Ösi-Kanzler Kurz beendet Polit-Karriere: Korruptionsaffäre "haben Flamme kleiner werden lassen"

Aktualisiert: 2. Dezember, 12.30 Uhr.

Wien - Paukenschlag aus Österreich! Der Kanzler des deutschen Nachbarlandes hat am Donnerstag das Ende seiner politischen Laufbahn verkündet. Sebastian Kurz (35) reagierte damit auf die Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate.

Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz (35) wirft das Handtuch!
Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz (35) wirft das Handtuch!  © Georg Hochmuth/APA/dpa

Wie der ÖVP-Chef zunächst gegenüber dem österreichischen Blatt Heute verriet, habe er "die Begeisterung etwas verloren".

Entsprechend machte er in einer am Vormittag abgehaltenen Pressekonferenz seinen Rücktritt als Partei- und Fraktionschef der konservativen ÖVP offiziell.

Die Gründe scheinen dabei wohl vorrangig die Anschuldigungen und Vorwürfe in Bezug auf den Chat-Skandal zu sein.

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In der Parteiakademie der ÖVP bezog er Stellung und gab indirekt zu, wie sehr ihm die Korruptionsvorwürfe der jüngeren Vergangenheit zugesetzt haben: "Sie haben in mir meine Flamme etwas kleiner werden lassen", so Kurz.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hatte im Mai wegen des Verdachts der Untreue sowie der Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss Ermittlungen gegen den einst als Polit-Star Österreichs gefeierten Ex-Kanzler eingeleitet.

Konkret soll unter anderem sein politischer Aufstieg mit Steuergeldern unrechtens befeuert worden sein.

Die Hausdurchsuchungen im Bundeskanzleramt im Oktober waren dann der Startschuss zum Ende seiner Kanzlerschaft. Wenig später trat er von diesem Amt zurück. Auf ihn folgte Alexander Schallenberg (52).

Trotz des Wirbels um seine Person blieb Kurz jedoch bis auf Weiteres der Vorsitzende der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Nun jedoch der komplette Rückzug.

Auch Geburt des Sohnes habe Sebastian Kurz zu diesem Schritt bewogen: "Hat Klick gemacht"

Doch auch seine private Situation habe Kurz nach eigener Aussage zu diesem Schritt bewogen.

Er und Partnerin Susanne Thier wurden am Samstag Eltern eines kleinen Jungen Konstantin. "Wir freuen uns auf die wunderschöne gemeinsame Aufgabe und unser erstes Weihnachtsfest zu dritt", so Kurz weiter.

Gegenüber der Kronen-Zeitung gab er an, dass die Geburt den Ausschlag zum Rücktritt gegeben und es im Zuge dessen bei ihm "Klick gemacht" habe.

Karl Nehammer als Kurz-Nachfolger an der Parteispitze?

Ein Bild mit Symbolcharakter. Sebastian Kurz kehrt der österreichischen Politik den Rücken.
Ein Bild mit Symbolcharakter. Sebastian Kurz kehrt der österreichischen Politik den Rücken.  © Georg Hochmuth/APA/dpa

Dennoch: Kurz' Abtreten dürfte zu einem großen Teil mit den Korruptionsermittlungen.

Wie es weitergeht, ist derzeit noch rein spekulativ. Kurz soll laut der Kronen-Zeitung ein sehr guter Job in der Privatwirtschaft winken.

Österreichs Bundesinnenminister Karl Nehammer (49) wird derweil als sein Nachfolger an der Parteispitze gehandelt.

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Die politische Bühne betrat Sebastian Kurz erstmals so richtig im Jahr 2011. Als Staatssekretär für Integration legte er die Basis für das, was später zu einem seiner politischen Hauptmarkenzeichen wurde. Gerade das vehemente Eintreten für eine restriktive Migrationspolitik machte ihn zu einem polarisierenden Gesicht Österreichs Politik.

Mit 27 wurde er anschließend im Jahr 2014 der jüngste Außenminister in der österreichischen Geschichte. Seit 2017 war er dann Kanzler des Landes.

Titelfoto: Georg Hochmuth/APA/dpa

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