sind höchst beunruhigt. Erst schweigt Präsident Trump tagelang. Nun widerspricht er seinem Außenminister und Experten. Und sendet eine eigenwillige Botschaft.

US-Präsident Trump (74) nimmt Russland in Schutz. Sein Außenminister Mike Pompeo (56, r) hatte Moskau für eine große Cyberattacke auf die US-Regierung verantwortlich gemacht.
US-Präsident Trump (74) nimmt Russland in Schutz. Sein Außenminister Mike Pompeo (56, r) hatte Moskau für eine große Cyberattacke auf die US-Regierung verantwortlich gemacht.  © Alex Brandon/AP/dpa

Der amtierende US-Präsident Donald Trump (74) hat Russland in der Debatte über den massiven Hackerangriff auf amerikanische Regierungseinrichtungen in Schutz genommen und seinem Außenminister Mike Pompeo (56) damit offen widersprochen.

Pompeo hatte Moskau für die Cyberattacke verantwortlich gemacht. Trump schrieb dagegen am Samstag auf Twitter, es werde immer gleich Russland verdächtigt, wenn etwas passiere.

Dabei könne es möglicherweise auch China sein, doch diese Option werde "aus überwiegend finanziellen Gründen" nicht diskutiert. Trump spielte in seinem Tweet das Ausmaß und die Gefahr des Hackerangriffs herunter und nutzte den Vorfall, um erneut unbelegte Betrugsvorwürfe zur Präsidentenwahl zu verbreiten.

Pompeo hatte am Freitagabend (Ortszeit) in einem Radiointerview gesagt, es lasse sich nun "ziemlich klar" sagen, dass die Russen hinter dem Angriff steckten.

Russland hat jede Verbindung zu dem Hackerangriff zurückgewiesen.

Donald Trump spielt Gefahr der Cyberattacke auf Twitter herunter

Mehrere US-Ministerien von Hackerangriff betroffen

Mike Pompeo, Außenminister der USA, beschuldigt Russland der Cyberattacke. Mehrere Ministerien in den USA sind betroffen.
Mike Pompeo, Außenminister der USA, beschuldigt Russland der Cyberattacke. Mehrere Ministerien in den USA sind betroffen.  © Saul Loeb/Pool AFP/AP/dpa

Mehrere US-Medien, darunter die "Washington Post" und der Sender CNN, berichteten am Samstag, im Weißen Haus sei bereits eine Erklärung vorbereitet worden, in der Russland als Urheber der Attacke benannt werden sollte - wie in Pompeos Aussage.

Die Erklärung hätte ursprünglichen Plänen nach am Freitag veröffentlicht werden sollen, sei dann jedoch zurückgehalten worden. Nun ist das Weiße Haus in Erklärungsnot, welche Position die Regierung in der Frage vertritt.

Das US-Heimatschutzministerium hatte am Montag bestätigt, dass es Attacken auf mehrere Bundesbehörden gegeben habe. Einzelheiten teilte das Ministerium nicht mit.

Nach US-Medienberichten sollen das Finanz- und das Handelsministerium sowie weitere Behörden angegriffen worden sein. Am Freitag erklärte das Energieministerium, es sei betroffen.

Die Hacker haben sich nach bisherigen Erkenntnissen über Software der Firma SolarWinds Zugang zu den Systemen von Regierungseinrichtungen und Unternehmen verschafft. Der US-Softwareriese Microsoft teilte mit, dass 40 seiner Kunden betroffen seien, die die angegriffene Software genutzt hätten.

Cyberangriff dauert seit mindestens März an

Donald Trump spielt den Cyberangriff herunter und behauptet, alles unter Kontrolle zu haben.
Donald Trump spielt den Cyberangriff herunter und behauptet, alles unter Kontrolle zu haben.  © Evan Vucci/AP/dpa

Trump hatte zunächst tagelang zu dem Hackerangriff geschwiegen und sich nicht öffentlich dazu äußert. Mit seinem Tweet stellte er sich nun schützend vor Russland und brachte dabei unvermittelt - und ohne jeden Beleg - China als möglichen Urheber der Attacke ins Gespräch.

Trump behauptete auch, der Angriff werde in den "lügnerischen Medien" weit größer dargestellt als er tatsächlich sei. "Ich wurde umfassend informiert, und es ist alles voll unter Kontrolle", schrieb er.

Die US-Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (Cisa) hatte den Hackerangriff dagegen als "ernste Gefahr" für die Bundesregierung, für Regierungen von Bundesstaaten und Kommunen, für die kritische Infrastruktur und für Organisationen des Privatsektors eingestuft.

Das Entfernen des Angreifers aus betroffenen Systemen werde sich voraussichtlich "hochkomplex" gestalten. Der Cyberangriff dauere mindestens seit März an. Der oder die Täter hätten "Geduld, operative Sicherheit und komplexe Handwerkskunst" bewiesen.

Trump wird seit langem vorgeworfen, einen sanften Kurs gegenüber Russland zu fahren. Bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin 2018 in Finnland etwa hatte Trump auf offener Bühne Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste infrage gestellt, die überzeugt davon waren, dass sich Russland in den Wahlkampf 2016 eingemischt hatte.

Titelfoto: Alex Brandon/AP/dpa

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