Skandalautor Michel Houellebecq: "Donald Trump ist ein guter Präsident"

Paris - Michel Houellebecq (64) liebt es, die Gesellschaft zu provozieren. Seine Bücher und Meinungen lösen regelmäßig Debatten aus. So auch sein jüngster Essayband "Interventions 2020": Driftet der Erfolgs- und Skandalautor nun ganz nach rechts?

Der französische Autor Michel Houellebecq (64).
Der französische Autor Michel Houellebecq (64).  © Hugo Ortuno/EFE/epa/dpa

Er ist gegen die Legalisierung der Sterbehilfe und beglückwünscht die Amerikaner zu ihrem Präsidenten: Michel Houellebecq hält mit seinen Meinungen nicht hinter dem Berg. 

In geballter Form hat sich Frankreichs Skandal- und Bestsellerautor ("Unterwerfung", "Seratonin") jetzt in dem Sammelband "Interventions 2020" zusammengeführt - so wie schon 1998 und 2009. Und wie immer sind seine Äußerungen provokant. International bekannt wurde Houellebecq mit dem Buch "Unterwerfung" (2015), in dem er ein hochsensibles Thema literarisch umsetzt: die angebliche Islamisierung des Westens.

"Interventions 2020" vereint auf mehr als 400 Seiten, was Houellebecq seit 1992 in Zeitungen, Zeitschriften, Vorworten für Bücher und in Interviews geschrieben und gesagt hat. Davon sind laut Autor 45 Prozent der Beiträge weitgehend unbekannt. Wie er auf dem hinteren Buchdeckel zudem verkündet, soll der Sammelband sein letzter sein. 

"Damit verspreche ich absolut nicht, mit dem Denken aufzuhören, aber zumindest damit, meine Gedanken und Meinungen der Öffentlichkeit mitzuteilen." Mit einer Ausnahme allerdings: bei schwerwiegenden moralischen Notfällen - zum Beispiel einer Legalisierung der Sterbehilfe.

Der 64-Jährige ist gegen Sterbehilfe. "Niemand kennt die Gedanken, die sich in ihrem Gehirn bilden. Sie wechseln zwischen Wachheit und Schlaf, aber niemand weiß, ob sie Träume haben; und ein Leben aus Träumen verdient es in meinen Augen, gelebt zu werden."

Für Houellebecq ist es "unsere Pflicht", diesen Patienten die bestmöglichen Lebensbedingungen zukommen zu lassen, auch wenn ihr vegetativer Zustand als irreversibel gilt.

Essayband von Michel Houellebecq erscheint Anfang Dezember

Michel Houellebecq provoziert mit seinem neuen Essayband.
Michel Houellebecq provoziert mit seinem neuen Essayband.  © Boris Roessler/dpa

Die meisten Reaktionen löst der Preisträger des begehrten französischen Prix Goncourt jedoch mit einem Text aus, in dem er die Amerikaner beglückwünscht, Donald Trump an die Spitze ihres Landes gewählt zu haben. Warum? 

Weil dieser so wie Houellebecq gegen die europäische Konstruktion ist und folglich den Brexit befürwortet – so wie er. Es gebe in Europa keine gemeinsame Sprache, keine gemeinsamen Werte, keine gemeinsamen Interessen. Europa existiere nicht, es werde nie ein Volk bilden und schon gar nicht der Grundstein einer möglichen Demokratie sein.

Gut findet er auch an Trump, dass dieser in der Freiheit des Welthandels nicht das Maß aller Dinge sieht. Wenn der Freihandel den Interessen des Landes diene, sei Trump dafür, wenn nicht, werde er mit seinen Zoll- und Importquotenregelungen zum Verfechter des Protektionismus.

Persönlich findet Houellebecq Amerikas Präsidenten dagegen ziemlich widerlich. "Ein ehrlicher und moralischer Typ wäre besser für Amerika gewesen", schreibt er. "Donald Trump ist ein guter Präsident", heißt der Titel, unter dem sein Aufsatz im Januar 2019 in der amerikanischen Monatszeitschrift "Harper’s Magazine" erschienen ist.

Die Kritik, dass Houellebecq zum Autor der Rechten mutiere, ist nicht ganz neu. Er selbst nennt sich einen Konservativen. Seine Kritik an der globalisierten, fortschrittsorientierten Gesellschaft hat er zur Genüge in seinen Romanen zum Ausdruck gebracht, in denen seine Protagonisten ein vielfach als frauenfeindlich, homophob und fremdenfeindlich kritisiertes Weltbild verkörpern. Was man von den "Interventions 2020" halten soll? Eine Antwort findet man in einem dort veröffentlichten Gespräch über Kunst: "Ich glaube, ich bin ungefähr genauso zwiespältig wie meine Romanfiguren."

Unter dem Titel "Ein bisschen schlechter. Neue Interventionen" erscheint der Essayband Anfang Dezember bei Dumont, wie der Kölner Verlag am Dienstag mitteilte.

Titelfoto: Hugo Ortuno/EFE/epa/dpa

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