Nord Stream 1: Ab morgen fließt wieder Gas nach Deutschland - aber wie viel?

Lubmin - Nach Ende der regulären Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 blickt Deutschland wie gebannt nach Moskau. Wird Russlands Präsident Wladimir Putin (69) wirklich den Hahn zudrehen, oder fließt das Gas bald wieder? Wir haben für Euch die verschiedenen Aussagen zusammengefasst.

Wann kommt in Lubmin wieder russisches Gas an?
Wann kommt in Lubmin wieder russisches Gas an?  © Stefan Sauer/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin:

"Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen", zitierte die russische Nachrichtenagentur "Interfax" Präsident Wladimir Putin (69) in der Nacht zum Mittwoch.

Zugleich sprach Putin eine Warnung aus, dass sich die Liefermenge Ende des Monats weiter reduzieren werde, wenn man eine in Kanada gewartete Turbine nicht rechtzeitig zurückerhalte. "Dann gibt es nur 30 Millionen Kubikmeter am Tag" - rein theoretisch möglich sind mehr als 167 Millionen.

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Die wurden aber auch schon vor der Wartung nicht mehr ausgeschöpft. Zuletzt lief die Pipeline nur noch bei etwa 40 Prozent ihrer Kapazität, ein Insider geht laut "Reuters" davon aus, dass Gazprom "zu dem vor dem 11. Juli gesehenen Niveau zurückkehren" werde.

Deutsche Bundesregierung:

Die Deutsche Bundesregierung erwartet mit Hinweis auf die vertraglichen Verpflichtungen von Gazprom eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen in vollem Umfang, so eine Sprecherin. Die Äußerungen von Präsident Putin wollte man nicht kommentieren. Auch der genaue Aufenthaltsort der Gasturbine soll aus Sicherheitsgründen geheim bleiben.

Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es allerdings, dass es sich um einen Vorwand der russischen Seite handele und der Einsatz einer Ersatzturbine für September bestimmt gewesen sei. Dennoch werde alles getan, um den Russen diesen Vorwand zu nehmen.

Gazprom klagt über angeblich fehlende Dokumente

Gazprom fehlt es angeblich noch an Unterlagen.
Gazprom fehlt es angeblich noch an Unterlagen.  © Igor Russak/dpa

Gazprom & Siemens Energy:

Gazprom beklagt sich derweil auf seinem Telegram-Kanal darüber, trotz Anfrage noch immer keine Unterlagen für die zum Pipeline-Betrieb benötigte Turbine erhalten zu haben und stellt deshalb nun dessen Sicherheit infrage.

"Gazprom hat bis heute vom Konzern Siemens keine offiziellen Dokumente erhalten, die es unter den Bedingungen der Sanktionen Kanadas und der EU erlauben, den Gasturbinenmotor in die Kompressorstation 'Portowaja' einzubauen."

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Problem bei der Sache: Siemens hat nach der Ausgliederung seiner Tochter Siemens Energy gar nichts mehr mit der Wartung zu tun. Ob sich Gazprom überhaupt an das richtige Unternehmen gewandt hat, blieb offen.

Und was sagt Siemens Energy? "Sofern politisch gewünscht und aufgrund des Sanktionsregimes möglich, werden wir also weitere Turbinen mit den üblich hohen Qualitäts-Standards warten, wenn wir dazu beauftragt werden. Unser Ziel ist in solchen Fällen immer, die Turbine so schnell wie möglich wieder an ihren Einsatzort zu transportieren."

Update 19.30 Uhr: Ab morgen gibt es wohl wieder Gas!

Schon am morgigen Donnerstag soll wieder Gas nach Deutschland fließen. Das legen Daten des Netzbetreibers Gascade vom Mittwochnachmittag nahe, der die beiden Empfangspunkte von Nord Stream 1 in Lubmin betreibt.

Die Auslastung läge dann bei etwa 30 Prozent.

Titelfoto: Stefan Sauer/dpa

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