Nach Kritik von Joe Biden: KZ-Gedenkstätte Dachau schreibt dem künftigen US-Präsidenten

Dachau - Die KZ-Gedenkstätte in Dachau hat den angehenden US-Präsidenten Joe Biden (78) zu einem Besuch eingeladen, um Missverständnisse über das Konzept der Anlage auszuräumen.

Das Eingangstor mit der Inschrift "Arbeit macht frei" ist an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau zu sehen.
Das Eingangstor mit der Inschrift "Arbeit macht frei" ist an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau zu sehen.  © Sven Hoppe/dpa

Biden habe nach einer Besichtigung im Jahr 2015 weitere Besuche mit seinen Enkeln angekündigt, sagte die Leiterin der Gedenkstätte bei München, Gabriele Hammermann, der Deutschen Presse-Agentur. "Dabei werden sich anhand des aktuellen Forschungsstandes etwaige Missverständnisse, etwa zur Funktion der Gaskammer, ausräumen lassen."

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, verschickte am Dienstag eine persönliche Einladung an den künftigen Präsidenten der USA. Am Mittwoch wird Biden ins Amt eingeführt.

Der 78-Jährige hatte in seinem Buch "Versprich es mir" bemängelt, dass die Gedenkstätte seit einem vorherigen Besuch umgestaltet worden sei. "Es schien, als hätte man umgeräumt, um es für die Besucher weniger bedrückend zu machen. Die grausamen Einzelheiten waren über die Jahre abgemildert worden." Darüber hatte der "Spiegel" berichtet.

Biden schreibt, die Betten in den Baracken seien ihm "sauber" und "frisch lackiert" vorgekommen. Ein Fremdenführer habe ihnen damals die einstige Gaskammer gezeigt. "Heute heißt es, in Dachau seien nie Häftlinge vergast worden, oder man hätte die Gaskammer nur wenige Male benutzt."

KZ-Gedenkstätte in Dachau: Gewalt, Enge, Schmutz und Gerüche kaum museal darzustellen

Joe Biden soll am Mittwoch in das Amt des US-Präsidenten eingeführt werden.
Joe Biden soll am Mittwoch in das Amt des US-Präsidenten eingeführt werden.  © Susan Walsh/AP/dpa

Anders als im Vernichtungslager Auschwitz kam es in Dachau nicht "zur massenhaften Tötung von Menschen durch Giftgas", heißt es in den Informationen der Gedenkstätte. "Es ist ungeklärt, weshalb die SS die funktionsfähige Gaskammer nicht auf diese Weise einsetzte."

In den letzten zwei Kriegsjahren wurden laut Zeitzeugenberichten in mehreren Versuchsreihen Häftlinge durch Giftgas ermordet.

Hammermann betonte, sie sei nicht irritiert über Bidens Aussagen. Im Gegenteil: Für den zukünftigen Präsidenten und seine Familie habe Dachau seit mehreren Generationen eine ganz zentrale Bedeutung als Ort der Aufklärung und der Menschenrechtsbildung.

Die Gedenkstätte sei am Anfang einer "langfristig angelegten und umfassenden Neukonzeption, die großen Wert auf die Vermittlung der Authentizität des Ortes und seiner Spuren legt", sagte sie.

Freller ergänzte, dass es die KZ-Gedenkstätte mit Dokumentation als solche erst seit 1965 gebe. "So ist es unbestritten, dass auf dem Gelände nach 1945 vieles verändert wurde." Die Baracken wurden zum Beispiel umgebaut und später abgerissen. "Zwei Baracken wurden in den 60er Jahren nachgebaut, auch die Inneneinrichtung und die bis heute unlackierten Stockbetten, um wenigstens eine Grundvorstellung zu ermöglichen."

Doch "Schrecken und Gewalt, Enge und Schmutz, Gerüche und Kälte museal darzustellen", sei ohne historische Originalteile kaum möglich.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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