Ex-Ösi-Kanzler Sebastian Kurz: Was bleibt vom gefallenen Polit-Star?

Wien - Ein "Ausnahmetalent", ein "Rockstar" oder einfach "Wunderwuzzi": Spitznamen hatte Österreichs "Alt"-Kanzler Sebastian Kurz (35) reichlich. Und er hätte noch so viele mehr haben können, hätte er sich nicht zu seiner wahrscheinlich treffendsten Zuschreibung hinreißen lassen: Dem Prototyp-Politiker, dem es stets um mehr Macht als echten Inhalt ging. Politik war für ihn der Wettbewerb der Ideen, seine Politik hingegen war Wettbewerb des Marketings. Was bleibt von dem einst Beliebtesten seiner Zunft? Und vor allem: Wann kommt er zurück? TAG24 zieht Bilanz.

Tritt ab: Sebastian Kurz (35, 2.v.l.) zieht sich Anfang Dezember aus der Politik zurück. Zuvor trat er bereits als Kanzler Österreichs zurück.
Tritt ab: Sebastian Kurz (35, 2.v.l.) zieht sich Anfang Dezember aus der Politik zurück. Zuvor trat er bereits als Kanzler Österreichs zurück.  © dpa/APA/Herbert Neubauer

Konzerne und die Spendentopffüller der ÖVP dürften dem fulminanten Abschied tatsächlich hinterhertrauern. Denn die haben buchstäblich am meisten profitiert:

Kurz vor seinem politischen Ableben hat der Ex-Kanzler mal eben ein 800 Millionen Euro schweres Loch in die Steuerkassen Österreichs gerissen. Geld, was sich die Großkonzerne durch die beschlossene Senkung der Gewinnsteuer in die eigene Tasche stecken.

Allein Red Bull spart sich durch die Neuregelung 19,1 Millionen Euro pro Jahr, wie die Neue Zeit berichtet.

Für diejenigen, die den Fiskus noch finanzieren müssen - die Arbeiter - gab es einen "Work-Life-Balance"-freundlichen 12-Stunden-Tag.

Bereits 2018 beschloss Kurz' erste Regierung, dass Arbeitgeber ganz ohne Überstundenzuschläge vier Stunden mehr Arbeitskraft erwarten können. Kurzum: Mehr Arbeit für weniger Geld. Und das völlig legal einforderbar.

War der "coole Rockstar" Kurz gar nicht so cool?

Das Ende seiner Laufbahn hat sich der Ex-Bundeskanzler sicher anders vorgestellt.
Das Ende seiner Laufbahn hat sich der Ex-Bundeskanzler sicher anders vorgestellt.  © dpa/APA/Georg Hochmuth

Dem Motto schien er sich auch in seiner zweiten Amtszeit verschrieben zu haben. Letztes Jahr schaffte "der coole Rockstar" mit Hilfe der österreichischen Grünen die Hacklerregelung ab.

Für alle, die diesseits der Donau und der Alpen wohnen, zur Erklärung: Die Hacklerregelung sah für die Schwerarbeitenden (österr. "Hackler") vor, dass sie nach 45 Jahren Arbeit ab 62 in Pension gehen könnten. Das ist nun nicht mehr ohne Abschläge möglich - durch die Abschaffung verlor der durchschnittliche Hackler 240 Euro pro Monat.

Das Aushängeschild "Kassenreform" sollte eine Milliarde für alle Sozialversicherungspflichtigen bringen - sie kostet den Steuerzahler jetzt 65 Millionen im Jahr.

Die ÖVP-Chat-Protokolle bewiesen, dass Kurz einen Rechtsanspruch für Kitaplätze verhindert hat, weil er dem vorherigen Kanzler den Erfolg nicht gönnen wollte. Und vom Corona-Management ganz zu schweigen.

Sind diese negativen Schwingungen also die einzigen, die von Kurz' Erbe bleiben?

Kurz' Schritt nach vorn waren zwei Schritte zurück

Sebastian Kurz hat bereits einen neuen Job und verzichtet auf gut 75.000 Euro, die ihm noch zustehen würden.
Sebastian Kurz hat bereits einen neuen Job und verzichtet auf gut 75.000 Euro, die ihm noch zustehen würden.  © dpa/APA/Herbert Neubauer

Nein. Sein größtes Erbe wird wohl die türkisfarbene Nuance auf der österreichischen Parteienpalette sein. Seiner ÖVP hatte er aber nicht nur die Farbenlehre beigebracht, er brachte den Wiener Schmäh zurück auf den Ballhausplatz.

Doch vom Charme und Charisma des Sunnyboys sind spätestens seit dem Einzug vom jetzigen Bundeskanzler Karl Nehammer (49) nichts mehr zu spüren.

Der "treue Parteisoldat" lenkt die Partei wieder auf die konservative Sandbank, auf die sie vor Kurz saß und hebt Hardliner wie den neuen Innenminister Gerhard Karner (54) auf die Regierungsbank, der Wahlkampf mit antisemitischen Sprüchen betreibt.

Eigentlich ständen dem 35-jährigen ÖVP-Rentner noch 75 Prozent seines letzten Monatsgehalts für das darauffolgende halbe Jahr zu - stolze 11.365 Euro brutto. Auf die knapp 75.000 Euro verzichtet der Regierungspensionier aber - es zieht ihn in die Privatwirtschaft.

Was macht "Wunderwuzzi" Sebastian Kurz jetzt?

Laut Kronen Zeitung wird der Alt-Kanzler demnächst einen Managerposten im Silicon Valley annehmen - genauer bei Investor Peter Thiel (54), einem Republikaner und Trump-Unterstützer sowie Facebook-Investor und Co-PayPal-Gründer.

Seine genaue Positionsbeschreibung bei Thiel Capital soll "Global Strategist" lauten.

Titelfoto: Montage: dpa/APA/Georg Hochmuth

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