"Gefühle verletzt": Russische Supermarktkette löscht Werbung mit lesbischem Paar

Von Hannah Wagner

Moskau - Nach Anfeindungen und übelster Kritik hat eine russische Supermarktkette eine Werbung mit einem lesbischen Paar zurückgezogen - und sich sogar dafür entschuldigt.

Dass zwei lesbische Frauen in der Werbung vorkamen, galt für ein paar Russen als "Propaganda". (Symbolbild)
Dass zwei lesbische Frauen in der Werbung vorkamen, galt für ein paar Russen als "Propaganda". (Symbolbild)  © Pixabay/Victoria Borodinova

Die Reklame habe "die Gefühle vieler unserer Kunden, Mitarbeiter, Partner und Lieferanten verletzt", teilte das Unternehmen Vkusvill am Sonntag auf seiner Homepage mit.

Vkusvill hatte Ende Juni einen Artikel über "Rezepte fürs Familienglück" veröffentlicht, in dem auch die beiden lesbischen Frauen vorgestellt wurden.

Daraufhin hatte die Supermarktkette Drohungen erhalten. Der Vorwurf lautete, Vkusvill habe die Gay-Community gegenüber Minderjährigen bewerben wollen.

Nur vereinzelt wurde die Kampagne im Internet als Statement gegen die Diskriminierung homosexueller Menschen in Russland gelobt.

In ihrer nun veröffentlichten Mitteilung bezeichnete Vkusvill die Werbung als "Fehler". Die Supermarktkette machte mehrere Aussagen von Mitarbeitern publik, die sich entschuldigten, und löschte die Werbung auf allen Kanälen.

Reaktion der russischen Supermarktkette sorgt für internationalen Aufschrei

Gleichgeschlechtliche Liebe ist in Russland zwar nicht verboten, wird aber weitgehend tabuisiert. Gegen ein seit 2013 geltende Verbot von "Homo-Propaganda" gibt es seit langem internationalen Protest.

Menschenrechtler beklagen immer wieder Anfeindungen und Gewalt gegen homosexuelle Menschen im größten Land der Erde.

Auch diese Aktion sorgte für einen Aufschrei über die Grenzen Russlands hinweg. "Ist das traurig", schrieb die Journalistin Alice Bota (41) auf Twitter, und ergänzte: "Eigentlich ist es nicht traurig, sondern empörend und rückgratlos."

Titelfoto: Pixabay/Victoria Borodinova

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