Biden trifft auf "würdigen Gegner" Putin: Gipfel der Giganten am Genfersee

Genf (Schweiz) - Es sind spannende Tage in der Weltpolitik. Zum Abschluss seiner Europareise trifft Joe Biden (78) am morgigen Mittwoch zum ersten Mal als US-Präsident auf Wladimir Putin (68). Im malerischen Genf will Biden dem russischen Präsidenten eine klare rote Linie aufzeigen, aber auch Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit diskutieren.

US-Präsident Joe Biden (78) und der russische Präsident Wladimir Putin (68).
US-Präsident Joe Biden (78) und der russische Präsident Wladimir Putin (68).  © Montage: imago images/ZUMA Wire/Saquan Stimpson, dpa/AP/Pool Sputnik Kremlin/Yevgeny Odinokov

"Ich werde Präsident Putin zu verstehen geben, dass es Bereiche gibt, in denen wir zusammenarbeiten können, wenn er sich dafür entscheidet", sagte ein selbstbewusster Joe Biden nach dem NATO-Gipfel am Montag. "Und in den Bereichen, in denen wir nicht übereinstimmen, klarmachen, was die roten Linien sind."

Putin sei ein kluger und zäher Mann. "Und ich habe festgestellt, dass er ein, wie man beim Ballspielen sagt, würdiger Gegner ist."

Abseits der markigen Worte des US-Präsidenten ist noch völlig unklar, ob der Showdown am Genfersee auch zu echten Ergebnissen führen wird. "Ich bin mir nicht sicher, ob es irgendwelche Vereinbarungen geben wird", so der außenpolitische Berater im Kreml, Juri Uschakow (74), am Dienstag zur Agentur Interfax.

Die Vorbereitungen seien aber recht erfolgreich abgelaufen. "Die Tagesordnung umfasst praktisch alle Themen, die uns und die amerikanische Seite beschäftigen" - darunter Cyberkriminalität, Klima, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Corona und die strategische Stabilität. Zudem erwarten die Russen, dass Biden das Thema Nawalny ansprechen wird.

Start des Treffens ist 13 Uhr. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow (53) ist geplant, in verschiedenen Formaten vier bis fünf Stunden miteinander zu sprechen.

Im malerischen Genf treffen die Chefs der beiden Supermächte aufeinander.
Im malerischen Genf treffen die Chefs der beiden Supermächte aufeinander.  © dpa/AP/Markus Schreiber

EU und USA auf Kuschelkurs

EU und USA kuscheln wieder: Nach den Jahren der Missgunst in der Trump-Ära haben sich beide Seiten bei ihrem gestrigen Treffen in Brüssel wieder spürbar angenähert.

So bezeichnete Präsident Biden die Europäische Union als "natürlichen Partner", mit dem man die gleichen demokratischen Werte teile. EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen (62, CDU) wiederum sprach von einer "Ehre", Biden schon so kurz nach Amtsantritt begrüßen zu dürfen.

Schon am Wochenende hatte Biden lobende Worte für die EU gefunden: "Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass die Europäische Union eine unglaublich starke und lebendige Einheit ist."

Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen (62, CDU), Joe Biden (78) und Ratspräsident Charles Michel (45, v.l.n.r.) im angeregten Gespräch.
Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen (62, CDU), Joe Biden (78) und Ratspräsident Charles Michel (45, v.l.n.r.) im angeregten Gespräch.  © dpa/AP/Francisco Seco

Neben den gegenseitigen Lobeshymnen einigte man sich auch auf einen Kompromiss im endlosen Streit über Strafzölle wegen Subventionen für Airbus und Boeing. Beide Seiten wollen diese für fünf Jahre aussetzen.

Titelfoto: Montage: dpa/AP/Markus Schreiber, imago images/ZUMA Wire/Saquan Stimpson, dpa/AP/Pool Sputnik Kremlin/Yevgeny Odinokov

Mehr zum Thema Joe Biden: